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2.1. Nahrung der Raupe
- [Fabaceae:] Alhagi maurorum [= Alhagi pseudoalhagi, Alhagi camelorum] (Alhagistrauch, Mannastrauch)
Nach Anikin et al. (2017: 108-109) finden sich sowohl die Raupensäcke von "Tripostella argyrella" als auch die von "Tripostella machimopis" an "Alhagi pseudoalhagi".
Herrich-Schäffer (1856) hatte die neue Art nach 3 Faltern beschrieben, die er von H. Christoph aus Sarepta erhalten hatte. Doch Christoph (1867: 245-246) wusste noch mehr Ungewöhnliches zu dieser Art zu berichten, was hierkomplett zitiert sei: "Diese von mir hier aufgefundene Art beschreibt Herr Herrich-Schäffer in seinen „Neuen Schmetterlingen etc.“ pag. 31 und sagt dabei: „Die einzige bis jetzt bekannte Art mit Silberflecken.“ Ausser dieser Eigenthümlichkeit scheint auch die Raupe in ihrer Lebensweise eine Ausnahme von den andern wahren Coleophoren-Raupen zu machen, und darin der Raupe von Goniodoma auroguttella F. v. R. zu gleichen. Denn ausser Goniodoma und dieser Col. argyrella ist mir keine Coleophoren-Raupe bekannt, deren Raupe ihre Lebenszeit in den Stengeln von Pflanzen verbringt. Bekanntlich leben fast alle Coleophoren-Raupen auf den Blättern sehr verschiedener Pflanzen und fressen vorzüglich das Diachym, oder nagen sich theilweise in die unreifen Samen gewisser Pflanzen ein. Ich gebe hier die Beschreibung ihrer Lebensweise, in so weit ich sie bis jetzt kennen gelernt habe. Manches hoffe ich in der Folge zur Vervollständigung nachtragen zu können. Ich fing den Schmetterling schon seit sechs Jahren auf salzhaltigen Steppen, und zwar immer an Alhagi camelorum. Ich vermuthete deshalb schon längst die Raupe an dieser Leguminose, suchte aber bisher stets vergeblich darnach. Wohl fand ich einmal im Spätherbst an dieser Pflanze zwei hellgelbe Coleophoren-Säcke angesponnen, aber ihre Inwohner mögen wohl von benachbarten Pflanzen übergekrochen sein. Ein Resultat blieb aus, indem die Säcke, vielleicht längst schon, von ihren ehemaligen Bewohnern verlassen worden waren. Doch hoffte ich immer noch, gerade diese Säcke an Alhagi zu finden und dann sicher C. argyrella daraus zu erziehen. In diesem Sommer glückte es mir endlich, die wahre C. argyrella zu finden. Ich wundere mich, dass mir die äusserlich an der Pflanze sichtbaren Anzeichen ihres Daseins nicht schon viel früher aufgefallen sind. Der Schmetterling fliegt zu Anfang Juli und legt jedenfalls seine Eier dicht am Boden am Stengel der Pflanze ab. Ob die Eier noch in demselben Jahre auskriechen, kann ich nur vermuthen, weil ich die Eiruhe vom Juli bis April des folgenden Jahres für unwahrscheinlich halte. Wenn aber die Raupen: im August auskriechen sollten, was beginnen sie, bis sich im nächsten Frühjahr die junge Pflanze entwickelt hat? Auf keinen Fall begeben sich die jungen Raupen in den Stengel der alten Pflanze, die schon abgeblüht hat und im September vertrocknet. Vielleicht kriecht die Raupe im Herbst so weit als möglich am Stengel in die Erde hinab, um bis zu der Wurzel zu gelangen, oder sie nimmt vor Entwickelung der jungen Pflanze gar keine Nahrung zu sich. Fast möchte man Letzteres glauben, denn die von der Raupe bewohnten Stengel zeigen, dass sich die junge Raupe nicht von unten heraufgearbeitet hat, sondern jedenfalls in die zarte, eben aus der Erde emportreibende Knospe eingedrungen ist und von nun an im Stengel abwärts fressend vorrückt. Dem entspricht auch die mit dem Kopfe nach unten gerichtete Raupe und Puppe, so wie der im Verhältniss zur im Wachsthum fortgeschrittenen Raupe erweiterte ausgefressene Gang im Stengel. Die Raupe bleibt in so weit ihrer Coleophoren-Natur treu, dass sie einen, ja sogar stets zwei intransportable Säcke verfertigt. Sie nährt sich von dem ziemlich lockeren Mark des Stengels und nagt einmal, wenn sie auf halbem Wege angelangt und über die Hälfte ausgewachsen ist, ein rundes Loch in den Stengel und spinnt über diese Oeffnung ihren weichen, mit ihren Excerementen und rothbraunen gummiartigen Körnchen der Futterpflanze durchwebten Sack, welcher etwa 5mm. weit aus dem Stengel horizontal hervortritt. Inwendig setzt sich das Gespinnst des Sackes fort, indem ein Stück des ausgefressenen Stengels etwa 10mm. vom Loch nach oben hin ausgesponnen wird. Die zweite für das Ausschlüpfen des Falters bestimmte Oeffnung und der daraus hervorstehende Sack haben dieselbe Gestalt wie der erste Sack und sind nur etwas grösser. An der Oeffnung ist der Sack 2mm., am durchaus abgerundeten Kopfende etwas dieker. Hier spinnt sich nun die Raupe als Fortsetzung des Sackes inwendig ein geräumiges weisses Gewebe, in dem sie zur Puppe wird. In diesem Zustand verbringt sie etwa 16 Tage. Beim Auskriechen stösst der Schmetterling den Sack ab. Wesshalb die Raupe vor die erste Oeffnung einen Sack gesponnen hat, ist mir nicht klar. Die erwachsene Raupe ist röthlichgelb, das Kopfschild glänzend schwarzbraun. Auf dem Nackenschilde stehen vier schwarze Flecke. Das Aftersegment ist schwarzbraun. Bauchfüsse sehr klein, die Brustfüsse schwarzbraun glänzend."
(Autor: Erwin Rennwald)
3. Weitere Informationen
3.1. Andere Kombinationen
- Tripostella argyrella (Herrich-Schäffer, 1856) [so z.B. bei Anikin et al. (2017: 109)]
3.2. Faunistik
Nach der Fauna Europaea (version 2.4, last update 27 January 2011 [nicht mehr online verfügbar]) kommt die Art im Süden des europäischen Teils von Russland vor. Die Art wurde aus Sarepta beschrieben und kommt nach Anikin et al. (2017: 109) in den Regionen Astrachan und Saratov vor - in der Region des locus typicus - Volgograd - fehlen hingegen aktuelle Nachweise.
Außerhalb Europas wird die Art für die Türkei und Afghanistan angeführt.
(Autor: Erwin Rennwald)
3.3. Literatur
- Anikin, V.V., Sachkov, S.A. & V.V. Zolotuhin (2017): "Fauna lepidopterologica Volgo-Uralensis": from P. Pallas to present days. — Proceedings of the Museum Witt Munich, Volume 7: 1-696; Munich and Vilnius.
- Christoph, H. (1867): Biologische Notizen über einige Schmetterlinge. — Entomologische Zeitung 28: 240-246. Stettin. [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- Erstbeschreibung: Herrich-Schäffer, G. A. W. (1861): Neue Schmetterlinge aus Europa und den angrenzenden Ländern. Drittes Heft: 24-32, pl. [19]-[26]. Regensburg (G. J. Manz). — Digitalisat der Bayerischen Straatsbibliothek: [31], [pl. [24] mit fig. 157]




