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Geschlecht nicht bestimmt
Erstbeschreibung
Inhalt

2. Diagnose

2.1. Geschlecht nicht bestimmt

2.2. Erstbeschreibung

3. Biologie

3.1. Nahrung der Raupe

  • [Asteraceae:] Senecio aquaticus (Wasser-Greiskraut, Wasser-Kreuzkraut)
  • [Asteraceae:] Senecio jacobaea (Jakobs-Greiskraut, Jakobs-Kreuzkraut)
  • [Asteraceae:] Senecio nemorensis ??? (Hain-Greiskraut, Hain-Kreuzkraut ???)

Barrett (1872: 153) meldet wohl als Erster, dass die Raupe in England in Sümpfen in Stängeln von Senecio aquaticus lebt, South (1881: 51) bestätigt das ausdrücklich. Bei den Angaben von Stange (1882: 514) aus Friedland in Mecklenburg (siehe Kapitel Faunistik) bleibt leider unklar, ob es sich um Primärangaben handelt oder nicht.

Auf [ukmoths (abgefragt 29. Oktober 2020)] ist zu lesen: "The larvae feed on marsh ragwort (Senecio aquaticus), in the stems, and their presence is sometimes revealed by frass exuded at the axil of a leaf." Das Wasser-Greiskraut in nassen oder moorigen Wiesen scheint dort - und nicht nur dort - die normale Raupennahrung der Art zu sein.

Gielis (1996: 42) ergänzt: "S. nemorensis L. (de Graaf, 1868) und S. jacobeae [sic!] L. (Gielis, bred) are verified host records." Ansonsten erläutert er: "The larva feeds in the spun top-shoots, later infesting the stem. A small opening is used to drop the faecal remains, which tend to remain near the opening because they are enveloped by spinnings. Pupation in the stem."

Normale Nahrungspflanze ist also das Wasser-Greiskraut, Senecio jacobaea ist als Ausnahme zu akzeptieren. Die Angabe von de Graaf (1868: 71 ff.) wonach die Raupe Anfang August bei Rotterdam oben im Stängel von Senecio nemorensis zu finden ist, halte ich für wahrscheinlich falsch: Nach der Lebensweise der Raupe und den 3 Bildern auf Tafel 2 ist hier Verwechslung mit Platyptilia calodactyla oder Platyptilia nemoralis wahrscheinlich. Interessanterweise wird diese Pflanze auf der [niederländischen Artseite (abgefragt 7. November 2020)] nicht mehr mit angeführt. Diese machen aber die überraschende Feststellung, dass die Art wieder häufiger wird und dies mit einem Wirtspflanzenwechsel hin zu Senecio jacobaea verbunden ist.

4. Weitere Informationen

4.1. Andere Kombinationen

4.2. Synonyme

4.3. Faunistik

Nach Gaedike & Heinicke (1999) und Gaedike et al. (2017) in Deutschland nur mit Angaben von vor 1980 aus Nordrhein-Westfalen und von vor 1900 aus Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Gaedike et al. (2017) wiederholen diese Angaben ohne Kommentar.

