

+26Kontinente:EUAS1. Lebendfotos
1.1. Falter
2. Diagnose
2.1. Männchen
2.2. Genitalien
2.2.1. Männchen
2.2.2. Weibchen
2.3. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Habitat
3.2. Nahrung der Raupe
- [Fabaceae:] Onobrychis viciifolia [= Onobrychis viciaefolia, Onobrychis sativa] (Saat-Esparsette)
- [Fabaceae:] Ononis spinosa (Dornige Hauhechel)
- [Fabaceae:] Ononis spinosa ssp. maritima ? [= Ononis spinosa ssp. procurrens, Ononis repens, Ononis costae ?] (Kriechende Hauhechel ?)
- [Fabaceae:] Trifolium medium ? (Mittel-Klee ?)
- [Fabaceae:] Medicago sativa ?? (Saat-Luzerne ??)
Schütze (1931) berichtete zur Raupe: "In den Trieben von Ononis spinosa (Disqué), Ononis und Onobrychis (Reutti). August bis Oktober im Stängel (Kennel). Süddeutschland.
Disqué (1905: 243) konnte konkret melden: "R. Ende 8 in den Stengeltrieben von Ononis spinosa, sie ist einfarbig weisslich mit blassbraunem Kopf. Ich erhielt sie von Hinneberg-Potsdam." Die Angabe stammte also nicht aus "Süddeutschland", doch sie ist sehr plausibel, da die Art in Brandenburg und anderen östlichen Bundesländern Deutschlands auch heute noch vorkommt. Muus (2026: 396) sieht diese Pflanze skeptisch und möchte Verwechslung der Pflanze mit Esparsette nicht ausschließen. Doch genau das würde ich sowohl bei Hinneberg als auch Disqué völlig ausschließen.
Die zweite Pflanze, die Esparsette, wurde schon in der Erstbeschreibung von Schläger (1848: 235) erwähnt, als er zum Falter schrieb: "Diese Art ist bei uns ungemein häufig im Mai und Juni; sie findet sich an allen Orten, wo Gras oder Klee wächst. Am häufigsten fliegt sie jedoch in Esparsettstücken, oder an Rändern, wo diese Pflanze angesäet ist." Der Autor schrieb also nichts zur Raupe, legte aber doch nahe, dass sie an oder in dieser Pflanze zu finden sein müsste. Ähnlich Rößler ([1867]: 204), wo zu lesen ist: "Der Schmetterling fliegt den Juni hindurch im Salzbachthal einzeln um Ononis, in unzähliger Menge aber auf Aeckern mit Onobrychis sativa, auch bei Lorch an letzterer Pflanze, so daß die Raupe an ihr zu vermuthen ist." Die Esparsette wird in der Literatur dann fast durchgängig als Futterpflanze genannt. Bei [ukmoths] heißt es z.B. schlicht: "The larvae feed on sanfoin (Onobrychis viciifolia), from August living inside the stem and roots, and overwintering, then pupating in the summer." Und entsprechend trägt die Art den englischen Namen "Sainfoin Piercer". Ob es aber tatsächlich einen Raupenfund an oder in dieser Pflanze gab, oder ob nur abgeschrieben wurde, war mir lange nicht klar. Erst durch Muus (2026: 396) wurde ich auf die Notiz von Coverdale (1885) aus England aufmerksam gemacht. Dort heißt es: "In July, 1884, from observing the habits of this insect, I felt sure that Onobrychis sativa was its food-plant. In August, upon cutting open some of the previous year’s stems, I obtained undoubted traces of its work, some of the stems being filled with decaying frass. Successive visits to the locality were paid in September, October, and November, and not till then was I rewarded by the discovery of the larva in the stems near the roots of Onobrychis sativa. Seven larve were found, which had then apparently ceased to feed, and from them the following description is drawn up:—Length 5 lines, somewhat tapering, the 2nd and 8rd segments being broader than any of the others, the 3rd being the broadest. Colour bright yellow; head pale yellowish brown; face with two dark brown lines, which, with the dark brown mouth for base, form a triangle. Ist segment with two indistinctly defined pale yellowish brown plates, anal segment pale brown, dorsal vessel indistinctly pale brown. Spiracles small, pale brown; legs yellow, prolegs very short, yellow on the 6th, 7th, 8th and 9th segments. On the head and following segment are a few transparent hairs. The larva is active in its movements, progressing very readily backwards. It should be remembered that these larve may have been full-fed for some time before November, and perhaps have undergone a change in colour. On April 3rd, 1885, a dark brown patch had developed on the anal segment, the larva after its hybernation -being somewhat thinner. On June 12th it had changed to a bright yellow pupa within the cocoon which I cut open. On June 25th, first the wing-cases and then the whole pupa changed to a rich dark brown. The imago (female) emerged on July 1st." Was bei Frey(1880: 332) noch eine reine Vermutung war ("R. wohl an Onobrychis") war, hatte sich demnach bestätigt.
Bei Razowski (2001: 92) werden eine andere Ononis-Art und zusätzlich eine weitere Fabaceen-Gattung genannt: "St[ängel]; Medicago sativa, Ononis repens, Onobrychis viciaefolia (Fabaceae)." Primärquellen dazu konnte ich nicht finden, so dass zumindest bei der Luzerne größere Zweifel angebracht sind. Bei der Angabe zu Medicago sativa stimme ich mit Muus (2026: 396) überein, der hier Verwechslung mit Cydia medicaginis für möglich hält.
Kennel (1921: 659) hatte knapp geschrieben: "Die Raupe ist einfarbig weißlich, der Kopf blaßbraun; sie lebt von August bis Oktober im Stengel von Ononis spinosa und Onobrychis; der Falter fliegt von Mai bis Anfang Juli."
