Vorkommen
Länder:+8Kontinente:EU
Tiere aus dem klassischen norddeutschen Verbreitungsgebiet
Tiere aus dem sonstigen Verbreitungsgebiet
Ausgewachsene
Jüngere Raupenstadien
Tiere aus dem sonstigen Verbreitungsgebiet (nur schwache helle Subdorsale!)
Puppe
Ei
Männchen
Männchen
Weibchen
Männchen
Weibchen
Erstbeschreibung
Habitat
Inhalt

1. Tiere aus dem klassischen norddeutschen Verbreitungsgebiet

Anmerkung: Frank Stuehmer fing im Herbst 2020 im Ostteil des Landkreises Lüneburg Falter, deren Flügelfärbung nicht dem klassischem atlantischen Typ entspricht [Fotos und Diskussion im Forum].

2. Tiere aus dem sonstigen Verbreitungsgebiet

Die Bilder 1-14 waren bis 13. November 2016 unter A. lutulenta abgelegt.

3. Ausgewachsene

Tiere aus dem klassischen norddeutschen Verbreitungsgebiet (deutliche weiße Subdorsale!):

4. Jüngere Raupenstadien

5. Tiere aus dem sonstigen Verbreitungsgebiet (nur schwache helle Subdorsale!)

Die Bilder waren 1-11 waren bis 13. November 2016 unter A. lutulenta abgelegt.

6. Puppe

7. Ei

8. Diagnose

8.1. Tiere aus dem klassischen norddeutschen / südskandinavischen Verbreitungsgebiet

8.1.1. Männchen

8.2. Tiere aus dem sonstigen Verbreitungsgebiet

8.2.1. Männchen

Die Bilder 1-2 waren bis 13. November 2016 unter A. lutulenta abgelegt.

8.2.2. Weibchen

Die Bilder 1-2 waren bis 13. November 2016 unter A. lutulenta abgelegt.

8.3. Zuordnung zu einem Verbreitungsgebiet noch unsicher

8.3.1. Männchen

Die Bilder 1-2 waren bis 13. November 2016 unter A. lutulenta abgelegt.

8.3.2. Weibchen

Die Bilder 1-2 waren bis 13. November 2016 unter A. lutulenta abgelegt.

8.4. Ähnliche Arten

„Die Verwechslungsart A. nigra ist größer, schmalflügliger, glänzend pechschwarz, weniger deutlich quergebändert und hat keine Kammzähne an den Antennen. Die als Unterscheidungsmerkmal angegebenen weißen Flecke in der Nierenmakel können bei beiden Arten auftreten.“ [Daniel Bartsch im Forum]

8.5. Erstbeschreibung

9. Biologie

9.1. Habitat

Habitate aus dem klassischen norddeutschen, südskandinavischen Verbreitungsgebiet:

Habitate aus anderen Gegenden: (Bild 1 war bis 13.11.2016 unter A. lutulenta abgelegt)

10. Weitere Informationen

10.1. Andere Kombinationen

  • Agrotis lueneburgensis Freyer, 1848 [Originalkombination gemäß Opinion 134 ICZN]

10.2. Synonyme

10.3. Taxonomie und Faunistik

Was ist Aporophyla lueneburgensis? Die Art wurde aus der Lüneburger Heide im Norden Deutschlands beschrieben. Nach klassischer Fassung meinte sie immer die norddeutschen und südskandinavischen Tiere in sandigen Heiden, die sich durch Vorherrschen von Grau- und Schwarztönen von den häufig durch Brauntönen geprägten klassischen „lutulenta“ weiter südlich in Deutschland unterschieden, aber auch durch einen etwas schmaleren und spitzeren Flügelschnitt und nicht zuletzt durch die Raupe. Frank Rosenbauer [Lepiforums-Beitrag 25. Januar 2016] weist hier auf die Arbeit von Wegner (2012) hin und zitiert daraus: "Sie unterscheiden sich von der erwachsenen Raupen der nahe verwandten Art lutulenta vor allem durch die breite, weiße Nebenrückenlinie (Subdorsale)....". Frank Rosenbauer ergänzt: „Dieses Unterscheidungsmerkmal kann ich durch eigene Funde absolut bestätigen und ist auf den Bildern im Lepiforum auch gut sichtbar. Wer also Artklarheit möchte, muss sich wohl auf die Raupensuche begeben!“

