Version 2 / 3 vom 2. Juli 2022 um 20:51:39 von Erwin Rennwald
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Falter
Männchen
Habitat
Inhalt

1. Lebendfotos

1.1. Falter

2. Diagnose

2.1. Männchen

3. Biologie

3.1. Habitat

Während die ähnliche Brevantennia adriatica die heiß-trockenen Karst-Felsen der tieferen Lagen besiedelt, gilt für "B. gorskikotarica" etwas ganz anderes: Die Raupen „leben vornehmlich auf der Bodenschicht an halbschattigen Stellen sowie kleinflächigen Felshängen und ernähren sich von Moosen, Algen und Detritus. […] Die Lebensräume von B. gorskikotarica n. sp. Sind Felslandschaften und –abbrüche in Mischwäldern der montanen Stufe und befinden sich meist an Nordhängen. Die neue Art wurde in Höhenlagen zwischen 800 und 830 m NN nachgewiesen. […] Das Klima ist sehr feucht und Niederschläge von über 2.000 mm pro Jahr sind üblich. Die Winter sind sehr lang und kalt, die Sommer hingegen kurz und relativ kühl mit häufigen Nebelerscheinungen. Dies charakterisiert das Gebiet und unterscheidet es deutlich vom angrenzenden Karstgebiet“ (Weidlich 2015).

4. Weitere Informationen

4.1. Etymologie (Namenserklärung)

Sieder (1957: 108) erklärt: "Santicum, römisches Castrum bei Warmbad-Villach".

Weidlich (2015) erläuterte zu seiner "Brevantennia gorskikotarica": "Die neue Art wird nach dem kroatischen Gorski Kotar, zu deutsch Hügelland, benannt."

4.2. Andere Kombinationen

4.3. Synonyme

4.4. Taxonomie

Arnscheid & Weidlich (2017) sehen Brevantennia als Untergattung von Dahlica an, nicht mehr als Gattung.

Was ist Brevantennia santicensis ? Von 1957 bis 1988 war man sich einig: eine eigenständige Art - nur einer schien Bedenken zu haben, der Erstbeschreiber selbst. Was ist Brevantennia santicensis ? Seit 1988 war man sich wieder einig: ein Synonym zu Brevantennia styriaca! Dabei gab es damals schon eine lange Vorgeschichte, die Arnscheid (1988; 124-125) zusammentrug: "Solenobia (Brevantennia) styriaca MEIER, 1957, Nachrbl. Bayer. Ent. 6: 55 bis 61, München, vom 15.6.57 [...] Mit Erscheinungsdatum vom 15.7.1957, also einen Monat später als MEIERs B. styriaca, veröffentlichte SIEDER die Beschreibung seiner B. santicensis aus Kärtnen. In einem persönlichen Gespräch im September 1976 hatte SIEDER dem Verfasser gegenüber einmal geäußert, daß beide Taxa mit großer Wahrscheinlichkeit identisch seien, MEIER habe jedoch, ohne ihn (SIEDER) zu informieren, eine eigene Veröffentlichung einer gemeinsamen Arbeit vorgezogen. Die jetzt vorgenommene Untersuchung zahlreicher Exemplare, Männchen und Weibchen, beider Arten ergab tatsächlich keine nennenswerten Unterschiede, die außerhalb der normalen Variationsbreite einer Species lägen, B. santicensis kann daher nicht länger als bona species aufrechterhalten werden und wird zum Synonym: Brevantennia styriaca (MEIER, 1957) Brevantennia santicensis (SIEDER, 1957) syn. nov. zu B. styriaca (MEIER, 1957)."

Dann folgt ein Abschnitt, der hier ebenfalls wiederholt werden soll: "Die Entdeckungsgeschichte der hier behandelten Art gehört zu den interessantesten der Psychiden-Historie und zeigt wieder einmal in aller Deutlichkeit, mit welchen Schwierigkeiten die Bearbeiter dieser Gruppe zu kämpfen haben. Sie ist es wert, hier noch kurz geschildert zu werden: Zunächst hatte SIEDER (1954) auf Grund eines unglücklichen Zusammentreffens (syntopes Auftreten zweier Arten) das Taxon B. saxatilis beschrieben. In den Karnischen Alpen, Rattendorfer Alm, traf SIEDER ausschließlich die Weibchen einer neuen Art und die ihm bis dato noch unbekannten Männchen von Siederia alpicolella REBEL an. Beide hielt er nun für eine Art und beschrieb daraufhin die B. saxatilis. Nachdem SIEDER später diesen Irrtum erkannt hatte), zog er 1957 die „Art” wieder ein und beschrieb die Weibchen von B. saxatilis zusammen mit den ihm jetzt vorliegenden „richtigen” Männchen erneut als Brevantennia santicensis. Bei der Aufklärung dieses Sachverhalts war MEIER maßgeblich beteiligt, so daß er die Kärntner Brevantennia letztlich sicher gut kannte. Warum er dann bei der Beschreibung seiner B. styriaca diese nur mit B. reliqua und nicht mit SIEDERs neuer Art verglich, mag ein Geheimnis bleiben, das er mit ins Grab genommen hat. Im Wettlauf um die Veröffentlichung der neuen Art hatte er jedenfalls um einen Monat gegenüber SIEDER die Nase vorn." So weit, so gut. Sauter & Hättenschwiler (1991), Sobczyk (2011: 78) und Arnscheid & Weidlich (2017: 72-73) folgten dieser Auffassung.