Interessant sind die Angaben auf [artfakta.se (abgefragt 14. Dezember 2019)]. Dort wird die Art mit schwedischem Namen "Skogsklövervecklare" (Mittelkleewickler) geführt mit der Begründung, dass die Art in Schweden immer um Bestände des Mittleren Klees (Trifolium medium) zu finden ist und die anderen, sonst für den Wickler genannten Futterpflanzen, dort ganz fehlen. Für Trifolium medium gibt es anscheinend also noch keinen Beleg in Form eines Raupenfundes, aber die Meldung lässt schon sehr darauf schließen, dass hier eine Bestätigung möglich sein sollte.
Itämies (2007: 29) hatte in Finnland eine ex-ovo-Zucht mit Trifolium medium durchgeführt. Im englischen Abstract schreibt er: " The larval biology of Grapholita caecana was studied in captivity in 2004. The study was carried out with specimen originated from the vicinity of Turku, in SW Finland. A single female was let to lay eggs in a 50 l bucket with a growth of Zigzagklover (Trifolium medium) - the supposed native food plant of the species in Finland. The bucket was left outside and after three weeks, several green withered leaves were observed. After hibernation, adults started to emerge on the 8th of June 2005. After rearng, the stems of T. medium were thoroughly inspected to describe the damage done by the larvae. Occupied stems were easy to identify because the larva cuts the upper part of the stem and closes the standing part of it with a frass plug through which the pupa later extrudes. Eating starts from the base of a petioles and then larvae pierce downward inside the stem to the root. The stem is filled with frass inside, but the last 4-10 centimetres are left hollow. In the lowest part of the stem, there is a pupation chamber closed at both ends by frass plugs. Searching for occupied stems in the field may be a successful method in mapping the distribution of this species." - Dabei wird darauf hingewiesen, dass auch der Rüsselkäfer Hypera nigrirostris im Stängel von Trifolium medium lebt, aber mehr in Gallen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass es da zwischenzeitlich auch Freilandbeobachtungen zur Raupe an Trifolium medium gibt, aber ganz sicher ist das nicht.
(Autor: Erwin Rennwald)
3.3. Prädatoren
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Grapholitha caecana Schläger, 1848 [Originalkombination mit "th" im Gattungsnamen]
- Cydia caecana (Schläger, 1848) [so in Karsholt & Razowski (1996)]
Der ICZN legt fest: „11.9.3.2. einem Namen der Artgruppe wird unterstellt, dass er in Kombination mit der korrekten ursprünglichen Schreibweise des Gattungsnamens veröffentlicht worden ist, auch dann, wenn er tatsächlich in Kombination mit einer Emendation oder einer inkorrekten Schreibweise des Gattungsnamens publiziert wurde [Art. 33]“. Somit ist die Autorschaft von Grapholita caecana ohne runde Klammern zu schreiben.
(Anmerkung von Jürgen Rodeland mit Dank an Guy van de Poel für den Hinweis)
4.2. Synonyme
- Grapholita coecana Herrich-Schäffer, 1848
- Grapholita obcaecana Ragonot, 1876
4.3. Publikationsdatum der Erstbeschreibung
Karsholt & Razowski (1996) führten die Erstbeschreibung mit Jahreszahl "1847". Die Publikation erschien zwar im "Bericht des lepidopterologischen Tauschvereins über das Jahr 1847", doch dieser enthält den Bericht für das ganze Jahr und ist laut Band-Einführung 1848 herausgegeben worden.
4.4. Literatur
- Disqué, H. (1905): Die Tortriciden-Raupen der Pfalz. — Deutsche Entomologische Zeitschrift "Iris" 17: 209-256. [PDF auf zobodat.at]
- Itämies, J. (2007): Paahdekiiltokääriäisen [Grapholita caecana (Schläger, 1847)] toukan biologia metsäapilalla (Trifolium medium L.). The larval biology of Grapholita caecana (Schläger, 1847) on Zigzag klover (Trifolium medium L.). — Baptria, 32 (1): . [PDF (ganzes Heft) auf perhostutkijainseura.fi]
- Kennel, J. (1908-1921): Die Palaearktischen Tortriciden. Eine monographische Darstellung mit 24 Tafeln im Farbendruck, einer Stammtafel und mehreren Abbildungen im Text. — Zoologica 21 (54): 1-546, 729-742, Stammtafel, Taf. I-XXIV. Stuttgart. [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- Muus, T. (2026): Handboek Motten: Alle Microvlinders van Nederland en België. [Deel 1 & Deel 2]. — 788 S.; Utrecht (KNNV Uitgeverij).
- Razowski, J. (2001): Die Tortriciden (Lepidoptera, Tortricidae) Mitteleuropas. Bestimmung - Verbreitung - Flugstandort - Lebensweise der Raupen. — 319 S.; Bratislava.
- Razowski, J. (2003): Tortricidae (Lepidoptera) of Europe, Vol. 2: Olethreutinae. — Bratislava (Slamka).
- Rößler, A. ([1867]): Verzeichniß der Schmetterlinge des Herzogthums Nassau, mit besonderer Berücksichtigung der biologischen Verhältnisse und der Entwicklungsgeschichte. — Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde 19/20: 99-442. Wiesbaden. [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]
- Erstbeschreibung: Schläger, F. (1848): Entdeckungen, Ergänzungen, Berichtigungen und sonstige Bemerkungen. — Bericht des lepidopterologischen Tauschvereines über das Jahr 1847: 223-243.
- SCHÜTZE (1931): 124










































