

+3Kontinente:EU1. Lebendfotos
1.1. Falter
1.2. Fraßspuren und Befallsbild
1.3. Puppe
3. Biologie
3.1. Nahrung der Raupe
- [Sapindaceae:] Acer pseudoplatanus (Berg-Ahorn)
- [Sapindaceae:] Acer campestre (Feld-Ahorn)
- [Sapindaceae:] Acer platanoides (Spitz-Ahorn)
- [Sapindaceae:] Acer tataricum (Tataren-Ahorn)
Tokár (2025) hatte am 28. Mai 1986 und am 4. Juli 1987 die ersten beiden Falter der damals noch unbeschriebenen Art entdeckt, die dann durch Zagulajev & Tokár (1990) als neue Art beschrieben wurden. So eine Geschichte lässt einen jungen Entomologen natürlich nicht los, und Z. Tokár suchte diesen und einen weiteren Platz im Südosten der Slowakei immer wieder auf, um auch die Biologie zu klären. Erst 1989 fiel ihm auf,dass neben den Eichen, von denen er die beiden ersten Falter aufgescheucht hatte, auch reichlich Ahorn-Bäume standen. Ein erster Klopf-Versuch - und schon gab es mehr Falter, darunter auch das erste Weibchen, das dann durch Zagulajev (1992) beschrieben wurde. Da Incurvariidae-Raupen recht auffällige Fraßbilder hinterlassen, war es jetzt nicht mehr schwer, auch die ersten Raupen zu finden - an Blättern von Acer campestre und Acer platanoides. Und Tokár (2025: 203) konnte schließlich berichten: "Postupne sa mi podarilo nájsť takéto húsenice na dvoch druhoch javorov, na javore poľnom (Acer campestre L.) a javore horskom (A. pseudoplatanus L.). Neskôr som rovnaké míny našiel aj na dvoch ďalších druhoch javorov, na javore mliečnom (A. platanoides L.) a raz aj na javore tatárskom (A. tataricum L.). Najväčší výskyt preimaginálnych štádií motýľa som zaznamenal na listoch javora horského. Niekedy sa na jednom liste dalo nájsť aj niekoľko húseníc so schránkami." [Nach und nach gelang es mir, solche Raupen auf zwei Ahornarten zu finden, nämlich auf dem Feldahorn (Acer campestre L.) und dem Bergahorn (A. pseudoplatanus L.). Später fand ich die gleichen Kokons auch auf zwei weiteren Ahornarten, dem Spitzahorn (A. platanoides L.) und einmal auch auf dem Tatarischen Ahorn (A. tataricum L.). Die größte Anzahl an Präimaginal-Stadien des Falters stellte ich an Blättern des Bergahorns fest. Manchmal fand man auf einem Blatt sogar mehrere Raupen mit Kokons und ebenso vielen Löchern, die durch die Raupen ausgefressen worden waren (Abb. 3-4). Die Raupen mit Kokons kommen überwiegend auf den Unterseiten der Blätter vor.]
Der Autor schildert weiter: Die Raupen im mittleren Entwicklungsstadium, die im August zu finden sind, fressen aus den Blättern rechteckige Gehäuse (Abb. 5), in denen sie sich auf den Blättern bewegen und diese skelettieren. Später markieren sie eine ovale Öffnung im Blatt, die sie anschließend herausfressen (Abb. 6). Die ausgewachsene Raupe mit dem älteren sowie dem neu herausgefressenen Teil des Blattes, der an ihr befestigt ist, wandert dann über das Ahornblatt und ernährt sich weiter von dessen Gewebe (Abb. 7). Ausgewachsene Raupen mit ovalen Kokons können Ende August und im September gefunden werden. Schließlich lässt sich die Raupe mit ihrem Kokon auf den Boden fallen bzw. fällt zusammen mit dem Blatt auf den Boden und überwintert in der Streu aus abgefallenen neuen und verrotteten älteren Blättern.
Tokár (2025) nimmt auch einen Literaturvergleich bezüglich der Raupennahrung der anderen Arten der Gattung Vespina vor: Vespina quercivora von der Westküste der USA lebt als Raupe an Eichen (Quercus agrifolia und Q. wislizeni), Vespina nielseni an mehreren Arten der Gattung Quercus sowie an Castanea crenata, Vespina sichuana an Castanopsis fargesii also allesamt Fagaceae. Lediglich Vespina meridiana weicht davon ab: sie lebt an Morella rubra (Myricaceae). Ahorn-Bäume - oder weitere Verwandte davon, werden anscheinend von keiner anderen Vespina-Art genutzt.
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Lampronia slovaciella Zagulajev & Tokár, 1990 [Originalkombination]
4.2. Taxonomie
Die Art wurde bei Karsholt & Razowski (1996) in der Familie Prodoxidae geführt.
4.3. Faunistik
Locus typicus nach Zagulajev (1990: 106): Slowakei, Viniansky hrad.
Nach der nicht mehr online zugänglichen Fauna Europaea, last update 29 August 2013, Version 2.6.2 kommt die Art in der Slowakei und in Ungarn vor. Hirowatari et al. (2021) beschreiben 2 neue Arten der Gattung; in ihrer Verbreitungskarte stellen sie alle 5 Arten dar: V. slovaciella mit ihrem kleinen europäischen Areal, V. quercivora mit einem ebenfalls kleinen Areal im Südwesten Nordamerikas und 3 Arten (V. nielseni und die beiden neu beschriebenen Arten V. sichuana und V. meridiana) aus Ostasien.
