Vorkommen
Länder:+4Kontinente:EU
Falter
Raupen
Puppe, Exuvie, Puppenkokon
Männchen
Geschlecht nicht bestimmt
Männchen
Erstbeschreibung
Inhalt

1. Falter

2. Raupen

3. Fraßspuren und Befallsbild

1-3, Mine an Ulmus laevis und Exuvie: Daten s. Falterbilder 1-2 (Studiofotos: Dietmar Laux), cult. Dietmar Laux

4-9: Drei Beispiele für unterseitige Minen, alle Österreich, Niederösterreich, Katzelsdorf an der Leitha, leg. 3. September 2013 an Flatterulme (Ulmus laevis); leg., cult., det. & Fotos Peter Buchner

4-6 (12 mm, Ober- / Unterseite, Durchlicht) Nur wenige Minen sind derart durchsichtig. Hier kann man im Durchlicht nicht nur die Puppe gut erkennnen, sondern auch den zarten Kokon erahnen

7 (17 mm, Unterseite)

8-9 (15 mm, Ober- / Unterseite)

10-15: Drei Beispiele für oberseitige Minen, alle Österreich, Niederösterreich, an Flatterulme (Ulmus laevis); leg., cult., det. & Fotos Peter Buchner

10-11 (17 mm, Ober- / Unterseite): Katzelsdorf an der Leitha, leg. 3. September 2013

12-14 (Oberseite): Gleissenfeld, [12] ganz junge Mine, Foto am 15. August 2013, 17 mm, [13] zwei Tage später, 20 mm, [14] Raupe (2mm, noch im Safttrinkerstadium) im Durchlicht

15 (10 mm, Oberseite): Daten wie vorige

4. Puppe, Exuvie, Puppenkokon

5. Diagnose

5.1. Männchen

5.2. Geschlecht nicht bestimmt

5.3. Unterscheidung der Phyllonorycter-Arten an Ulmen anhand der Minen und Puppenkokons

Vgl. hierzu den Text bei Ph. tristrigella.

5.4. Genitalien

5.4.1. Männchen

5.5. Erstbeschreibung

6. Biologie

6.1. Nahrung der Raupe

  • [Ulmaceae:] Ulmus laevis (Flatter-Ulme)
  • [Ulmaceae:] Ulmus procera (Englische Ulme)
  • [Ulmaceae:] Ulmus glabra (Berg-Ulme)
  • [Ulmaceae:] Ulmus minor [= Ulmus campestris, Ulmus foliacea] (Feld-Ulme)

Die Art miniert an Englischer Ulme (Ulmus procera) [Bradley, Jacobs & Tremewan (1970)] und Flatter-Ulme (Ulmus laevis) [oben dokumentierter Fund von Erwin & Gabriele Rennwald und weitere Funde aus Bayern und Österreich]. H. Kolbeck im Beitrag der Arbeitsgemeinschaft Microlepidoptera in Bayern (2010) bemerkt zu seinen Puppenminenfunden an der Blattunterseite von Flatterulmen im Oktober: "Bemerkenswert war die flache Form der unterseitigen Minen, die mit den länglichen, zu Röhren zusammengezogenen Minen der anderen an Ulmen lebenden Arten Ph. tristrigella (Haworth, 1828) und Ph. schreberella (Fabricius, 1781) keinerlei Ähnlichkeit aufwiesen. An den wenigen unteren Ästen, die erreichbar waren, wurde nur noch eine besetzte Mine gefunden. Dies war auch sofort erkennbar, da sich die frei in der Mine liegende Puppe im Gegenlicht abzeichnete. Hierdurch unterscheidet sich die als Falter überwinternde Ph. agilella von den anderen beiden Arten, die als Puppenüberwinterer pergamentartige Kokons in einer eingeschnürten Kammer in der Mine anfertigen."

