

+13Kontinente:EUAS1. Lebendfotos
1.1. Falter
2. Diagnose
2.1. Männchen
2.2. Genitalien
2.2.1. Männchen
2.3. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Nahrung der Raupe
- [Fabaceae:] Vicia cassubica (Kassuben-Wicke)
- [Fabaceae:] Vicia pisiformis (Erbsen-Wicke)
- [Fabaceae:] Vicia cracca ??? (Vogel-Wicke ???)
- [Fabaceae:] Astragalus glycyphyllos ??? (Süßer Tragant, Bärenschote ???)
Schütze (1931: 130) fasste den Kenntnisstand zusammen: "Raupe Juli bis September [...] O. Hofmann fand die Raupe an Vicia cassubica und Vicia pisiformis; sie spinnt zwei Fiederblättchen mit den Oberseiten flach zusammen und frisst darin das Blattgrün aus, so dass weißliche Flecke sie verraten. An Vicia cassubica, welche schmale Blättchen hat, heftet sie meist mehrere oder alle zusammen. Verpuppung in leichtem Gewebe in der Wohnung. Raupe überwintert, einzelne Falter schon August/September (Kaltenbach). Raupe an Vicia cassubica in einer langen, zwischen den an den Stängel gehefteten Blättern angelegten Röhre (Wocke)." Zu Baden-Württemberg berichtete Wörz (1955: 234): "Kocherstetten (Steudel). Brühl bei Eßlingen (E. Hofmann). Neuere Nachweise fehlen. Raupe von Juli bis zum nächsten Frühjahr. O. Hofmann fand die Raupe an Vicia cassubica und pisiformis, zwischen 2 versponenen Blättern (pisiformis) oder unter mehreren (cassubica) an den Stengeln gehefteten Blättchen. Sie frißt das Blattgrün aus, so daß weißliche Flecken sie verraten. Auch an Vicia cracca und Astragalus glyciphyllos." Die gleiche Liste wird bei Elsner et al. (1999: 24) wiederholt: "B; Astragalus, Vicia spp. (cassubica, cracca, pisiformis) (Fabaceae)."
Vieles hängt erst einmal an Hofmann (1868: 390-391). Dort ist zu lesen: "Die Raupe dieser Art entdeckte ich in den Wäldern um Marktsteft, wo sie an der hier nicht seltenen Vicia pisiformis und Vicia cassubica lebt. An der erstern Pflanze, welche sehr grosse rundliche Federblätter besitzt, spinnt sie 2 solcher Blätter, die Oberseite derselben einander zugekehrt, flach zusammen und frisst nun innerhalb der so hergestellten Wohnung von beiden Blättern fleckenweise das Blattgrün ab, so dass aussen entfärbte weissliche Stellen ihre Anwesenheit verrathen. An der Vicia cassubica, welche kleine schmale Federblättehen besitzt, heftet sie meistens mehrere oder selbst alle Blättehen eines Blattstieles auf dieselbe Weise zusammen, so dass das Blatt aussieht, als habe es sich noch nicht entfaltet; die ihres Blattgrüns beraubten hellen Stellen machen aber auch hier bald auf die Anwesenheit einer Raupe aufmerksam. Diese ist 4 Lin. lang, schlank, sehr lebhaft; blassgrün mit dunkelgrün durchschimmerndem Darmkanal. Kopf und Nackenschild gelblich; Brustfüsse hellgelblich. Afterklappe, Bauchfüsse und Nachschieber von der allgemeinen Körperfarbe. Am ganzen Körper feine, aber sehr deutliche schwarze Wärzchen, die mit sehr feinen weisslichen Härchen besetzt sind. Man findet die Raupe vom Beginn des Juli bis tief in den Herbst hinein. Die Verpuppung erfolgt in einem leichten Gewebe zwischen den Blättchen der Nahrungspflanze. Einige Falter entwickeln sich schon im August und September, die meisten aber erst im Mai des folgenden Jahres, nachdem die Raupen den Winter unverwandelt zugebracht und erst im Frühjahr sich zur Puppe umgewandelt haben." Ottmar Hofmann hatte diese Art also offensichtlich gut studiert.
Anders Disqué (1908: 47) bei dem es in seinem "Versuch einer microlepidopterologischen Botanik" unter Astragalus (Papilionaceae). glyciphyllos, hypoglottis, arenarius, monspessulanus" nur hieß: "Xystophora carchariella Z. zwischen zwei zusammengeklappten Blättern." S. 140 folgte dann unter "Vicia (Papilionaceae) sepium, cracca": "Xystophora carchariella Z. 7—11. zwischen versponnenen Blättern." Der Falter kam in Disqués Arbeitsgebiet nie vor - es dürfte sich um eine stark fehlerhafte Übernahme aus Hofmann (1868) oder um eine eigene Fehlbestimmung gehandelt haben.
Gregersen & Karsholt (2022: 350-351) können die Raupe und das von Hofmann beschriebene Fraßbild anhand von Fotos von B. Jørgensen aus Schweden zeigen, und zwar an Vicia cassubica! Sie erläutern: "The habitats in Sweden are sites where Vicia cassubica is resident, mostly in open forests." Fazit: Während Vicia cassubica und Vicia pisiformis als Raupennahrung von X. carchariella bestens abgesicert sind, gilt das für alle anderen genannten Fabaceen überhaupt nicht. Astragalus glycyphyllos und Vicia cracca sind nicht nur unbelegt, sondern höchstwahrscheinlich falsch.
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Gelechia carchariella Zeller, 1839 [Originalkombination]
4.2. Literatur
- Disqué, H. (1908): Versuch einer microlepidopterologischen Botanik. — Deutsche Entomologische Zeitschrift Iris, 21 (1): 34-80, (2): 81-147. [PDF auf zobodat.at]
- Elsner, G., Huemer, P. & Z. Tokár (1999): Die Palpenmotten (Lepidoptera, Gelechiidae) Mitteleuropas. Bestimmung – Verbreitung – Flugstandort – Lebensweise der Raupen: 1-208. Bratislava (František Slamka).
- Gregersen, K. & O. Karsholt (2022): The Gelechiidae of North-West Europe. — 939 pp., Oslo, Norway (Norwegian Entomological Society).
- Hofmann, O. (1868): Beiträge zur Naturgeschichte der Tineinen. — Entomologische Zeitung, 29: 385-391. Stettin. [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- SCHÜTZE (1931): 130
- Erstbeschreibung: Zeller, P. C. (1839): Versuch einer naturgemäßen Eintheilung der Schaben. — Isis von Oken 1839 (3): 167-220. Leipzig (Brockhaus).




