Tokár (2025) legt eine detaillierte Verbreitungskarte vor - und sie enthält Neuigkeiten! Demnach ist die Art noch immer nur aus einem eng begrenzten Raum im Südosten der Slowakei und einer angrenzenden Fundstelle im Nordosten Ungarns bekannt. Neu hinzu kam aber ein weit davon entfernter Fundpunkt im Norden Griechenlands. Er beschreibt: "Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den westlichen Ausläufern des Vihorlat (der nördlichste Fund wurde am Fuße des Krivoštianka verzeichnet) bis zur Umgebung von Latorica und Bodrog im Süden, weiter westlich über die Slanské vrchy bis zu einem vereinzelten Fund in der Cerová vrchovina (diese Information wurde mir von den Brüdern Aleš und Zdeněk Laštůvka zur Verfügung gestellt). Das Vorkommen in der weiteren Umgebung von Latorica und Bodrog wurde in der Arbeit von Panigaj et al. (2021) dokumentiert. Im Laufe des Jahres 2005 habe ich für den ungarischen Lepidopterologen Csaba Szabóky Schmetterlinge bestimmt. Unter den eingesandten Exemplaren befand sich auch ein Exemplar von V. slovaciella. Der Schmetterling wurde zusammen mit drei weiteren Exemplaren am 5. und 7. Juli 2004 mit einer automatischen Lichtfalle in der Nähe der Ortschaft Vámosatya im Nordosten Ungarns gefangen. Die Lichtfalle mit einer 125-W-Quecksilberlampe wurde zwischen zwei alten Eichen am Rande des Bockerek-Waldes aufgestellt. Weitere Funde wurden im Juni 2005 in der Falle gemacht (Szabóky 2005). Im Jahr 2011 schickte mir der oben erwähnte R. Gaedike Fotos eines männlichen Falters und seines Kopulationsorgans, der im Nordwesten Griechenlands gefangen worden war. Dr. Gaedike hatte zuvor die Fotos Ole Karsholt gezeigt, einem dänischen Experten für kleine Falter vom Zoologischen Museum in Kopenhagen, der das Exemplar als Vespina slovaciella identifiziert hatte. Ich habe die Bestimmung bestätigt. Der Fund dieser Art an einem Ort, der weit entfernt vom bisher bekannten Verbreitungsgebiet im Osten Sloweniens und Ungarns liegt, war überraschend. Das Exemplar stammte aus dem Nordwesten Griechenlands, aus dem Tymfi-Gebirge, das zum Nationalpark Vikos-Aoös (Provinz Ioannina) gehört, aus einer Höhe von ca. 1600 m über dem Meeresspiegel. Es wurde am 7.6.2011 von J. Viesmann gefangen und stammt aus der Sammlung von Willibald Schmitz. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Vorkommen in Richtung Balkan in Zukunft auch aus anderen Orten bestätigt wird. Mit ziemlicher Sicherheit kann man sagen, dass der Schmetterling auch in der Westukraine vorkommt, da die slowakischen und ungarischen Fundorte nur wenige Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegen (Abb. 9)."
Vielleicht sollte man hier mehr nach den Raupen und deren Spuren suchen als nach den Faltern ...
(Autor: Erwin Rennwald)
4.4. Literatur
- Hirowatari, T., Yagi, S., Ohshima, I., Huang, G.-H. & M. Wang (2021): Review of the genus Vespina (Lepidoptera, Incurvariidae) with two new species from China and Japan. — Zootaxa, 4927 (2): 209–233. [open-access-download auf mapress.com]
- Panigaj, L., Tokár, Z., Richter, I., Kuraj, F., Minová, S. & M. Harman (2021.): Butterflies and moths (Lepidoptera) of the Latorica Protected Landscape Area. - pp. 315-411. In: Panigaj, L., Tajovský, K. & A. MOCK [eds.] (2021) Invertebrates of the Latorica Protected Landscape Area. SNC SR Banská Bystrica and Administration of the Latorica PLA Trebišov.[PDF auf researchgate.net]
- Szaboký, Cs. (2005): New data to the Microlepidoptera fauna of Hungary, part IX (Lepidoptera: Elachistidae, Gracillariidae, Prodoxidae, Tortricidae). — Folia entomologica Hungarica, 66: 253-258. [zum PDF-Download auf researchgate.net]
- Tokár, Z. (2025): Vespina slovaciella Zagulajev & Tokár, 1990) (Incurvariidae). — Entomofauna carpathica, 37 (2): 199-207. [PDF auf entomospol.sk]
- Erstbeschreibung: Загуляев, А. К. (1990): Новые виды молевидных чешуекрылых (Lepidoptera: Tineidae, Incurvariidae, Brachodidae, Pterophoridae) фауны СССР. IV [New species of moths (Lepidoptera: Tineidae, Incurvariidae, Brachodidae, Pterophoridae) of the fauna of the USSR. IV]. — Энтомологическое обозрение 69 (1): 102-117.
- Загуляев, А.К. [Zagulajev, A.K.] (1992): Новые и малоизвестные виды молевидных чешуекрылых (Lepidoptera: Incurvariidae, Teneidae, Psychidae, Alucitidae) фауны СССР. V. [New species of moths (Lepidoptera: Incurvariidae, Tineidae, Psychidae, Alucitidae) of the fauna of the USSR. V]. — Энтомологическое обозрение 71 (1): 105-120.