Die relative Bedeutung der verschiedenen Ulmen-Arten wird aus der Literatur nicht klar ersichtlich - nach den mir bekannten Fundstellen würde ich vermuten, dass der Flatter-Ulme die größte Bedeutung zukommt.

7. Weitere Informationen

7.1. Andere Kombinationen

7.2. Faunistik

Am 3. Oktober 2007 sammelten E. & G. Rennwald in der rezenten Aue bei Au am Rhein (Baden-Württemberg, Nördliche Oberrheinebene) eine einzelne Faltenmine an der Blattunterseite einer Flatterulme, davon ausgehend, dass das Blatt - nach der Überwinterung – wieder einmal P. schreberella entlässt. Doch schon 3 Tage später war der Falter geschlüpft: P. agilella! Nach Gaedike & Heinicke (1999) war Ph. agilella nach 1980 nur aus Brandenburg und Sachsen belegt. Meldungen zwischen 1900 und 1980 gab es außerdem aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Für Bayern wurde die Art mit Vorkommen vor 1900 akzeptiert. Die Uralt-Angaben aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (s. u.) fanden – weil unbelegt – keinen Eingang in das Verzeichnis. Die Rote Liste der Kleinschmetterlinge von Bayern (Pröse, Segerer & Kolbeck 2003) führt Ph. agilella in der Kategorie „ausgestorben oder verschollen“ aus der Naturraumgruppe „Tertiär-Hügelland und voralpine Schotterplatten“ an. Aus Südwestdeutschland gab es bisher 3 Literaturangaben, allesamt uralt und alle aus der Rheinschiene:

Mainz (Rössler 1881)

Karlsruhe (Reutti 1898)

Freiburg (Reutti 1898)

Diejenige aus Mainz wird von Biesenbaum (2005) in "Die Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens" erläutert: „Es liegt nur ein Literaturnachweis vor, die Art muss als verschollen oder ausgestorben angesehen werden."

Der jetzige Fund bestätigt die unsicheren alten Angaben. Au am Rhein [TK 7015] liegt knapp 20 km südlich von Karlsruhe. Die Fundstelle befindet sich in der rezenten Rheinaue, ca. 50 m von einem aktiven Altarm entfernt und zuletzt im September bis an die unteren Äste in 1,5 m Höhe überflutet. Das betroffene Blatt fand sich 10-20 cm oberhalb des Hochwassergenists. Bei dem Wald handelt es sich um einen Pappelforst mit Resten von Arten des Eichen-Ulmen-Auwaldes. Am 13.10.2007 wurden in der rezenten Rheinaue 2 km nördlich des Nachweisortes einige schon verlassene Phyllonorycter-Minen gefunden, eine davon mit noch erkennbarer Exuvie. Da die anderen sich an Ulmen entwickelnden Arten der Gattung alle im Puppenstadium überwintern (sollen), spricht einiges dafür, dass es sich auch hier um P. agilella handelte. P. agilella soll in zwei Generationen im Juni / Juli bzw. ab September / Oktober fliegen, wobei die im Herbst schlüpfenden Falter überwintern.

Bei einem Gespräch mit Andreas Werno über den Neunachweis in Baden-Württemberg teilte er mit, dass ihm 2007 von 3 Stellen im Saarland Falter dieser Art aus Ulmen schlüpften. P. agilella ist damit auch aus dem Saarland belegt. Damit ist zu erwarten, dass dieser Falter in SW-Deutschland doch noch weiter verbreitet sein könnte.

Dazu passend meldet H. Kolbeck im Beitrag der Arbeitsgemeinschaft Microlepidoptera in Bayern (2010) einen Puppenfund in einem Blatt einer Flatterulme (Ulmus laevis) bei Ergolding, Lkr. Landshut; der Falter schlüpfte am 14. Oktober 2007 und bestätigte damit, dass die Art auch rezent in Bayern vorkommt.

(Autor: Erwin Rennwald)

7.3. Literatur