VorkommenLinks (1)
Länder:+13Kontinente:EU
Falter
Männchen
Weibchen
Männchen
Weibchen
Erstbeschreibung
Habitat
Inhalt

1. Lebendfotos

1.1. Falter

2. Diagnose

2.1. Männchen

2.2. Weibchen

2.3. Genitalien

2.3.1. Männchen
2.3.2. Weibchen

2.4. Erstbeschreibung

3. Biologie

3.1. Nahrung der Raupe

  • [Sapindaceae:] Acer pseudoplatanus (Berg-Ahorn)
  • [Sapindaceae:] Acer monspessulanum (Französischer Ahorn, Felsen-Ahorn)
  • [Rosaceae:] Prunus spinosa? (Schlehe?) [extrem seltener Fall von Xenophagie?]

Laut Laštůvka & Liška (2011) war Acer pseudoplatanus bereits im Jahr 2010 von einem Züchter tschechischer Caloptilia honoratella als Raupennahrungspflanze erkannt worden; dieser zog auch im September 2010 (ein) Tier(e) aus Kroatien von Acer monspessulanum. In Österreich wurde im August 2011 eine Raupe an Acer pseudoplatanus gefunden (siehe Diagnosefalter).

R. Schick teilte (per E-Mail an E. Rennwald) mit: "Interessant ist noch, dass Günter Baisch die Puppe von Ingerkingen, Mooswiesen, an Schlehe (Prunus spinosa) gefunden hat (Schlüpfdatum 1.10.2012)"; es könnte sich also um einen extremen Fall von Xenophagie handeln.

3.2. Habitat

4. Weitere Informationen

4.1. Andere Kombinationen

  • Gracilaria honoratella Rebel, 1914 [Originalkombination]

4.2. Faunistik

Marcel Püls [Lepiforumsbeitrag Marcel Püls, 18. März 2011] fragte einen Falter – gefangen am 2. Oktober 2010 am Licht in einem Garten in Niederviehbach (Landkreis Dingolfing-Landau, Niederbayern) – an, der zunächst kontroverse Diskussionen bezüglich der genauen Artzugehörigkeit auslöste. Oliver Rist führte dann unabhängig davon im Jahre 2011 diverse Zuchten mit eingetragenen Caloptilia-Raupen von Ahorn aus der Umgebung von Wien durch. Von Wien-Lobau (Österreich) trug er am 28. August 2011 Raupen von Bergahorn ein, woraus er am 11. September 2011 einen Falter erhielt (siehe Diagnosefalter und zugehöriges GU-Foto) und ihm damit – 104 Jahre nach der Erstbeschreibung – der Wiederfund von Caloptilia honoratella in Österreich gelang. Seine Meldung dieses sehr bedeutenden Nachweises hängte er unter der Überschrift „Caloptilia honoratella, neu für D!“ gleich als abschließende Antwort an die Diskussion um das Foto von Marcel Püls an [Lepiforumsbeitrag Oliver Rist, 7. Januar 2012].

Und Oliver Rist ergänzt: „Was die Verbreitung dieser Art anbelangt, möchte ich einiges anmerken. Nach der Erstbeschreibung war diese Art für fast 100 Jahre aus Mitteleuropa nicht mehr nachgewiesen worden. Kasy fand sie in den Fünfziger Jahren in der Treska-Schlucht in Mazedonien. Fazekas veröffentlichte 2001 den Wiederfund von Caloptilia honoratella für Mitteleuropa in Somogy/SW Ungarn. Sumpich et al. berichteten 2009 über den Fund in der Tschechei und Pastoralis 2011 über den Fund in der SO-Slowakei. In der Sammlung von Wolfgang Stark habe ich 2 aktuelle Belege dieser Art auch für Niederösterreich gesehen.“

(Autor: Erwin Rennwald (im wesentlichen Oliver Rist zitierend oder folgend), Stand 26. September 2012)

Wie sich zwischenzeitlich herausstellte, gab es zunächst nicht bekannte Belege älteren Datums. Segerer et al. (2013) nennen jetzt als Erstnachweis (bzw. ältesten Fund) für Bayern (und damit Deutschland): Niederbayern, Landkreis Passau, Untergrießbach, Hanzing/Leiten, LF 30.04.2005 und weitere Funde 2007.

H.-P. Deuring [Lepiforums-Beitrag 8. April 2014] fragte einen verdächtigen Falter aus Blumberg in Baden-Württemberg an, der sich schließlich durch GU [Lepiforumsbeitrag H.-P. Deuring 8. Januar 2015] als Männchen dieser Art und damit als gesicherter Erstnachweis für Baden-Württemberg bestätigte [Lepiforumsbeitrag O. Rist 9. Januar 2015].

Doch auch dieser Fund war nicht der erste seiner Art in Baden-Württemberg. Denn nur 2 Tage nach dem ersten bayerischen Fund - am 2. Mai 2005 - fing Günter Baisch einen inzwischen genitalüberprüften Falter im südöstlichen Baden-Württemberg, auf der Schwäbischen Alb bei Schelklingen-Teuringshofen. Weitere Falterfunde im Bereich Oberschwaben / südliche Schwäbischer Alb erfolgten am 21. August 2011 und 13. August 2012 bei Baltringen und 18. September 2012 bei Sigmaringen-Gutenstein - am 27. September 2012 gab es dann auch einen überraschenden Raupenfund bei Ingerkingen, denn dieser erfolgte nicht an Ahorn, sondern an Schlehe (alles G. Baisch). Weitere Funde erfolgten 2015 und 2016 bei Biberach-Reichenbach, Blaustein-Herrlingen, Ehingen-Altsteußlingen, Maselheim (jeweils Günter Baisch) und Engen-Zimmerholz und Fridingen an der Donau (Rudolf Schick (jeweils Mitteilungen an E. Rennwald). Die Lage dieser Orte kann man der Fundortkarte der [Schmetterlinge Baden-Württembergs] entnehmen - einschließlich zweier Meldungen 2011 und 2014 nordöstlich von Pforzheim (Karl Hofsäß).