Immer wieder war auch von Funden angeblicher A. lueneburgensis fernab dieser Gebiete die Rede, immer wieder wurden diese aber auch zurückgewiesen. Ronkay et al. (2001) überraschten dann mit einer sehr viel weiteren Fassung von A. lueneburgensis und definierten die Abgrenzung gegenüber A. lutulenta neu, wobei sie sich im Wesentlichen auf kleine Genitalunterschiede bei den Männchen und etwas größere bei den Weibchen beriefen. Demnach wäre A. lutulenta eine ponto-mediterrane Art, die an ihrem locus typicus, der „Wienergegend“ schon fast ihren nordwestlichsten Punkt der Verbreitung erreicht, A. lueneburgensis würde hingegen neben Norddeutschland alle Tiere aus dem atlanto-mediterranen Bereich (Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Skandinavien, Italien), aber auch aus der Schweiz, dem westlichen Österreich und Süddeutschland umfassen. Dieser Auffassung wurde teilweise gefolgt (so vor allem in der französischen Literatur), teilweise aber auch heftig widersprochen (vor allem in Norddeutschland, siehe hierzu auch Diskussion [Forum 2].

Hier in der Bestimmungshilfe war bis 13. November 2016 zu lesen:

"Das Vorkommen der Art in der Schweiz ist noch zu klären. "Von diesen beiden Arten (Anm. der Red.: Gemeint sind Aporophyla lutulenta und A. lueneburgensis.) muss eine gestrichen werden. Nach Ronkay et al. (2001) (Karten pp. 196 und 198) käme in der Schweiz nur lueneburgensis vor. Die taxonomischen Probleme in dieser Gruppe scheinen aber noch nicht definitiv gelöst." (Sauter & Whitebread 2005)"

und:

"Diskussion zur Zuordnung südfranzösischer "A. lueneburgensis" siehe [hier und Folgebeiträge im Lepiforum]. Insbesondere ist auf den Artikel von Orhant (2012) hinzuweisen, der beim Barcoding keine signifikanten Unterschiede zwischen A. lutulenta und A. lueneburgensis fand und daher Letztere für ein Synonym von Ersterer hält."

Barcoding-Ergebnisse sollten hier weiterhelfen. Hier ist natürlich erst einmal der Artikel von Orhant (2012) zu erklären, der beim Barcoding keine signifikanten Unterschiede zwischen A. lutulenta und A. lueneburgensis fand und daher Letztere für ein Synonym von Ersterer hält. Wie sich herausstellen sollte, hatte er gar keine „echten“ A. lutulenta zum Vergleich, so dass auch seine Schlussfolgerung falsch war.

Haslberger & Segerer (2016) können auf weitere Barcoding-Daten zurückgreifen und schreiben (Anmerkung zu 4323): „Aporophyla lueneburgensis: Formal neu für Bayern! Westmediterranes Faunenelement, schwierige Abgrenzung zur südwestlichen Schwesterart A. lutulenta, jedoch genetisch eindeutig unterscheidbar (DNA Barcode). Nach aktuellen genetischen Erkenntnissen kommt A. lutulenta in Bayern nicht vor, alle entsprechenden Angaben sind auf A. lueneburgensis zu beziehen […]“. Und in Anmerkung X188 ist zu A. lutulenta zu erfahren: „Nach aktuellen genetischen Ergebnissen (DNA-Barcoding) kommt A. lutulenta in Bayern nicht vor, alle bisherigen Angaben sind auf die westmediterrane A. lueneburgensis zu beziehen. Dies trifft auch auf alle Angaben aus Nord- und Westdeutschland zu, sowie zumindest auf einen Teil der Angaben aus den östlichen Bundesländern. […] Ob A. lutulenta überhaupt Bestandteil der deutschen Fauna ist, bedarf noch der abschließenden Klärung und ist Gegenstand der aktuellen Forschung (Manuskript in Vorbereitung).“

Demnach stützen die genetischen Daten – von kleineren Details abgesehen – die Zweiteilung, wie sie Ronkay et al. (2001) anhand der Genitalunterschiede vorgenommen hatten.

In Bezug auf die Schweiz melden Andriollo et al. (2019) den indirekten Nachweis von A. lueneburgensis: Sie suchten in den Kotpellets von drei Arten von Langohr-Fledermäusen (Plecotus spp.) nach Barcodes von Schmetterlingen und fanden in Proben von Cartigny, Choulex, Hermance und Satigny Barcodes, die mit Aporophyla lueneburgensis (und damit auch allen von Orhant (2012) aus Südostfrankreich untersuchten angeblichen "A. lutulenta") übereinstimmen. Sie schließen daraus, dass alle Angaben aus dem Kanton Bern und alle Angaben aus der Schweiz von A. lutulenta zu streichen und zu A. lueneburgensis zu verschieben sind.

(Autor: Erwin Rennwald)

10.4. Publikationsjahr der Erstbeschreibung

Wir folgen den Ausführungen von Olivier (2000).

10.5. Literatur