Vorkommen
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Falter
Raupe
Fraßspuren und Befallsbild
Puppe
Männchen
Geschlecht nicht bestimmt
Männchen
Weibchen
Erstbeschreibung
Habitat
Raupennahrungspflanze
Inhalt

1. Falter

2. Raupe

3. Fraßspuren und Befallsbild

4. Puppe

5. Diagnose

5.1. Männchen

5.2. Geschlecht nicht bestimmt

5.3. Genitalien

5.3.1. Männchen
5.3.2. Weibchen

5.4. Erstbeschreibung

Im Folgejahr dazu erschienene Abbildung

6. Biologie

6.1. Habitat

6.2. Raupennahrungspflanze

6.3. Nahrung der Raupe

  • [Lamiaceae:] Teucrium chamaedrys (Edel-Gamander, Echter Gamander)
  • [Lamiaceae:] Teucrium montanum (Berg-Gamander)
  • [Lamiaceae:] Teucrium scordium ?? (Lauch-Gamander ??)
  • [Fabaceae:] [Genista bzw. Genista tinctoria ??? (Färber-Ginster ???)]
  • [Fabaceae:] [Jurinea bzw. Jurinea cyanoides ??? (Silber-Scharte ???)]

In der knappen Erstbeschreibung von Duponchel (1842-[1845]) wird noch nichts zur Raupe gesagt. Auch in der sehr viel ausführlicheren erneuten Beschreibung durch Zeller (1847) steht noch nichts zur Raupe.

Im „III. Nachtrag und Berichtigungen zur Lepidopteren-Fauna von Regensburg“ (Anonymus [Herrich-Schaeffer] (1858)) ist S. 183 ist zu lesen: „Die Raupe minirt im Herbst mit Lithocolletis-ähnlicher Mine an Teucrium chamaedrys, verlässt dieselbe aber, um sich in einem leichten Gewebe zwischen den Blättchen zu verpuppen. Entwicklung im Mai; an den Bergen bei Kleinprüfening und Schwabelweis nicht selten.“ Damit war die Biologie eigentlich geklärt.

Bei Stainton (1864), wo die Raupe ausführlich beschrieben wird, heißt es dann (S. 121): „Auffinden der Raupe. Wenn man zu Ende Juli oder zu Ende September die Blätter des Teucrium Chamaedrys untersucht, so findet man wahrscheinlich einige, die geschwollen und aufgebläht sind wie von einer Lithocolletis-mine. Oeffnet man so ein minirtes Blatt und entdeckt man darin eine einfarbige, hellgelbliche Raupe mit hellbraunem Kopf und zwei schwachen braunen Zeichen auf dem Prothorax, so hat man die Raupe, aus der Gracilaria Limosella kommt.“ S. 125 ist zu erfahren: „In der Schweiz wohnt sie bei Zürich, von wo mir Professor Frey die Raupen geschickt hat.“

Heinemann & Wocke (1877, S. 624) nennen in ihrem Werk über „Die Schmetterlinge Deutschlands und der Schweiz“ ebenfalls Teucrium chamaedrys als einzige Raupennahrungspflanze der Art.

38 Jahre nach der Erstbeschreibung des Falters lässt Mann (1885) wissen: "Limosella Z. — 4, 5, überall in der Wiener Gegend auf Wiesen und Bergen, 6 auf dem Gahns. Raupe wie eine Lithocolletis die Blätter von Teucrium Chamaedrys minirend."

Bis 1885 war also klar, dass die Art in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich an Teucrium chamaedrys lebt – ob daneben noch weitere Pflanzen genutzt würden, war nicht ganz so leicht zu beantworten.

Osthelder (1951, S. 213) schreibt: “… die typischen Minen überall an Teucrium festgestellt, oft e.l. (Bu.)“. „Bu.“ Steht hier für Karl Burmann, die entsprechenden Funde dürften Innsbruck und Umgebung betreffen.

Teucrium chamaedrys ist sicher die wichtigste, in den meisten Gebieten die einzige Raupennahrungspflanze der Art. Die oben gezeigten Raupen- und Minenbilder aus Österreich und Deutschland stammen alle von dieser Pflanze. Auch beim erst jüngst erfolgten Erstnachweis für Belgien wurden die typischen Minen an Teucrium chamaedrys gefunden (Baugnée & Ellis 2011).

Klimesch, J. (1951) überrascht mit der Feststellung: „Aspilapteryx limosella Z. Eine für die Felsenheiden charakteristische Art! Leinaustiege, Miesweg. Zahlreiche besetzte Minen am 1. V. 1946. Einige Minen der Sommergeneration am 26. VIII. 1942. Bisher im Gebiet nur an Teucrium montanum gefunden. Die Raupe wechselt die Minen drei- bis viermal je nach der Größe der Blätter. Die Verpuppung findet zwischen, zusammengesponnenen Wipfelblättern statt. Die Sommerminen sind stark rötlich verfärbt. Traunstein-Südseite, 900 m, 4./5. VII. 1942 einige Imagines. Sämtliche Stücke sind viel heller als solche von Teucrium chamaedrys von außeralpinen Fundorten, die schwarze Bestäubung ist viel sparsamer.“ Wenn es sich nicht um eine damals noch unbeschriebene Sabulopteryx-Art handelte, ist der Berg-Gamander als Nahrungspflanze für Sabulopteryx limosella gut belegt.