Heinz Schumacher meldet (per E-Mail vom 14.01.2015 an E. Rennwald) gleich 3 Funde aus dem südlichen Nordrhein-Westfalen aus den Jahren 2012 und 2014:

  • "Der erste Fund stammt vom 17.09.2012, Hennef-Eulenberg, NSG Steinbruch Eulenberg, LF, leg. H. Schumacher, gen. det. Rudi Seliger. Der Basaltsteinbruch Eulenberg am Rande des gleichnamigen Ortes liegt im nordöstlichen Randbereich des Siebengebirges im Süden von NRW (MTB: 5210,332).
  • Auch der zweite Falter stammt vom gleichen Fundort, Datum: 30.03.2014, leg. und det. H. Schumacher.
  • Der dritte Nachweis stammt vom 03.10.2014 aus Königswinter, NSG Siebengebirge, Umgebung Drachenburg, MTB 5309,141 (ebenfalls NRW), leg. und det. H. Schumacher. Der Fundort liegt auf der Nordseite des Drachenfels am Rande eines Mischwaldes (Linde, alle Ahorn-Arten, Buche, Eiche usw.)."

5 Wochen nach dem Erstnachweis für Nordrhein-Westfalen erfolgte auch der erste, leider nicht durch GU restlos abgesicherte Nachweis für Rheinland-Pfalz: Am 20. Oktober 2012 in Hagenbach, ganz im Südosten von Rheinland-Pfalz [Lepiforumsbeitrag D. Kremb, 25. Juni 2013, siehe auch Falterbild 3].

Ein dringendes Verdachtstier wurde nahezu zeitgleich mit dem Tier aus Blumberg auch in Thüringen, Gespringwiesen Schmalkaden, gefangen [Lepiforumsbeitrag Uwe Büchner, 8. April 2014].

Erstmals aus Niedersachsen (Rodenberg, Landkreis Schaumburg) nachgewiesen wurde die Art im August 2020: [Lepiforumsbeitrag Tina Schulz 14. August 2020].

Die Serie von Nachweisen seit 2010 in Deutschland und im Jahrzehnt davor in Südosteuropa wirft einige Fragen zu dieser über viele Jahrzehnte nicht mehr gefundenen Art auf: War sie immer da, und hat das nur niemand bemerkt? Oder ist sie in Ausbreitung (in nordwestlicher Richtung)? Falls ja, kommt sie selbst voran? Oder hängt sie an Ahorn-Pflanzungen?

Nel & Varenne (2015) melden die ersten drei (genitalüberprüften) Nachweise für Frankreich aus den Départements Alpes-Maritimes, Herault und Lot.

Prick, Cupedo & Schreurs (2017) melden die Art für die Niederlande.

Die aus Turkmenistan beschriebene Caloptilia acerivorella fehlt in Europa. Entsprechende Angaben (Kroatien und Tschechien) sind falsch - sie beruhen auf Verwechslung mit Caloptilia honoratella.

Den Erstnachweis für die Schweiz wurde von Bolt & Grunder (2021: 173-175) publiziert: "Wie Tymo Muus weiss, ist die Art in den Niederlanden vor drei Jahren erstmals entdeckt worden und verbreitet sich seither sehr schnell (persönliche Mitteilung). Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis die Blatttütenmotte auch in der Schweiz gefunden wurde. Hans-Ueli Grunder gelang am 27. September 2019 während eines Lichtfangabends der Fund eines Weibchens in Berg am Irchel, Kanton Zürich. Bei einem weiteren Lichtfangabend am 19. April 2020 am selben Ort gelang nochmals ein Fund eines Weibchens. Im Rahmen einer Wochenendexkursion der Microlepidopterologengruppe Schweiz in die Umgebung von Martigny (VS) gelang dem Erstautor sowie Walther Keller bei einem Lichtfang oberhalb von Fully (VS) der Fund je eines Weibchens und eines Männchens. Im Verlaufe des Jahres 2020 gelangen Walther Keller und Andreas Kopp noch weitere Funde in der Schweiz." Diese Funde wurden im Lepiforum erst diskutiert, nachdem Daniel Kessler am 18. Dezember 2021 im [Forum 2] den vermeintlichen Erstfund für die Schweiz mitteilte: "Schweiz, Schaffhausen, Bargen, (nach Süden abfallender trocken-warmer Hang mit Wald, Magerwiesen, Büschen, Landwirtschaft), 750m, 25. September 2021, am Licht (Studiofotos: Daniel Kessler) Det. Daniel Kessler, gen. det. Hans-Peter Deuring". Die Art scheint also in der Schweiz schon recht weit verbreitet zu sein - was wenig überrascht.

(Autoren: Erwin Rennwald, ergänzt 23. August 2014, 14. Januar 2015, 29. Januar 2018; 21. Februar 2021, 20. Dezember 2021; Jürgen Rodeland 10. Juni 2020 und 19. Dezember 2021)

4.3. Literatur