

+2Kontinente:EU2. Biologie
2.1. Nahrung der Raupe
- [Anacardiaceae:] Rhus coriaria (Gerber-Sumach)
Falck (2025: 695-696) züchtete die Falter für seine Erstbeschreibung teilweise aus Raupen in Minen an Rhus coriaria, einem auf den Kanaren und in Südeuropa heimischen Verwandten des in Gärten beliebten Essigbaums (Rhus typhina): "Two specimens were collected at light in a steep ravine and later, at the same location, larvae were found mining the leaves or inside cones on Rhus coriaria L. (Anacardiaceae). The vegetation is a mixture of open dry Pinus forest and open Laurisilva forest. Rhus coriaria is native to the Canary Islands, Madeira, the Azores, northwest Africa, southern Europe and southwest Asia."
(Autor: Erwin Rennwald)
3. Weitere Informationen
3.1. Etymologie (Namenserklärung)
Falck (2025: 696) erklärt knapp: "The species is named after its hostplant Rhus coriaria L."
3.2. Taxonomie und Faunistik
Beginnen wir mit dem Rückblick, und der startet mit der ersten Meldung der bisher nur aus Nordamerika bekannten Caloptilia perseae von den Kanarischen Inseln. Gastón & al. (2018: 222) berichteten damals über den Fund eines einzelnen Falters auf den Kanarischen Inseln: «Material estudiado: La Palma: 1 ♀, Los Llanos de Aridane, 4-IX-2016, E. Hernández leg. (prep. gen. AV4052).» Die Autoren hielten den Fund für eine zufällige Einschleppung und empfahlen Kontrollen, um zukünftige Schäden an den Avocado-Plantagen des Archipels aber auch auf der Iberischen Halbinsel zu vermeiden.
Und natürlich legten wir für C. perseae damals eine Artseite an und ich vermerkte: "Versucht man, den Einzelfund eines Falters auf den Kanaren zu verstehen, gerät man schnell an Grenzen: Der Erhaltungszustand des abgebildeten Falters ist sehr gut, offensichtlich frisch geschlüpft - vergleicht man aber mit [http://www.gracillariidae.net/species/show/1364], wird schnell klar, dass das der Holotypus mit Daten "Holotype ♂, [U.S.A.], Florida, Miami, vii.1920, type No. 23515. © USNM, © USNM (Washington DC)" sein muss, nicht das Exemplar, das auf den Kanaren gefunden wurde. Doch egal ob das Exemplar auf den Kanaren nun frisch oder schon abgeflogen war: Eine Verschleppung als Falter über den Atlantik hinweg ist unwahrscheinlich - sehr viel wahrscheinlicher ist eine Verschleppung mit Avocado-Pflanzen im Ei- oder Raupenstadium. Da die Falter recht unauffällig sind, wissen wir nichts darüber, wie häufig sie übersehen wurden. Ohne gezielte Suche nach Blattminen kann über die vermutlich bereits erfolgte Etablierung nur spekuliert werden. Nach den Erfahrungen in Amerika ist zu vermuten, dass die Art auch in Regionen, in die sie verschleppt wird, nur verhältnismäßig geringe wirtschaftliche Schäden in den Avocado-Plantagen hinterlässt. Was im Artikel leider gar nicht thematisiert wird, ist die Frage, ob Avocado tatsächlich die einzige Nahrungspflanze der Raupe ist, oder ob auch Blätter anderer Lauraceae belegt werden können - und von denen gibt es auf den Kanaren eine große Anzahl an Endemiten mit oft nur noch wenigen Pflanzen überhaupt. Hier ist das eigentliche Konfliktpotenzial dieser Verschleppung zu suchen!"
