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1. Lebendfotos
1.1. Falter
1.2. Raupe
1.3. Fraßspuren und Befallsbild
Die Raupen sind in der Lage, den Halm zu wechseln und eine neue Mine anzulegen. (Zuchtbeobachtung: Heidrun Melzer)
1.4. Puppe
2. Diagnose
2.1. Männchen
2.2. Genitalien
2.2.1. Männchen
2.3. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Raupennahrungspflanzen
3.2. Nahrung der Raupe
- [Poaceae:] Brachypodium sylvaticum (Wald-Zwenke)
- [Poaceae:] Brachypodium pinnatum (Fieder-Zwenke)
- [Poaceae:] Melica nutans (Nickendes Perlgras)
- [Poaceae:] Dactylis glomerata agg. ??? (Knaulgras ???)
Steuer (1973) wies darauf hin, dass die Art in der Literatur vielfach fälschlicherweise als E. taeniatella bestimmt worden war, so dass alte Meldungen zu "E. taeniatella" zu E. gangabella im heutigen Sinne gehören, alte Angaben zu "E. gangabella" aber überwiegend nicht. Er erklärte: "Auch alle Angaben über die Biologie von taeniatella bei STAINTON, MEYRIK, HEINEMANN, E. HERING, SCHÜTZE, GROSCHKE und M. HERING beziehen sich auf gangabella ZELLER. Die Beschreibungen der Mine sind sehr unterschiedlich und beruhen teilweise auf Irrtum. Die Hauptfutterpflanze ist ohne Zweifel Brachypodium silvaticum. Die Raupe soll auch in Dactylis glomerata fressen. Ich fand sie einmal in Melica nutans. Brachypodium silvaticum kommt bei Blankenburg im Waldschatten auf Muschelkalk, Zechstein, Buntsandstein und auch im Schiefergebirge vor. Das Gras wächst in Horsten, und die Blätter werden auf günstigen Standorten bis zu 20 cm [recte: mm] breit (nach HEGI nur 7 mm). Die Minen von E. gangabella sind von September bis Anfang November leicht zu finden, weil sie sehr durchsichtig sind und dadurch auffallen. Meist miniert die Raupe von der Blattspitze aus abwärts. Gelegentlich findet man eine dünne, blattaufwärts ziehende Mine, die aber bald umbiegt und dann nach dem Blattgrund zu verläuft. Auf- und abwärts steigende Parallelgänge, die die Mine bis zur Blattbreite erweitern sollen, konnte ich nie beobachten. Hier liegt sicher eine Verwechslung mit E. adsciteella STT. vor, die u. a. auch an Brachypodium silvaticum lebt. Durch die Mitte der Mine zieht sich ein deutlich sichtbarer Gespinstgang, in dem [sic!] sich die Raupe bei Störungen sehr rasch zurückzieht. Dorthin wird auch der Kot abgesetzt. Von diesem Gespinstgang aus frißt die Raupe ganz unregelmäßig nach beiden Seiten hin die gesamten Parenchymschichten aus. So entsteht eine sich allmählich verbreiternde, an den Rändern ausgezackte, sehr durchsichtige Mine (Abb. 5). Im Spätherbst, oft erst im November, ist die Raupe erwachsen und verbleibt - ohne wieder zu fressen - bis zum Frühjahr in der Mine. Im April verläßt sie das Winterlager und spinnt sich mit einem Gürtelfaden an Stengeln oder Blättern fest. In Gefangenschaft heftet sie sich auch am Glas an, wobei die Lage der Puppe nicht eindeutig festzuliegen scheint. Die Falter schlüpfen von Mai bis Anfang Juni. Die Raupe sieht olive-grün aus, wenn sie noch frißt, und grau in der Winterruhe. Die dunkle Färbung wird durch zahlreiche, in die Cuticula eingelagerte Pigmentkörner hervorgerufen. Auf dem 2. und 3. Brustsegment sind je 2 helle, pigmentfreie Halbmonde zu sehen. Kopf und Sklerite sind kraftig braun."
