2. Weitere Informationen
2.1. Etymologie (Namenserklärung)
Giulio Regeni ? Nein, das war kein Entomologe. Er sammelte kein Typusexemplar und er half den Autoren auch nicht beim Auffinden ihrer neuen Art. Immerhin, er war Forscher, seine Doktorarbeit sollte sich um unabhängige Gewerkschaften in Ägypten drehen. Dazu musste er Kontakte zu Menschen pflegen, die dem autokratischen Staatsapparat mehr als nur ein Dorn im Auge waren. Der junge Italiener wohnte für seine Studien in Kairo. Am 3. Februar 2016 wird die Leiche des 28-Jährigem am Rand einer Schnellstraße in Kairo gefunden - mit jeder Menge grausamster Folterspuren. Italien war damals tief getroffen - offensichtlich auch die Autoren (Cava et al. (2025: 376)), wenn sie ihre neue Art 9 Jahre nach diesem "Vorfall" nach ihm benennen: "Derivatio nominis: in memory of a young Italian researcher murdered by all the evil in the world, waiting for the truth for Giulio Regeni."
2.2. Taxonomie
Psychiden kommen allgemein eher schlecht ans Licht (und flügellose Weibchen schon mal gar nicht), und sie leben ja auch nicht lange als Falter. Daher werden in der Regel Raupensäcke gesucht und die Falter ex larva oder ex pupa erhalten. Bei der Erstbeschreibung von D. giulioregenii war das anders: Alle drei Männchen wurden in automatischen Lichtfallen gefangen - und die Weibchen, die Raupen, Puppen und Raupensäcke sind noch völlig unbekannt! Die (männlichen) Falter wurden nur grob beschrieben, einfach weil sie als Lichtfallenmaterial weniger gut brauchbar für eine Beschreibung waren als ex-larva-Tiere. Die Spannweite passt mit 12-13 mm gut zu D. laichartingella, ist aber erheblich kleiner als die der mittelitalienischen D. adspersella. Ob die Genitalien wirklich konstante Unterschiede aufweisen, wird mir aus der Arbeit nicht klar. Was aber klar ist, dass die 3 Falter beim Barcoding im Vergleich zu allen untersuchten europäischen Diplodoma laichartingella- und Diplodoma adspersella-Faltern sehr erheblich abweichen, nämlich um mehr als 6 %. Die Tiere aus Kalabrien als neue Art zu beschreiben ist also durchaus nachvollziehbar. Der andere Schritt, D. laichartingella- und D. adspersella formal miteinander zu synonymisieren, erscheint mir hingegen nach wie vor zu voreilig.
2.3. Faunistik
Die Art ist bisher nur von 3 Faltern von 3 Fundstellen in Kalabrien, im Süden Italiens, bekannt. Die Autoren erläutern: "Distribution: endemic of South Italy, with type specimens collected from two different mountainous areas, the Catena Costiera Paolana and the Sila Massif, at a distance of 27 km. Habitat: all specimens were found in forested habitat, the holotype in a dense chestnut woodlot and the paratypes in a pure beech forest and in a mixed beech-Calabrian black pine forest." Die drei Fundstellen reichen von 565 bis 1402 m.
2.4. Typenmaterial
Die Art wurde nach 3 Männchen beschrieben. Cava et al. (2025: 376) listen auf: "Holotype. [ITALIA] ♂, CALABRIA,—CC_C2, V.ne Argentino, Montalto Uff., 565 m—1.VI.2016, 39.4082°, 16.1209°, Scalercio & Infusino leg. [DNA barcode specimen ID LEP-SS-04527]. Paratypes. [ITALIA] 1♂, CALABRIA SL_AF, Vallone Tasso, Spezzano Sila (CS), 1402 m—9.VII.2018, 39.332823°, 16.414273°, Scalercio S. leg. [DNA barcode specimen ID LEP-SS-04552]; Gen. prep. CREA—0279, Stefano Scalercio; 1♂, ITALIA—CALABRIA SL_AM, Vallone Tasso, Spezzano Sila (CS), 1376 m—16.VII.2018, 39.332393°, 16.418499°, Scalercio S. leg. [DNA barcode specimen ID LEP-SS-04553], Gen. prep. CREA—0266, Stefano Scalercio."
(Autor: Erwin Rennwald)
2.5. Literatur
- Erstbeschreibung: La Cava, S., Rijllo, G., Zucco, G. & S. Scalercio (2025): Revisiting the genus Diplodoma Zeller, 1852 in Europe: DNA barcoding reveals the presence of an undescribed species from forested habitats of southern Italy (Lepidoptera: Psychidae). — Zootaxa, 5583 (2): 371–382. [PDF auf 30science.com]