

+26Kontinente:EUAS1. Lebendfotos
1.1. Falter
2. Diagnose
2.1. Weibchen
2.2. Geschlecht nicht bestimmt
2.3. Genitalien
2.3.1. Männchen
2.3.2. Weibchen
2.4. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Falter
Im Frühling fliegende Art. Man sieht den Falter von Ende April bis Mitte Mai um die Kronen von einzeln und locker stehenden Kiefern fliegen. Zum Beobachten sind die Abendstunden am besten geeignet. [Friedmar Graf]
3.2. Nahrung der Raupe
- [Pinaceae:] Pinus sylvestris (Wald-Kiefer)
- [Pinaceae:] Pinus pinaster (Strand-Kiefer)
- [Pinaceae:] Pinus tabuliformis [= Pinus tabulaeformis] (Chinesische Kiefer)
- [Pinaceae:] Pinus massoniana (Massons Kiefer)
- [Pinaceae:] Pinus armandii (Armands Kiefer)
- [Pinaceae:] Pinus bungeana (Bunges Kiefer, Tempel-Kiefer)
- [Pinaceae:] Pinus sp. (Kiefer)
- [Pinaceae:] Picea sp. ??? (Fichte ???)
- [Pinaceae:] Abies sp. ??? (Tanne ???)
Schütze (1896: 16-18) beschrieb sehr detailliert seine Raupensuche in Zapfen von Abies alba. Dabei vermerkte er, dass alle Raupenfunde in Abies alba erfolgten, während die Suche in Zapfen von Picea abies und Pinus sylvstris vergeblich erfolgte.
Liest man dann Schütze (1931: 39) ist man verblüfft, dass die Art jetzt ausschließlich unter Pinus sylvestris abgehandelt wurde: "Raupe von Juni ab [...] Ist anscheinend ein seltenes Tier und seine Biologie noch wenig bekannt; nach Wocke fliegt der Falter zwischen Föhren, nach Disqué bzw. englischen Berichten lebt die Raupe im Juni in Kieferntrieben." Schütze (1931: 39) sagt damit indirekt, dass seine Angaben von 1896 falsch waren, also zu einer anderen Art gehörten, wobei nach seinen Ausführungen S. 33 Verwechslung mit Barbara herrichiana zu unterstellen ist.
Nach Razowski (2001: 87) scheint alles klar zu sein: "Tr[iebe], Za[pfen]; Pinus, Abies, Picea (Pinaceae)." - Primärquellen werden aber nicht genannt.
Hancock et al. (2015: 162) können recht wenig zur Raupe sagen: "Ovum. On the buds or twigs of the foodplant. Larva. Undescribed. June - July feeding in the shoots of Norway spruce, Picea abies (Meyrick, 1895). Szabóky & Csóka (2010) also include the shoots and cones of Pinus, Abies and Picea. Could become a potential pest of conifer plantations if it becomes widely established." Wichtig dabei: "Meyrick (1895) records this species, under the name Evetria retiferana Wocke [...]".
Meyrick (1895: 471) hatte zu jener Art konkret formuliert: "E. retiferana Wk. (margarotana, Hein., non HS.) [...] Scotland (locality unrecorded), probably scarce and local; Germany; 5. Larva in shoots of Pinus abies; 6, 7." Meyrick hatte also selbst weder Falter noch Raupen gefunden, sondern die Angaben von irgendwoher übernommen. Und Disqué (1905: 226) schrieb zu jenem Tier in der Pfalz: "Am 20. 4. 93 ein ganz frisches Stück aus Kiefern aufgescheucht, gefangen. R. soll nach Meyrick im Juni in den Trieben von Kiefern leben. Beschreibung fehlt." Disqué (1905: 226) ist hier damit ganz sicher keine Primärquelle. Und Kennel (1913: 362) kann ebenfalls nichts Neues beitragen: "Die Raupe lebt vom Juni ab in Trieben von Pinus (nach Meyrick); der Falter fliegt im April und Mai zwischen Kiefern."
Und was ist mit Szabóky & Csóka (2010: 120) ? Dort steht: "The caterpillar (V-VI) feeds on the shoot or in the cones: Pinus, Abies, Picea. Uncommon in CE, it has been known from Hungary for less than 20 years. Was first recorded at Ásotthalom (South Hungary), and has gradually spread towards the North. Its damage has not yet been recorded in Hungary, but in some places it is considered as an occasional pest." Was bedeutet das ? "Its damage has not yet been recorded in Hungary" heißt hier nicht mehr und nicht weniger, als dass die Raupe hier noch nie gefunden wurde, die Angaben zu den Pflanzen also aus der Literatur entnommen wurden, also wahrscheinlich von Razowski (2001: 87).
Am 13. September 2023 formulierte ich hier: "Wir müssen es also zur Kenntnis nehmen: Die Raupe dieser Art ist noch unbeschrieben und gesicherte Funde von Raupen aus Europa fehlen ganz ! Dass die Art an Pinaceae gebunden ist, kann nach den Falterfunden als gesichert gelten. Und nach den Falterfund-Stellen scheint Pinus im Mittelpunkt zu stehen. Alles weitere ist Spekulation."
