Vorkommen
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Falter
Ausgewachsene Raupe
Jüngere Raupenstadien
Puppe
Männchen
Weibchen
Geschlecht nicht bestimmt
Erstbeschreibung
Habitat
Inhalt

1. Falter

2. Ausgewachsene Raupe

3. Jüngere Raupenstadien

4. Puppe

5. Diagnose

5.1. Männchen

5.2. Weibchen

5.3. Geschlecht nicht bestimmt

5.4. Erstbeschreibung

6. Biologie

6.1. Habitat

6.2. Nahrung der Raupe

  • [Asteraceae:] Artemisia vulgaris (Gewöhnlicher Beifuß)
  • [Asteraceae:] Artemisia campestris ? (Feld-Beifuß ?)
  • [Asteraceae:] Artemisia scopariae ? (Besen-Beifuß ?)
  • [Asteraceae:] Tanacetum vulgare [= Chrysanthemum vulgare] (Rainfarn)
  • [Asteraceae:] Chrysanthemum vulgare ? (Margerite ?)
  • [Asteraceae:] Taraxacum sp. ??? (Löwenzahn ???)
  • [Lamiaceae:] Mentha sp. ??? (Minze ???)
  • [Salicaceae:] Salix sp. ??? (Weide ???)

Mit Abstand wichtigste Raupennahrungspflanze ist der Gewöhnliche Beifuß (Artemisia vulgaris); eine Nutzung anderer Beifuß-Arten ist plausibel - ob es dazu auch Freiland-Beobachtungen gibt, ist mir unklar. Ebenfalls durch Raupenfunde gut belegt ist der Rainfarn (Tanacetum vulgare). Ob die durch die Literatur geisternden Angaben zu Minze oder gar Weide auf konkreten Beobachtungen beruhen, erscheint mir fraglich.

(Autor: Erwin Rennwald)

7. Weitere Informationen

7.1. Etymologie (Namenserklärung)

„virgo Jungfrau.“

Spuler 1 (1908: 298R)

7.2. Andere Kombinationen

7.3. Synonyme

7.4. Unterarten

7.5. Taxonomie

Die Art wurde früher bei den Hadeninae geführt.

7.6. Faunistik

Nach Sieber & Fischer (1998) und Lehmann & Gelbrecht (2004) wurde E. virgo erstmals am 31.V.1998 in Deutschland im südöstlichen Sachsen gefunden. Es folgten wiederholte Nachweise seit 2000 in der sächsischen Oberlausitz, 2001 in Brandenburg südlich Frankfurt/Oder, 2000 im Osten Bayerns und Sachsen-Anhalt.

Seitdem die Art aus Osteuropa nach Deutschland eingewandert ist, breitet sie sich sukzessive Richtung Westen und Norden aus und konnte auch schon aus Dänemark und Süd-Schweden sowie aus Mecklenburg-Vorpommern (Gelbrecht et al. 2006) gemeldet werden. Fischer (2008) nennt - unter Berufung auf R. Schiller - Leipzig als bis dahin nordwestlichsten Fundort in Sachsen.

Bereits im Jahr 2002 fand H. Wegner erste Raupen im Wendland ganz im Osten von Niedersachsen, im Folgejahr an gleicher Stelle dann auch zwei Falter (Wegner 2004). Kayser (2012) meldet einen Falter vom 27. Juni 2009 bei Oldendorf, Landkreis Celle, im mittleren Niedersachsen. Kayser (2012) fasst den damaligen Kenntnisstand für Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen: "Auf niedersächsischem Gebiet erfolgte der Erstnachweis im Jahr 2002 dann auch im östlichen Landesteil. Wegner fand im September 2002 bei Gartow (Landkreis-Lüchow-Dannenberg) insgesamt vier Raupen an Gewöhnlichem Beifuß (Artemisia vulgaris) und Rainfarn (Tanacetum vulgare), sowie am gleichen Ort zwei Falter am Licht (Wegner 2004). Für Schleswig-Holstein werden erste Funde aus der Gegend von Plön (Kolligs 2007 a) und Lübeck (Kolligs 2007 b) publiziert. Jetzt ist auch aus dem mittleren Niedersachsen ein Fund dieser Art zu melden: Am 27.06.2009 erschien bei Oldendorf (Landkreis Celle) ein Falter am Licht [...]".

