

+10Kontinente:EU2. Diagnose
2.1. Geschlecht nicht bestimmt
2.2. Erstbeschreibung
Darin indizierte Abbildung
3. Biologie
3.1. Nahrung der Raupe
- [Cyperaceae:] Carex montana (Berg-Segge)
Stainton (1858: 143-147) berichtete: "In den Gebirgswäldern wächst ein hübsches kleines Rietgras: Carex montana. Untersucht man dessen Blätter zu Anfang Mai, so wird man auf manchem auffallend lange, weisse Flecke bemerken, die sich bald als Minen zu erkennen geben. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden es die der Elachista Tetragonella sein." Und weiter: "Lebensweise. Die Raupe fängt ihre Mine in einem Blatte der Carex montana nahe an der Spitze an. Diese wird zu einem langen Fleck, der sich durch seine weissliche Farbe ziemlich bemerklich macht. Die Blatthäute, die ihn bilden, sind sehr wenig aufgetrieben. Die Excremente liegen in der Mine ohne Ordnung umher. Ausgewachsen verlässt die Raupe ihre Mine und sucht einen zur Verpuppung geeigneten Platz. Man hat bis jetzt nur eine Generation beobachtet, von welcher die Raupe von Ende April bis Ende Mai vorkommt, und der Schmetterling im Juni auskriecht." Er beschreibt die Raupe: "Beschreibung der Raupe. Länge 2''. Trüb gelblich, mit ziemlich breiter, grauer Längslinie an jeder Seite des Rückens; Kopf und zweites Segment heller gelblich; der Mund und die Seiten des Kopfes gelbbräunlich; die Hinterlappen des Kopfes scheinen auf dem zweiten Segment schwach durch." - Da er weiter schrieb: "Geographische Verbreitung. Diese Art ist bis jetzt nur bei Frankfurt-am-Main und in der Schweiz, nämlich bei Zürich und Engelberg beobachtet worden", wird klar, dass er die Angaben und die Raupen von Frey aus Zürich erhielt, der dann in Frey (1859: 190-191) selbst schrieb: "Die Raupe bewohnt im Frühlinge, manchmal schon im April, gewöhnlicher im Mai, oftmals sogar noch bis in den Juni hinein, ein in unseren hiesigen Gebirgswäldern ungemein häufiges Gras, Carex montana. Sie minirt es mit weisslicher, leicht sichtbarer Mine von der Spitze des Halms an abwärts. Sie verlässt selten ihre Wohnung, um eine zweite zu beziehen. Niemals kommen zwei der Minen in einem Blatte vor. Die Larve ist etwa 3'" lang, ziemlich schlank, mit einem massig braunen Köpfchen, bräunlichen Brustbeinen und einem graugelben, über den Rücken zweimal breit bräunlich gestreiften Körper. Auf dem Prothorax stehen hintereinander drei braune Fleckchenpaare. Die Bauchfüsse besitzen die Farbe des Leibes. Die Puppe wird gewöhnlich an der Basis des früher bewohnten oder eines benachbarten Grashalms angetroffen. Sie ist durch ein Paar Fäden leicht befestigt, ziemlich schlank, eckig, mit scharfer Rückenkante und zwei braunen, über den Rücken laufenden Streifen. Ihre Farbe ist ledergelb. Die Puppenruhe dauert 2—3 Wochen und die Erziehung gelingt leicht."