Auch [bladmineerders.nl (abgefragt 13. September 2023)] sah das ähnlich: "Both the biology of the larvae and the exact host plants are insufficiently known. The larvae would live “in branches and cones”. The names of the host plants are cited offhand, and cannot be taken seriously."
Noch nicht studieren konnte ich die Arbeit von Patočka (1998), in der es eine Beschreibung der Puppe gibt - ob damit eine konkrete Nahrungspflanze verbunden war, muss sich zeigen.
Möglicherweise hilfreich ist hier eine Arbeit aus China, in der ein neuer Parasitoid von Tortriciden-Puppen erstbeschrieben wird: Triclistus strobilius (Ichneumonidae). Nach Sun et al. (2013: 77) wurden der Holotypus und die meisten Paratypen aus Puppen von Dioryctria rubella und Dioryctria pryeri erhalten, bei einem Paratypus heißt es aber: "1 male, CHINA: Fuxin, Liaoning Province, reared from pupa of Gravitarmata margarotana (Hein), collected from cone of Pinus tabulaeformis Carr., 20 October 2010, Qing-Shu Luan". Zur Bestimmung der Wickler-Puppe heißt es nur pauschal: "The hosts were identified by Professor Hou-Hun Li, Nankai University, Tianjing, China."
Erst Muus (2026: 385) kann ein Foto der Raupe zeigen - in einem noch grünen Zapfen einer Kiefer! Er schreibt zur Raupennahrung: "W: Grove den (Pinus sylvestris), bij ons ook bij zeeden (P. pinaster) gevonden. In Oost-Europa en in Azie op tal van andere soorten den. En vermelding van zilverspar (Abies alba) heeft betrekking op Dioryctria abietella; ook fijnspar (Picea abies) is dubieus."
Muus (2026: 385) schreibt zur Raupe und ihrer Lebensweise: "R: Mei- juni. De rupsen leven aanvankelijk in de vrouwelijke katjes en jonge scheuten, met name in de basis van de uitlopende knoppen, waarbij hars uitvloeit en de knoppen oranjebruin tot geel kunnen verkleuren en naalden kunnen afvallen. Rupsen verhuizen naar de jonge groene kegels, die vooral in het midden en soms aan de basis worden angeboord, warbij ook hier soms wat hars uitvloeit. De kegels lopen een aanzienlijke groeiachterstand op, vervormen of sterven af. Rupsen verblijven langdurig in een cocon in de strooiselaag. [...] Heft een voorkeur voor relatief jonge bomen." [R: Mai–Juni. Die Raupen leben zunächst in den weiblichen Kätzchen und jungen Trieben, insbesondere an der Basis der austreibenden Knospen, wobei Harz austritt und die Knospen sich orange-braun bis gelb verfärben und Nadeln abfallen können. Die Raupen wandern zu den jungen grünen Zapfen, die vor allem in der Mitte und manchmal an der Basis angebohrt werden, wobei auch hier gelegentlich etwas Harz austritt. Die Zapfen weisen einen erheblichen Wachstumsrückstand auf, verformen sich oder sterben ab. Die Raupen verweilen lange Zeit in einem Kokon in der Streuschicht. [...] Relativ junge Bäume werden bevorzugt.] Als Quellen nennt Muus Barrett (1893) und Kuan-Sheng et al. (1974). Bei Letzteren ist in der englischen Zusammenfassung zu lesen: "Gravitarmata margarotana is an important forest insect pest of Shensi. It attacks four species of pine and especially prefers Pinus tabulaeformis which is sometimes severely injured. According to field observation, this insect has one generation a year in North Shensi with pupae hibernating in cocoons [...] The larvae attack host plants from early May to early June, being most serious in the middle part of May." Die weiteren genannten Pinus-Arten sind P. massoniana, P. armandi und P. bungeana.
Mit "Barrett (1893)" meinte Muus die "Current Notes" von Anonymus (1893: 150), wo es u.a. heißt: "Mr. C. G. Barrett informs us that specimens of retiferana, Wocke, and margarotana, H.-S., were sent him last winter by Herr Hoffmann, and that the species which has recently been included in the British list under the latter name, is really the former. It appears that Herrich-Schäffer figured margarotana. Then Dr. Wocke sent Heinemann specimens which he thought were margarotana, and which the latter described as such. Subsequently Dr. Wocke bred from cones of Pinus sylvestris, the true margarotana, H.-S., and finding out the error he had fallen into, named the species described by Heinemann, retiferana, so that the synonomy of the species appears to be (1) retiferana, Wocke (= margarotana, Hein.). (2) margarotana, H.-S. The former (feeding on spruce fir) is the British species, the latter (feeding on P. sylvestris) is not yet known as British."
Eigentlich war es also spätestens 1893 klar, dass G. margarotana an Kiefern gebunden ist und als Raupe dort in (grünen) Zapfen lebt, und dass die Angaben zu Fichten und Tannen zu anderen Arten gehören. Doch wegen dem taxonomischen Chaos hat sich diese Erkenntnis bis heute noch nicht so ganz durchgesetzt.
