

+20Kontinente:EUAS1. Lebendfotos
1.1. Falter
2. Diagnose
2.1. Geschlecht nicht bestimmt
2.2. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Habitat
4. Weitere Informationen
4.1. Etymologie (Namenserklärung)
ochrealis: „ochreus ockergelb.“
4.2. Andere Kombinationen
- Phalaena luteolaris Scopoli, 1772 [Originalkombination]
- Cholius luteolaris (Scopoli, 1772) [im Lepiforum bis 30. Januar 2026 verwendete Kombination]
4.3. Synonyme
- Pyralis ochrealis [Denis & Schiffermüller], 1775
- Tinea silacella Hübner, 1796 [Homonym]
- Tinea luteellus var. flavellus Costa, 1836
- Pionea albescentalis Hampson, 1900
- Cholius ochrealis cremealis Zerny, 1934
4.4. Taxonomie
Die Art wurde meist als "Scoparia luteolaris" geführt. Entgegen Karsholt, O. & Razowski, J. (1996) führten dann aber Goater et al. (2005) die Art unter der abgetrennten Gattung Cholius. Dieser Auffassung wurde hier bis 30. Januar 2026 gefolgt. Matthias Nuss wies darauf hin, dass wir die Arbeit von Léger (2019) übersehen hatten, wo S. 769 steht: "Cholius syn.n. is recovered in the molecular analysis as an ingroup of Scoparia and is thus synonymized here. Scoparia luteolaris (Guenée) comb. rev. and S. leucopeplalis (Hampson) comb.n. are transferred to Scoparia." Auch wenn die Falter äußerlich ganz anders aussehen als "übliche" Scoparien, lassen nicht nur die Genitalien, sondern noch mehr die Genetik gar keinen anderen Schluss zu, außer Cholius luteolaris tief innerhalb der Gattung Scoparia zu verorten. Die überfällige Anpassung wurde endlich auch im Lepiforum übernommen.
4.5. Faunistik
Heuser et al. (1971: 59-60) stellten für die Pfalz klar: "Diese Art kommt in der Pfalz nicht vor. BERTRAM zitiert sie fälschlich als von LINZ gefangen. Botys ochrealis bei LINZ bezeichnet aber Ebulea crocealis = ochrealis Hb. Obgleich LINZ keine Autorennamen anführt, geht dies schon aus der Stellung zwischen verbascalis und fuscalis hervor. Diesen Irrtum bei BERTRAM hat bereits GRIEBEL in der Einleitung seiner Lepidopterenfauna 1909 richtiggestellt. Vorher hatte aber REUTTI das falsche Zitat von BERTRAM übernommen, und auch die Angabe "Germ.m.occ." im Katalog von STAUDINGER-REBEL 1901, Teil II (Nr. 945) ist wohl darauf zurückzuführen. Seitdem lebt dieser Fehler in allen Handbüchern und Verzeichnissen fort. Scoparia ochrealis ist eine südöstlich verbreitete Art, die schon in der Schweiz und in Frankreich nördlich des Mont Ventoux nicht vorkommt. Als einzige Notiz aus dem Gebiet nordwestlich einer Linie, die durch die Länder Italien, Österreich, Tschechoslowakei und Polen gebildet wird, fanden wir nur bei LHOMME (1935): "Belgique: Rochefort (DE CROMBRUGGHE).""
Gaedike & Heinicke (1999) führten die Art trotz dieser Ausführungen von vor 1980 aus Baden-Württemberg an. Goater et al. (2005) bezweifeln hingegen die alten Literaturangaben und führen die Art als nicht in Deutschland vorkommend. Auch Nuss in Gaedike et al. (2017) betont: "Diese Art wurde mehrfach in der Literatur für Südwestdeutschland genannt, wofür es aber keine Belege gibt". Die Art wird jetzt auch im Lepiforum als in Deutschland noch nie vorkommend gewertet.
Im "Catalogus van de Belgische Lepidoptera" (de Prins (2016)) und dessen aktualisierter online-Version von de Prins & Steeman (2003-2021) wird C. luteolaris als ausgestorben mit Angabe von vor 1980 in der Provinz Namur geführt - also der Provinz in der Rochefort liegt. Außer der Angabe von LHOMME (1935) scheint es also keine weiteren Meldungen aus Belgien zu geben - ein großes Fragezeichen bezüglich eines ehemaligen Vorkommens erscheint mir hier angebracht.