Eine Nutzung des seltenen Lauch-Gamanders (Teucrium scordium) ist denkbar, die alte polnische Quelle Schille (1931: 268) nennt aber zugleich Genista tinctoria und Jurinea, woraus klar wird, dass es sich hier sicher nicht um verlässliche Primärangaben handelt.

Disqué (1901, S. 216) teilte mit: "Am 12. 8. [18]97 erzog ich 1 Falter von Genista tinctoria. Sonst soll die R. an Teucrium chamaedrys und Jurinea cyanoides leben. Ich kenne sie nicht." Es ist davon auszugehen, dass hier etwas Chaos bei der Zucht herrschte - das Ergebnis ist jedenfalls sehr zweifelhaft.

Bei Spuler (1910) ist auf Seite 407 zu lesen: "E. Juli u. E. Sept. in Teucrium, Genista, Jurinea minierd. - Pr. 129. - Hein. 624." Von wem die beiden letzten Angaben stammen, ist mir noch nicht bekannt - auf Spulers eigenen Beobachtungen dürfte keine der drei Gattungen basieren: „Pr. 129“ ist mir bisher leider nicht zugänglich – eventuell ist dort die Spur aufzunehmen (mit Disqué (1901) scheint das jedenfalls nichts zu tun zu haben).

Vorbrodt & Müller-Rutz (1914) schreiben zur Schweiz: „Als Seltenheit auf der Lägern (Frey), bei Landquart (Thom.), im Wallis (And.), und noch bei Bergün (Zeller). Die Raupe miniert in den Blättchen von Teucrium chamaedrys, auch an Genista und Jurinea. E. Sp. II, 407.“ Mit dem Zusatz „E. Sp. II, 407“ wird also die Quelle für die beiden letzten Pflanzenangaben klar genannt.

Nachdem die Pflanzen erst einmal den Weg in „den Spuler“ gefunden hatten, werden sie bis heute mitgeschleppt, wenn auch oft mit großen Bedenken. Solche kann man z.B. bei Hering (1957, S. 574) herauslesen, wenn er schreibt: „… an xerothermen Orten, an Teucrium. Die Form von Jurinea ist von der Teucrium-Form noch nicht unterschieden worden.“ Solche kann man aber auch bei Triberti (1985) herauslesen, wenn es bei ihm heißt: „Biology. Teucrium chamaedrys L. and montanum L. Spuler (1910) mentioned also Genista and Jurinea.”Bladmineerders.nl [Artseite auf bladmineerders.nl, abgefragt 2.11.2014] führt die beiden selben Teucrium-Arten an, dazu noch Jurinea cyanoides (nicht aber Genista!) und schreibt dann: „This polyphagy is surprising; perhaps two species are involved; it cannot be excluded either that Jurinea was mentioned incorrectly.”

Nach gegenwärtiger Kenntnis sehe ich keinerlei Grund, anzunehmen, dass es überhaupt eine Aspilapteryx- oder Sabulopteryx-Raupe an Genista oder Jurinea gibt. Ich gehe hier von krassen Fehlbestimmungen aus.

(Autor: Erwin Rennwald)

7. Weitere Informationen

7.1. Andere Kombinationen

7.2. Taxonomie

Schon Huemer (1994) macht bei der Beschreibung seiner Aspilapteryx spectabilis darauf aufmerksam, dass in der Gattung Aspilapteryx die Arten der Untergattung Aspilapteryx und die Arten der Untergattung Sabulopteryx aufgrund der Genitalien (und auch der Biologie) nur schlecht zueinander passen. Pereira et al. (2019) zeigten dann, dass die Arten beim Barcoding innerhalb der bisherigen Untergattungen zwar jeweils nahe beieinander stehen, die Arten der Untergattung Sabulopteryx aber weit entfernt von echten Aspilapteryx stehen, noch wesentlich weiter als Arten der Gattungen Eucalybites oder Euspilapteryx. Sie trennen daher Sabulopteryx aus Aspilapteryx heraus und werten sie als eigene Gattung mit den beiden neuen Kombinationen Sabulopteryx limosella und Sabulopteryx inquinata.

(Autor: Erwin Rennwald)

7.3. Publikationsjahr der Erstbeschreibung

Woodward (1922: 380) [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org] teilt die Publikationsjahre des Bandes mit: 1-112 (mit ?) und pl. 51-56 1842, 113-480 (mit ?) und pl. 57-72 1843, 481-[555] (mit ?) und pl. 73-80 1844, pl. 81-90 1845.