Steuer (1978: 159-160) berichtet aus Thüringen: " In Thüringen wurden von LENTHE und BEER die Raupen in Carex montana bei Erfurt, Gotha und der Sachsenburg gesammelt und daraus zahlreiche Falter gezogen. Im Muschelkalkgebiet bei Bad Blankenburg ist E. tetragonella sowohl auf der Hochfläche, als auch auf den besonders südlich exponierten Hängen auffallend häufig. Sie bevorzugt kleinste Waldwiesen und andere, nicht ganz vor Baumwuchs freie Stellen. Biotope mit ganztägiger Sonneneinstrahlung werden gemieden." Weiter ist zu erfahren: "Die Raupe miniert monophag in Carex montana. Die Bergsegge (Carex montana) ist ein weiches Riedgras, das in unserem Kalkgebiet stellenweise sehr häufig, meist aber zerstreut in lockeren Horsten wächst. Es treibt nur sehr wenige Blütenstengel. Im Winter vertrocknet es vollständig und zerfällt dann sehr rasch. Die Mine erscheint weiBlich, sie ist durchsichtig, hebt sich gut vom Blattgrün ab und ist daher leicht aufzufinden. In günstigen Jahren wird sie bereits ab Mitte April angelegt und die Raupe ist dann Anfang Mai erwachsen. Gewöhnlich findet man aber Mitte Mai, vereinzelt auch noch Ende Mai die Minen mit den erwachsenen Raupen. Die Raupe bohrt sich unterhalb der Blattspitze ein und frißt blattgrundwärts. Dabei wird die Mine regelmäßig verbreitert und nimmt dann häufig die gesamte Blattspreite ein. Bei sehr üppigen Pflanzen bleiben an den Blatträndern schmale Parenchymstreifen stehen. Vereinzelt beobachtete ich auch spitzenwärts minierende Raupen. Da diese Minen immer sehr kurz waren und oft an derselben Pflanze ein völlig ausminiertes Blatt zu finden war, hatte diese Raupe wahrscheinlich die Mine gewechselt. Das kommt allerdings recht selten vor. Der Kot liegt in der Mine verstreut, ist aber in der Mitte deutlich angehäuft. Zur Verpuppung spinnt sich die Raupe am Blattgrund, aber nicht immer am Blatt der Mine fest. Sie verwandelt sich dort in 2-3 Tagen in eine Puppe (Gürtelpuppe)."
E. tetragonella gehört zu den eher wenigen Elachista-Arten, die monophag in einer einzigen Grasart zu minieren scheinen. Doch aufgepasst: Nicht jede Elachista-Mine an Carex montana gehört automatisch zu E. tetragonella: Nach Frey (1859) kann da durchaus auch Elachista ornithopodella dazwischen stecken!
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Poeciloptilia tetragonella Herrich-Schäffer, [1855] [Originalkombination]
4.2. Publikationsjahr der Erstbeschreibung
Wir folgen den detaillierten Datierungs-Angaben von Heppner (1982).
4.3. Literatur
- Frey, H. (1859): Das Tineen-Genus Elachista. Ein Versuch. — Linnaea Entomologica, 13: 172-314. [PDF auf zobodat.at]
- Heppner, J. B. (1982): Dates of selected Lepidoptera literature for the western hemisphere fauna. — Journal of the Lepidopterologists' Society 36 (2): 87-111.
- Erstbeschreibung: Herrich-Schäffer, G. A. W. („1853-1855“) [1847-1855]: Systematische Bearbeitung der Schmetterlinge von Europa, zugleich als Text, Revision und Supplement zu Jakob Hübner's Sammlung europäischer Schmetterlinge. Fünfter Band. Die Schaben und Federmotten: 1-394, Tineides pl. 1-124, Pterophides pl. 1-7, Micropteryges pl. 1. Regensburg.
- Lichtenberger, F. (2000): Neue und bemerkenswerte Kleinschmetterlinge aus der Steiermark (Lepidoptera). — Joannea Zoologie 2: 19-23. [PDF auf zobodat.at]
- SCHÜTZE (1931): 20
- Stainton, H. T. (1858): The natural history of the Tineina 3: I-IX, 1-269, Elachista pl. I-VII, Tischeria pl. I. London (John van Voorst) – Paris (Deyrolle) – Berlin (E. S. Mittler und Sohn). — Digitalisat auf archive.org: [142-149], [pl. Elachista IV fig. 3].
- Steuer, H. (1978): Beiträge zur Kenntnis der Elachistiden (Lepidoptera) Teil III. — Deutsche Entomologische Zeitschrift, Neue Folge 25 (1-3): 159-169 [Digitalisat und PDF-Download auf onlinelibrary.wiley.com].
