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Retinia margarotana Heinemann, 1863 [Originalkombination]
4.2. Synonyme
- Retinia amethystana Peyerimhoff, 1872
- Retinia retiferana Wocke, 1879
4.3. Taxonomie und Faunistik
Heinemann (1863: 96) nennt als Typenfundort einfach "Schlesien", was heute überwiegend in Polen, z.T. in Tschechien, zum kleinen Teil auch in Deutschland liegt. In allen drei Ländern kommt die Art auch noch aktuell vor. Verhoeven et al. (1994) melden sie erstmals aus Belgien. Nach ihrer Literaturrecherche reicht die Verbreitung östlich bis in den Südosten Russlands und nach Japan. Die Art scheint - zumindest in Europa - durchgehend nur lokal und in kleiner Anzahl vorzukommen. Sie kann am ehesten mit Retinia resinella und ganz besonders mit Barbara herrichiana verwechselt werden - Letztere lief lange unter dem Namen Retinia margarotana Staudinger, 1871, was ganz erheblich zur Verwirrung in der Literatur beigetragen hat (und es immer noch tut).
Bryner & Kopp (2023: 52) nennen für die Schweiz nur einen Fund in der Südschweiz: "Stabio (TI), San Pietro, 28.3.1994 (leg. M. Hächler)."
(Autor: Erwin Rennwald)
4.4. Literatur
- [Anonymus] (1893): Current notes. — The Entomologist's record, 4: 150. [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- Bryner, R. & A. Kopp (2023): Aktualisierung der Checkliste der Schmetterlinge (Lepidoptera) der Schweiz. — Entomo Helvetica 16: 39-60.
- Disqué, H. (1905): Die Tortriciden-Raupen der Pfalz. — Deutsche Entomologische Zeitschrift "Iris" 17: 209-256. [PDF auf zobodat.at]
- Hancock, E.F., Bland, K.P. & J. Razowski (2015): The moths and butterflies of Great Britain and Ireland. Volume 5 (Part 2). Tortricidae, Olethreutinae. - 377 S.; Leiden & Boston (Brill).
- Erstbeschreibung: Heinemann, H. (1863): Die Schmetterlinge Deutschlands und der Schweiz. Zweite Abtheilung. Kleinschmetterlinge. Band I. Heft I. Die Wickler: 1-248. Braunschweig (C. A. Schwetschke und Sohn).
- Kennel, J. (1908-1921): Die Palaearktischen Tortriciden. Eine monographische Darstellung. — Zoologica, 21 (54): 1-546. [PDF auf zobodat.at]
- Kuan-Sheng, L., Yu-Dai, C., Yang-Chih, L., Wen-Chi, F. & C. Hsing-Tsai (1974): A preliminary study on Gravitarmata margarotana Hein. (Lepidoptera: Olethreutidae) in Shensi Province [Chinesisch]. — Acta Entomologica Sinica, 17 (1): 16-28. [PDF auf sciengine.com]
- Meyrick, E. (1895): A handbook of British Lepidoptera. - vi+843 pp.; London.[Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- Patočka, J. (1998): Die Puppen der mitteleuropäischen Wickler (Lepidoptera: Tortricoidea, Tortricidae). — Nova Supplementa Entomologica, 12: 3-286. [Sekundärzitat]
- Razowski, J. (2001): Die Tortriciden (Lepidoptera, Tortricidae) Mitteleuropas. Bestimmung - Verbreitung - Flugstandort - Lebensweise der Raupen. — 319 S.; Bratislava.
- Schütze, [K.T.] (1896): Mittheilungen über einige Kleinschmetterlinge. — Stettiner Entomologische Zeitung, 57: 11-27. [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- SCHÜTZE (1931): 39
- Sun, S.-P., Luan, Q.-S. & M.-L. Sheng (2013): A new species of Triclistus Förster (Hymenoptera, Ichneumonidae, Metopiinae) parasitizing cone-borers from the Eastern Palaearctic part of China. — Journal of Hymenoptera Research, 30: 75–82. doi: 10.3897/JHR.30.4121. [zum PDF-Download auf jhr.pensoft.net]
- Szabóky, C. & G. Csóka (2010): Sodrómolyok - Tortricids. - 191 S.; Miskolc (edit.: Forest Research Institute, Sárvár, Hungary). [PDF auf researchgate.net]
- Verhoeven, F., Larsen, K., Riemis, A. & W. de Prins (1994): Gravitarmata margarotana (Heinemann, 1863), a new species for the Belgian fauna (Lepidoptera: Tortricidae). — Phegea, 22: 29–34. [PDF auf phegea.org]
- Ylla, J., Groenen, F. & R. Macià (2007): Gravitarmata margarotana (Heinemann, 1863) y Epinotia subocellana (Donovan, [1806]), dos nuevas especies para la Península Ibérica (Lepidoptera: Tortricidae). — SHILAP Revista de Lepidopterología 35 (138): 261-264. [PDF auf redalyc.org]















