Die alten Daten von Stange (1881: 118 und 1882: 514) aus Friedland in Mecklenburg klingen recht plausibel. Aber so ganz überzeugen sie mich dennoch nicht: Stange (1881: 118) hatte unter der Überschrift "15. Platyptilia similidactyla Dale - (Pteroph. isodactylus Z.)" formuliert: "Für diese Art [...] kennt man den Continent von Europa noch nicht als Aufenthaltsort. Sie kommt aber hier in Mecklenburg vor. Zwei verflogene Exemplare der zweiten Generation fing ich am 20. August 1897 und ein ziemlich wohl erhaltenes der Frühlingsgeneration am 18. Juni 1880. Die Raupe lebt nach dem Monthy Mag. VIII p. 153 im Stengel von Senecio aquaticus. Da dieser mit anderen Senecio-Arten an der hiesigen Fundstelle, einer feuchten Viehweide, häufig wächst, so hoffe ich, eine deutsche Beschreibung der Raupe und Puppe nachliefern zu können." Und die Angaben zur Raupe kommen bald, wenigstens scheinbar; Stange (1882: 514) ließ wissen: "Platyptilia similidactyla. (Vgl. Stett. entom. Zeit. 1881, p. 118). Die Raupe der ersten Generation minirt zuerst Anfang Mai in der Mittelrippe eines Wurzelblattes, eines Senecio (aquaticus?), und zwar gewöhnlich mit dem Kopf nach der Wurzel gerichtet, so daß das Ei wahrscheinlich an die Spitze eines Blattes gelegt wird. Später geht es dann in den Herztrieb und den oberen Theil der Wurzel über, die sie meist mit dem Kopf nach unten gerichtet auffrißt. Sie ist dann leicht zu finden, weil sich der Koth an der Stelle des Herztriebes anhäuft. Die Verpuppung fand in der Gefangenschaft durchweg außerhalb der Pflanze in einem leichten weißseidenen Gespinnste statt, ohne dass die Puppe dabei eine bestimmte Lage eingenommen hätte. Die Raupe der zweiten Generation lebt im Stiel und verräth sich durch den aus dem Bohrloch heraushängenden Koth. Die Verpuppung findet wohl gewöhnlich innerhalb des Stieles statt; auch ist die Puppe auffallend viel heller, als die der ersten Generation, die der von Bertrami sehr ähnlich ist." Dieser Text verwundert mich doch etwas - eine ex-ovo-Zucht konnte hier nicht dahinterstecken, sonst bräuchte man nicht über die Eiablagestellen zu spekulieren. Konkrete Raupenfunde wurden bei anderen Arten meist mit Datum benannt - warum hier nicht? Und das noch bei zwei Generationen? Kein Wort über einen geschlüpften Falter - gab es die denn gar nicht? Und nicht einmal die Pflanzenart war sicher anzusprechen, wo doch Senecio aquaticus doch eigentlich keine Bestimmungsproblme bereitet? Könnte das alles nur eine Übernahme aus Barrett (1872: 153-154) und weiteren englischen Quellen - ergänzt um ein paar Vermutungen - sein? Falls es die Sammlung Stange noch gibt, müssten dort mindestens die drei gefangenen Falter von 1880 und 1881 stecken, vielleicht auch wesentlich mehr. Doch bei einem Zuchterfolg über zwei Generationen waren die frischgeschlüpften Falter sicher ein gutes Tauschobjekt - selbst bei Verlust der originalen Stange-Sammlung müssten entsprechend etikettierte Falter noch in diversen anderen Sammlungen stecken, z.B. bei Zeller. Und Raupen suchen könnte man selbstverständlich auch - ein Erfolg in MV würde Stange unterstützen.

Details zum Zustandekommen der Meldung zu Nordrhein-Westfalen kenne ich bislang nicht. Ich fürchte, dass hier überhaupt kein gesicherter Datensatz existiert. Schumacher & Vorbrüggen (2021) sehen das ähnlich: "keine Hinweise bekannt, jed. im Verzeichnis der Schmetterlinge D (Gaedike et al., 2017) für NRW aufgeführt", weshalb sie die Rote-Liste-Kategorie für NRW von vordem "0" auf "D" ändern. Und für die frühere "0" war wohl dann der Eintrag bei Gaedike & Heinicke(1999) verantwortlich ...

Es ist damit sehr zu befürchten, dass die Meldung für Nordrhein-Westfalen gestrichen werden muss, diejenige für Mecklenburg aber möglicherweise auch - mit der Konsequenz, dass es dann gar keine Angabe mehr aus Deutschland gäbe.

Die aktuelle Wiederzunahme der Art in den Niederlanden gibt aber Hoffnung auf Funde auch in Deutschland - ob das dann ein Wiederfund ist, muss die Suche im Museum zeigen.

(Autor: Erwin Rennwald)

4.4. Literatur