Auch diese unumstrittene Synonymisierung hatte Folgen: Als Weidlich (2015) seine "Brevantennia gorskikotarica" beschrieb, stellte er zu Recht Unterschiede gegenüber Brevantennia styriaca fest, hatte aber keinen Grund mehr, dessen altes Synonym B. santicensis noch einmal auszugraben. Dies geschah erst, als Rekelj et al. (2022) die - mittlerweile als Untergattung zu Dahlica gestellten Brevantennia-Arten Sloweniens einer kritischen Sichtung unterzogen: Und siehe da, der Genitalindex von Dahlica santicensis weicht deutlich von dem von Dahlica styriaca ab, passt aber gut zur später beschriebenen Dahlica gorskikotarica, die deshalb als Synonym zu D. santicensis zu stellen ist. Dies wird auch durch die Barcoding-Ergebnisse bestätigt.

Weidlich (2015) hatte zu seiner "Brevantennia gorskikotarica" auch Barcoding-Ergebnisse mitgeteilt: Genetisch gesehen ergab sich beim Barcoding mit Tieren einer Population von Mrzla Vodica – Typenfundort von D. gorskikotarica - ein Unterschied von immerhin 5,5 % gegenüber Dahlica adriatica, was stark für getrennte Arten spricht. Beim Vergleich von Tieren zweier Populationen von letzterer Art (Obrov und Derala-Pass) ergab sich im Vergleich dazu ein Unterschied von nur 1,25 %.

4.5. Faunistik

Die Art war Huemer (2013) nur aus Kärnten bekannt; am Lengberg (siehe Bilder oben) wird aber auch knapp Osttirol erreicht [Hinweis: diese Bilder wurden bis 1. Juli 2022 unter "Dahlica styriaca" gezeigt.]. Lesar & Govedič (2010) führten "Dahlica styriaca" aus dem nahen Slowenien an - auch dabei handelte es sich nach um D. santicensis. Rekelj et al. (2022) führen eine Reihe weiterer Fundorte aus Slowenien an. Mit der Synonymisierung von Brevantennia gorskikotarica (Typenfundort: Umg. Rijeka, Gorski Kotar bei Crni Lug, Umg. Mrzla Vodica W, 820 m) wurde auch Kroatien (3 Fundorte in Nordkroatien im Mittelgebirge Gorski Kotar bei Delnice) mit in das Verbreitungsgebiet einbezogen.

4.6. Typenmaterial

Rekelj et al. (2022) wählen aus der Syntypenserie einen Lectotypus aus, wodurch die anderen erwähnten Syntypen zu Paralectotypen wurden: "Lectotype. Labelled as follows: 1. White label bordered in red: Det. L. Sieder 1957, Sol. Brevant. santicensis Sied. Typus ♂; 2. White label: 18.5.56, Warmb.-Villach, Kärnten, leg. L. Sieder; 3. Red label: LECTOTYPUS, Dahlica (Brevantennia) santicensis, (Sieder, 1957), designated by Rekelj J. et al. 2022 (Fig. 3a). The lectotype is deposited in the NHMW [Hauptsammlung - Psychidae]. The total number of syntypes is unknown (in the original description Sieder unfortunately does not specify the number of specimens of the type material), but it must be larger than those we found in the museum (NHMW) in Vienna: Austria • Kärnten, Warmbad-Villach; 1♂, 11.v.1956; 3♂♂, 16.v.1956; 6♂♂, 17.v.1956; 5♂♂, 18.v.1956; 1♂, 19.v.1956; 1♂, 26.v.1956; 1♂, 29.v.1956; 2♂♂, 26.iv.1957; 1♂, 25.iv.1959; 1♂, 1.v.1959; 1♂, 8.v.1959; 1 larval case, 18.v.1956 [labeled as a “Sack-Typus ♂” - Fig. 3b]; 6 larval cases, (iv/v)1956; 1 larval case, 28.iv.1957; 1 larval case, 28.v.1957; all leg. L. Sieder; coll. NHMW."

Weidlich (2015) teilt zum Synonym Dahlica gorskikotarica mit: "Holotypus: ♂, e.p. 21.04.2014: Europa meridionalis, Kroatien, Umg. Rijeka, Gorski Kotar bei Crni Lug, Umg. Mrzla Vodica W, 820 m NN, leg. Dr. M. Weidlich (Abb. 1). Er befindet sich in coll. Museum für Naturkunde des Leibniz Institutes in Berlin.“ Hinzu kommt bei jenem Taxon eine größere Serie von Paratypen. Weidlich (2015) schreibt dazu: "Das Typenmaterial umfasst 26 Männchen mit Säcken, 26 Weibchen mit Säcken und 58 Säcke und stammt von drei Lokalitäten […] Es befindet sich in coll. Museum für Naturkunde des Leibniz Institutes in Berlin, coll. Tiroler Landesmuseen Betriebsges.mbh (Innsbruck/Österreich), coll. W. Arnscheid (Bochum) und coll. M. Weidlich.“

(Autor: Erwin Rennwald)

4.7. Literatur