Auch für Frankreich gab es zunächst nur eine einzige Angabe zu geben. Marion (1950: 206) beginnt seinen Aufsatz mit: "Le Catalogue Lhomme signale Scoparia ochrealis Schif. de Belgique sous le n° 1967, mai le P. de Joannis, auteur des Crambidae dans cet ouvrage, ajoute : « Cette espèce n'existe pas en France. » Und dann beschreibt er seine Entdeckung im Museum: « Or, je viens de la découvrir dans la collection Praviel, au Meséum de Paris, confondue parmi quelques Crambus saxonellus Zckn." Obwohl das Tier ja schon äußerlich gut bestimmbar war, wurde es von H. Marion genitalisiert - wie erwartet passte auch das Genital zu "Scoparia ochrealis". Marion (1950: 206) zeigte seine Skizze dieses Genitals und vermerkte dazu: « Scoparia ochrealis Schiff (armure génitale ) Brantes (Vaucluse) Coll. Praviel, préparation n 283 ». Marion (1950: 207) zieht daraus den Schluss: « Scoparia ochrealis Schif. est une espèce française : Brantes (Vaucluse (H. Brown) in col. Praviel, Muséum d'Histoire naturelle de Paris, 20.VI. » Er schränkt ein: « Je ne connais pas actuellement d'autre localité, mais il se peut qu'ellesoit aussi confondue avec Crambus saxonellus Zckn. dans d'autres collections. » Aber ist denn eine solche, völlig isolierte Einzelmeldung vom Nordrand des Mont Ventoux überhaupt glaubhaft ? Muss man da nicht eher von einer Fehletikettierung ausgehen ? Nach dem Eintrag auf der Artseite der [oreina.org/artemisiae] soll Henry Rowland-Brown die Art vor 1922 bei Brantes am Nordrand des Mont Ventoux gefunden haben. Im nächsten halben Jahrhundert gab es keinen weiteren Nachweis in Frankreich, was die alte Meldung noch unsicherer machte. Jene Angabe wurde auch von Luquet (2000) als ältester Nachweis für den Mont Ventoux übernommen.
Dass die Art ausgerechnet am Nordfuss des Mont Ventoux einen völlig isolierten Vorposten in Frankreich gehabt haben soll, überrascht, aber Gérard Luquet bestätigte mir per e-Mail am 22. Januar 2026 ausdrücklich, dass das Exemplar von Henry Brown (nicht Henry Rowland-Brown) tatsächlich existiert und richtig bestimmt wurde: "Das bei Brantes gefangene Exemplar, das von Hubert Marion genitalisiert wurde, konnte ich ehemals in den Sammlungen des MHNN (Imago und GU) untersuchen." Und es war auch kein verschlepptes oder fehletikettiertes Einzeltier, denn Gérard Luquet schrieb weiter: "Zwischen 1974 und 1990 konnte ich mehrmals auf dem Mont Ventoux diese Art beobachten. Nach meinen Beobachtungen kommt sie zwischen 670 und 1120 m vor und besiedelt den supramediterranen Gürtel, in der supramediterranen Flaumeichen-Serie. Da die Gemeinde Brantes sich vom Bergfuß (ungef. 300 m) bis zum Gipfel (1909 m) erstreckt, soll das Exemplar von Brown irgendwo auf dem nördlichen Berghang gesammelt worden sein, oder eher auf den Südhängen der Hügel um das Dorf Brantes. Hiernach die Belegexemplare aus meinen Fangplätzen auf dem Mont Ventoux :
- -- Pas de la Cadière (700 m) (auf dem Montagne de Pi-haut [oder Piaud], Gemeinde Malaucène) : 4 Exemplare am Licht (Quecksilberdampflampe), Nächte von 6-7-VI-1975, 9-10-VI-1975, 11-12-VI-1975, 13-14-VI-1975 ;
- -- Route du col du Comte, Valat de Pralong (1020 m), bei der Kreuzung mit dem Pfad nach dem col du Contrat (Gemeinde Beaumont-du-Ventoux) : 1 Exemplar, 8-VII-1981, bei Sonnenlicht ;
- -- Combe du Grand Barbeirol (670 m) (Gemeinde Malaucène) : 1 Exemplar am Licht (Quecksilberdampflampe), Nacht von 12-13-VI-1990."