Natürlich suchte man auf den Kanaren weiter, aber eine Raupe in Zapfen von Persea americana ergab einen ganz anders aussehenden Falter, die von den Kanaren schon gut bekannte Caloptilia staintoni. Zwei neue, zu C. perseae passende Falter am Licht wurden einem Barcode zugeführt. Die Überraschung: sie gehörten nicht zu C. perseae sondern teilten den BIN mit der nordamerikanischen Caloptilia sassafrasella. Aber dazu passten die Genitalien nicht ! Also eine offensichtlich unbeschriebene Art ? Diesem Schluss von Falck (2025) kann nur zugestimmt werden. Er schrieb zur Genetik: "DNA barcodes: We obtained full length DNA barcode (658 bp) from two specimens. The barcodes fall within Barcode Index Number (BIN) BOLD: AAD4936. The maximum intraspecific p-distance within BIN is 1.61% (n=25). The minimum p-distance to nearest neighbour (C. diversilobiella Opler, 1969) is 4.22 %. C. coriarella shares BIN with C. sassafrasella (Chambers, 1876)." Und dann merkte er an: "Remarks: In 2018 C. perseae was recorded from the Canary Islands, La Palma by Gaston et al. (2018). An attempt was made to find the larva in cones of Persea americana Mill., however, only C. staintoni (Wollaston, 1858) hatched. A few days later two specimens were attracted to light and provisionally identified as C. perseae. Both specimens were barcoded and surprisingly they shared BIN with the North American species C. sassafrasella. At a later visit to the same location larvae were found in cones of Rhus coriaria L. (Anacardiaceae) and hatched about one month later. During the present study it became apparent that the specimens belonged to an undescribed species, but also that C. perseae was incorrectly recorded from the Canary Islands due to a misidentified specimen of C. laurifoliae. The morphologically differences in the genitalia and the different family of host plant supports the status of C. coriarella as a distinct species. The known host plants for C. perseae, C. sassafrasella and C. laurifoliae all belongs to the family Lauraceae."
Und damit war klar, dass C. perseae für die Kanaren und Europa zu streichen war - statt eines Neozoons haben wir es hier mit einem vermutlichen Endemiten zu tun, zu dessen bekannte Verbreitung Falck (2025: 196) mitteilt: "Known only from Barranco de la Madera and Barranco de Juan Mayor (empty cones) in the western part of the island La Palma, Spain and São Jorge in the northern part of Madeira, Portugal."
3.3. Typenmaterial
Falck (2025: 195) fasste zum Typenmaterial zusammen: "Holotype ♂: SPAIN, La PaLma, Barranco de la Madera, 500 m, larva on Rhus coriaria L., 10-30-XI-2023, leg. P. Falck. Deposited in the MNCN. Paratypes: SPAIN, La Palma, Barranco de la Madera, 500 m, 2 ♂, 29-VII-11-VIII-2023. leg. P. Falck, DNA samples Lepid Phyl 1356PF/CILEP1355-23, 1357PF/CILEP1356-23, same data but 6 ♂, 5 ♀, larvae on Rhus coriaria L., 10-30-XI-2023, leg. P. Falck, genitalia slide 4031PF, 4032PF. Portugal, São Jorge, 200 m, 1 ♂, 1 ♀, larvae on Rhus coriaria L., 29-XI-2001, leg. O. Karsholt, genitalia slide ZM4308PF (ZMUC)."
(Autor: Erwin Rennwald)
3.4. Literatur
- Busck, A. (1920): A new Gracilaria injurious to Avocado (Lepid.). — The Canadian Entomologist 52 (8): 239.
- Erstbeschreibung: Falck, P. (2025): New data on Gracillariidae from the Canary Islands, Spain. Part 1. Gracillariinae, Oecophyllembiinae(Insecta: Lepidoptera). — SHILAP Revista de lepidopterología, 53 (212): 693-705. https://doi.org/10.57065/shilap.1102. [zur Arbeit mit PDF-Download auf shilap.org]
- Gastón, J., Revilla, Tx. & A. Vives Moreno (2018): Contribución al conocimiento de los Microlepidoptera, con nuevas citas para España y otras aportaciones de interés (Insecta: Lepidoptera). — SHILAP Revista de Lepidopterología 46 (182): 221-233. [PDF auf redalyc.org]