Rozicki (2014) berichtet über weitere Funde aus dem östlichen Niedersachsen. In der Zusammenfassung heißt es dort: "Bei einer Nachtfalter-Kartierung auf dem ehemaligen Standortübungsplatz der Bundeswehr bei Wesendorf im ostniedersächsischen Landkreis Gifhorn konnte am 1. August 2012 ein Exemplar von Eucarta virgo (Treitschke, 1835) nachgewiesen werden. Ein weiterer Fund gelang knapp zwei Wochen später im Allertal bei Flettmar-Sandberg an der Westgrenze des Landkreises Gifhorn. Hier wurde bei Kartierungsarbeiten [...] eine Raupe dieser Art an Gewöhnlichem Beifuß (Artemisia vulgaris) gefunden." Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass es sich um zwei weit voneinander entfernte, vor allem aber sehr unterschiedliche Standorte handelt, zum einen um einen trocken-mageren, durch die frühere Nutzung als Bundeswehr-Übungsgelände vielfach offenen Kiefernwald-Komplex mit Sandmagerrasen und Rainfarn-Herden, zum anderen um eine stark nitrophile Krautflur als Streifen zwischen Acker und Fluss. Der Autor kommt zum Schluss: "Die beiden aktuellen Funde aus dem ostniedersächsischen Landkreis Gifhorn [...] deuten darauf hin, dass sich die Art auf niedersächsischem Gebiet unterdessen erfolgreich fortpflanzt und eine Zuwanderung aus dem Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt weiterhin stattfindet." [siehe auch [Lepiforums-Beitrag 16. März 2016]. Köhler (2014) hatte offensichtlich zunächst schlecht recherchiert, als er seine eigenen Falter- und Raupenfunde (an Artemisia vulgaris) vom Sommer 2013 im Kreis Lüchow-Dannenberg für die ersten Nachweise in Niedersachsen hielt; mit seiner Korrektur (Köhler (2015), eingereicht 27. Dezember 2014) nannte er dann auch alle anderen hier angeführten Funde.

Detlef Kolligs [Lepiforums-Beitrag 23. Oktober 2014] ergänzt zu Schleswig-Holstein: "Ich fange die Art seither regelmäßig in meinem Garten bei Plön, hatte sie aber auch schon weiteren Stellen in ganz SH. In diesem Jahr hatte ich sogar 5 frische Falter der zweiten Generation im September am Licht. Diese tritt ja in warmen Gebieten wie Brandenburg stetig auf, hier ist sie mir das erste Mal begegnet (vermutlich aufgrund des heißen und trocknen Juli)."

Die Arealerweiterung nach Nordwesten und Westen scheint gebremst zu sein, sie könnte aber auch noch weitergehen; zumindest scheint es zu Vorstößen einzelner Tiere zu kommen. So meldet Moser (2014) in einer kurzen Notiz zur Hessenfauna den Erstnachweis für Hessen: Ein Weibchen beim Lichtfang am 23. Juli 2014 in Marburg-Michelbach an eigentlich für die Fortpflanzung wenig passender Stelle.

Sinnema & Sinnema-Bloemen (2015) melden die ersten Nachweise für die Niederlande (Friesland, 19. Juli 2014) und den 2. und dritten Nachweis in England (23. u. 24. Juli 2014); sie stehen mit einer für Wanderfalter aus dem Osten äußerst günstigen Großwetterlage mit östlicher Luftströmung in Verbindung.

In Österreich war die Art aus der Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und dem Burgenland gemeldet (Huemer & Tarmann 1993). Wieser et al. (2003) berichten über den Erstnachweis aus Kärnten.

(Autoren: Erwin Rennwald & René Ressler)

7.7. Literatur