Es könnte die Art am Mont Ventoux also durchaus noch geben. Brantes (Département Vaucluse) liegt am Rand zu den Baronnies (Département Drôme) - und tatsächlich findet sich auf [inaturalist.org] eine aktuelle Meldung vom 30. Mai 2025 von Adrien Jailloux von Sahune (Département Drôme) im Parc Naturel Régional des Baronnies Provençales, ca. 30 km Luftlinie nördlich von Brantes. Da der Fotograf mitteilt, dass er seine Meldungen aus Frankreich auf der Plattform https://oreina.org/artemisiae/ ablegt, ist diese Meldung mit dem identischen Foto - aber zusätzlich dem gespannten Falter - auch dort zu finden. Da der Falter zwischen dem 29. Mai 2025 21 Uhr und 30. Mai 2025 8 Uhr in die Lichtfalle flog, ist der 29. Mai 2025 das zu verwendende Datum.
Bleibt im Südwesten Europas noch die Angabe aus Spanien im Katalog von Vives Moreno (2014: 453), zu der es im Katalog leider keinen Hinweis auf eine Primärangabe gibt. Ich weiß nicht, ob ich dem trauen soll - aber ich war ja auch bei Frankreich sehr skeptisch ...
(Autor: Erwin Rennwald)
4.6. Literatur
- Gaedike, R. & W. Heinicke (1999): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Entomofauna Germanica 3). — Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 5: 1-216.
- Gaedike, R., Nuss, M., Steiner, A. & R. Trusch (2017): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Lepidoptera). 2. überarbeitete Auflage. — Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 21: 1-362.
- Goater, B., Nuss, M. & Speidel, W. (2005): Pyraloidea I (Crambidae: Acentropinae, Evergestinae, Heliothelinae, Schoenobiinae, Scopariinae). — Huemer, P. & Karsholt, O. (Hrsg.): Microlepidoptera of Europe 4: 1-304.
- Heuser, R., Jöst, H. & R. Roesler (1971): Die Lepidopteren-Fauna der Pfalz. A. Systematisch-chorologischer Teil. V. Die Zünsler. — Mitteilungen der Pollichia, III. Reihe 18: 11-85. [Digitalisat auf babel.hathitrust.org].
- Léger, T., Landry, B. & M. Nuss (2019): Phylogeny, character evolution and tribal classification in Crambinae and Scopariinae (Lepidoptera, Crambidae. — Systematic Entomology, 44: 757–776. DOI: 10.1111/syen.12353, [zum Artikel mit PDF-Download auf researchgate.net]
- Luquet, G.Chr. (2000): Biocoenotique des Lépidoptères du Mont Ventoux (Vaucluse). 1 pl. coul., 1 tabl. dépliant. Thèse de Doctorat de l'Université de Paris-VI (1995). — Alexanor (Supplément hors-série): 1-398.
- Marion, H. (1950): Scoparia ochrealis Schiff., espèce nouvelle pour la faune française. — Revue française de Lépidoptérologie, 12 (11-12): 206-207.
- Prins, W. de (2016): Catalogus van de Belgische Lepidoptera. Catalogue of the Lepidoptera of Belgium. Entomobrochure 9: 1-279. [PDF auf phegea.org]
- Prins, W. de & C. Steeman (2003–2021): *Catalogue of the Lepidoptera of Belgium*. [Online at https://projects.biodiversity.be/lepidoptera]
- Erstbeschreibung: Scopoli, I. A. (1772): ANNVS V. HISTORICO-NATVRALIS. 1-128. Lipsiae (Christ. Gottlob Hilscheri).
- Vives-Moreno, A. (2014): Catálogo sistemático y sinonímico de los Lepidoptera de la Península Ibérica, de Ceuta, de Melilla y de las Islas Azores, Baleares, Canarias, Madeira y Salvajes (Insecta: Lepidoptera). — Suplemento de SHILAP Revista de Lepidopterología: 1-1184. Madrid.
- Yepishin, V., Khalaim, Y. & S. Novytskyi (2024): The Pyraloidea of the Odesa region of Ukraine (Insecta: Lepidoptera). — SHILAP Revista de lepidopterología 52 (205): 115-141. [PDF auf shilap.org]






