Am 23. September 2025 erstellte Dieter Robrecht eine sehr schön bebilderte [Artseite im Melanargia-Portal]. Er bestätigze für Nordrhein-Westfalen die Beobachtungen aus Thüringen und kommentierte: "Die Raupen der Grasminiermotte Elachista gangabella sind aktuell auf sehr einfache Art und Weise zu finden, wenn man einen Blick auf die Blätter der Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum) wirft. In deren Blättern miniert die Raupe und „formt“ eine Mine, die im Frühherbst eigentlich unverwechselbar ist. Die Mine beginnt in der Regel in der Hälfte des Blattes und frisst in Richtung Blattspitze in einem zunächst sehr schmalen Gang. Sobald die Spitze oder deren Nähe erreicht ist, kehrt die Raupe um und frisst in Richtung Stängel. Die Mine erscheint aktuell durchsichtig, die Ränder sind stark ausgezackt." Und: "Ich fand die Raupen ebenfalls an Wald-Zwenke, nur eine Raupe an Perlgras." Zum Standort ist dort zu erfahren: "Meine Funde gelangen in Ostwestfalen an vielen Stellen, allerdings stets an Waldrändern und den Rändern von Waldwegen, vorrangig auf kalkhaltigem Untergrund. Die Minen Raupen waren nur im Halbschatten zu finden, in der prallen Sonne fand ich nie. An den Standorten minierten jeweils etliche Raupen, teils über 100 auf kleinem Raum!"
Brachypodium pinnatum kann nach einer Erstaufforstung standörtlich durchaus passen, doch die Pflanze spielt mit ihren schmaleren und weniger winterstabilen Blättern sicher nur eine untergeordnete Rolle. Die Uraltangabe zu Dactylis geht nach Schütze (1931: 24) auf Wocke zurück und dürfte fast sicher falsch sein; es ist davon auszugehen, dass damit Elachista gangabella auct., nec Zeller, 1850 gemeint war, also Elachista unifasciella, die als Raupe ja tatsächlich an vergleichbaren Standorten an Dactylis glomerata agg. lebt.
Schon Frey (1859: 269-270) hatte zu "Elachista taeniatella" aus der Umgebung von Zürich schon alles Wichtige gewusst: "Die Raupe bewohnt im September und Oktober die Blattspitzen von Brachypodinm sylvaticum, in diesen eine weissliche lange, flache Mine bildend. Sie ist ungewöhnlich gross und breit (am mittleren Brustringe am stärksten). Ihre Grundfarbe bildet ein schmutziges Grau. Die scharf von einander abgesetzten Ringe zeigen seitlich mehrere grübchenförmige Eindrücke. Die Brustfüsse erscheinen schwärzlich, während die Bauchfüsse in gewöhnlicher Art die Körperfarbe führen. Der Kopf ist braun, an den Mundtheilen dunkler, kastanienfarbig. Ein unbestimmter brauner Nackenfleck nimmt endlich den Prothorax ein. Erwachsen überwintert unsere Larve in den absterbenden Blättern und verlässt diese erst im folgenden Frühling, um sich an einem verborgenen Orte zur hellbraunen, mit einer mittleren und zwei schwächeren seitlichen Kanten versehenen Puppe zu verwandeln. [...] E. Taeniatella, obgleich lange übersehen, scheint eine weite Verbreitung zu besitzen. [...] In derSchweiz ist sie bei Zürich sehr gemein als Raupe an mässig beschatteten Waldstellen. Die Erziehung gelingt mir mit vielen Opfern, da das verdorrende Gras schwer in dem richtigen Zustand der Feuchtigkeit zu erhalten ist."
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Synonyme
- Elachista taeniatella Stainton, 1857
4.2. Literatur
- Frey, H. (1859): Das Tineen-Genus Elachista. Ein Versuch. — Linnaea Entomologica, 13: 172-314. [PDF auf zobodat.at]
- SCHÜTZE (1931): 24 und 25
- Stainton, H. T. (1858): The natural history of the Tineina 3: I-IX, 1-269, Elachista pl. I-VII, Tischeria pl. I. London (John van Voorst) – Paris (Deyrolle) – Berlin (E. S. Mittler und Sohn). — Digitalisat auf archive.org: [150-159], [pl. Elachista V fig. 1] (unter dem Namen E. gangabella); [66-73], Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek: [pl. Elachista II fig. 1] (unter dem Namen E. taeniatella).
- Steuer, H. (1973): Beiträge zur Kenntnis der Elachistiden (Lepidoptera) Teil I. — Deutsche Entomologische Zeitschrift, Neue Folge 20 (1-3): 153-169 [Digitalisat und PDF-Download auf onlinelibrary.wiley.com].
- Erstbeschreibung: Zeller, P. C. (1850): Verzeichniss der von Herrn Jos. Mann beobachteten Toscanischen Microlepidoptera. — Entomologische Zeitung 11: (2) 59-64, (4) 134-136, (5) 139-162, (6) 195-212. Stettin.



