(Autor: Jürgen Rodeland)

7.4. Literatur

  • Anonymus [Herrich-Schaeffer] (1858): III. Nachtrag und Berichtigungen zur Lepidopteren-Fauna von Regensburg. — Korrespondenz-Blatt des zoologisch-mineralogischen Vereins in Regensburg, 12 (12): 177-185.
  • Baugnée, J.-Y. & W.N. Ellis (2011): Aspilapteryx limosella (Lepidoptera: Gracillariidae), new to the Belgian fauna. — Phegea 39 (2): 54-58. [PDF auf phegea.org]
  • Disqué, H. (1901): Verzeichniss der in der Umgegend von Speyer vorkommenden Kleinschmetterlinge. — Deutsche Entomologische Zeitschrift "Iris", Dresden 14: 149–176, 197–228.
  • Erstbeschreibung: Duponchel, P.-A.-J. (1842-[1845]): Histoire naturelle des lépidoptères ou papillons de France. Supplément aux tomes quatrième et suivants: 1-554, [555], pl. LI-XC. Paris (Méquignon-Marvis).
  • Huemer, P. (1994): Aspilapteryx spectabilis sp.n., eine neue Schmetterlingsart aus dem Gebiet des Nationalparks Hohe Tauern (Osttirol, Österreich) (Lepidoptera: Gracillariidae). — Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen 46: 1-8 [PDF auf zobodat.at].
  • Klimesch, J. (1951): Über Microlepidopteren des Traunsteingebietes in Oberösterreich. — Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft, 39: 101-117. [PDF auf zobodat.at]
  • Mann, J. (1885): Beiträge zur Kenntniss der Microlepidopteren-Fauna der Erzherzogtümer Oesterreich ob und unter der Enns und Salzburgs. (11. Fortsetzung.). — Wiener Entomologische Zeitung, 4 (7): 197-200. [PDF auf zobodat.at]
  • Osthelder, L. (1951): Die Schmetterlinge Südbayerns II. Teil. Die Kleinschmetterlinge. 2. Heft : Glyphipterygidae bis Micropterygidae. – Beilage zum XLI. Jahrgang der Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft, S. 115 – 250.
  • Pereira, C.M. Arévalo-Maldonado, H.A., Triberti, P., Brito, R., Isaias, R.M.S., Gonçalves, G.L. & G.R.P. Moreira (2019): Vallissiana universitaria (Lepidoptera: Gracillariidae): a new genus and species of leaf-mining moth associated with Erythroxylum (Erythroxylaceae) in the Atlantic Forest of Brazil. — Zootaxa 4604 (1): 141–160. [zum Abstract auf biotaxa.org]
  • Schille, F. (1931): Fauna Motyli Polski (Fauna Lepidopterorum Poloniae). Tom II. Opracowal: 1-358, map. [PDF auf rcin.org.pl]
  • Schmid, A. (1886): Die Lepidopteren-Fauna der Regensburger Umgegend mit Kelheim und Wörth. I. Macro-Lepidoptera. CB Ver Regensb, XXXIX 21, 75, 97, & 151.
  • [SCHÜTZE (1931): 165]
  • Stainton, H. T. (1864): The natural history of the Tineina 8: I-IX, 1-315, Gracilaria pl. I-V, Ornix pl. I-III. London (John van Voorst) – Paris (Deyrolle) – Berlin (E. S. Mittler und Sohn). — Digitalisat auf archive.org: [120-127], [Gracilaria pl. III fig. 2].
  • Triberti, P. (1985): A revision of the genus Aspilapteryx Spuler (Lepidoptera, Gracillariidae). — Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Entomologen 37 (1/2): 1-16. [PDF auf zobodat.at]
  • Vorbrodt, K. & J. Müller-Rutz (1914): Die Schmetterlinge der Schweiz. II. Band. Geometridae, Arctiidae, Syntomidae, Zygaenidae, Limacodidae, Psychidae, Thyrididae, Cossidae, Hepialidae (bearbeitet von Karl Vorbrodt). Pyralidae, Tortricidae, Glyphipterygidae, Ochsenheimeriidae, Pterophoridae, Orneodidae, Gelechiidae, Heliodinidae, Momphidae, Coleophoridae, Gracillariidae, Oenophilidae, Phyllocnistidae, Lyonetiidae, Cemiostomidae, Elachistidae, Scythrididae, Hyponomeutidae, Acrolepiidae, Tineidae, Monopidae, Incurvariidae, Tischeriidae, Heliozelidae, Nepticulidae, Eriocraniidae, Micropterygidae (bearbeitet von J. Müller-Rutz). – 726 S.; Bern (Wyss).
  • Woodward, B. B. (1922): Catalogue of the Books, Manuscripts, Maps and Drawings in the British Museum (Natural History). Vol. VI. Supplement: A–I: i-iv, 1-511, 1-48. London.
  • Zeller, P.C. (1847): Die Gracilarien. — Linnaea entomologica 2: 303-383.