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Falter
Balz und Kopula
Eiablage
Ausgewachsene Raupe
Jüngere Raupenstadien
Fraßspuren und Befallsbild
Puppe
Ei
Männchen, ssp. isolatrix Le Cerf, 1913
Männchen
Erstbeschreibung
Lebensraum und Lebensweise
Habitat
Raupennahrungspflanzen
Parasitoide
Inhalt

1. Lebendfotos

1.1. Falter

1.2. Balz und Kopula

1.3. Eiablage

1.4. Ausgewachsene Raupe

1.5. Jüngere Raupenstadien

1.6. Fraßspuren und Befallsbild

1.7. Puppe

1.8. Ei

2. Diagnose

Eine sichere Abtrennung gegenüber der in Portugal und Spanien sowie Nordafrika vorkommenden Carcharodus tripolina ist nur genitaliter möglich. Siehe [Artseite C. tripolina von M. Albrecht].

2.1. Männchen, ssp. isolatrix Le Cerf, 1913

2.2. Genitalien

2.2.1. Männchen

2.3. Erstbeschreibung

3. Biologie

3.1. Lebensraum und Lebensweise

3.2. Habitat

3.3. Raupennahrungspflanzen

3.4. Nahrung der Raupe

Die Raupe dieser Art lebt - (neben der nur genitaliter zu trennenden, in Europa aber auf das südlichste Spanien und Portugal beschränkten Carcharodus tripolina - als fast einzige europäische Dickkopffalter-Art - praktisch ausschließlich an Malvengewächsen (Malvaceae) - von außerhalb Europas (Israel) gibt es allerdings auch einzelne Raupenfunde und Zuchtergebnisse an einem Wolfsmilchgewächs (Euphorbiaceae):

  • [Malvaceae:] Malva moschata (Moschus-Malve) [in Mitteleuropa sehr häufig genutzt]
  • [Malvaceae:] Malva alcea ((Rosen-Malve) [in Mitteleuropa häufig genutzt]
  • [Malvaceae:] Malva sylvestris (Wilde Malve) [in Mitteleuropa sehr häufig genutzt]
  • [Malvaceae:] Malva sylvestris var. mauritiana [= ssp. mauritiana] (Mauretanische Malve) [in Mitteleuropa regelmäßig genutzt]
  • [Malvaceae:] Malva neglecta (Weg-Malve) [in Mitteleuropa regelmäßig genutzt, in Südeuropa häufiger]
  • [Malvaceae:] Malva pusilla (Kleinblütige Malve)
  • [Malvaceae:] Malva punctata [= Lavatera punctata] (Punktierte Strauchpappel)
  • [Malvaceae:] Malva multiflora
  • [Malvaceae:] Malva subovata (Strand-Strauchpappel)
  • [Malvaceae:] Malva trimestris (Becher-Malve)
  • [Malvaceae:] Malva nicaeensis [nicht in Europa]
  • [Malvaceae:] Malva aegyptia [nicht in Europa]
  • [Malvaceae:] Malva assurgentiflora [= Lavatera assurgentiflora] [nicht in Europa]
  • [Malvaceae:] Malva cretica [= Lavatera cretica]
  • [Malvaceae:] Malva parviflora
  • [Malvaceae:] Malva thuringiaca [= Lavatera thuringiaca] (Thüringer Strauchpappel) [wenige Angaben, aber sicher regelmäßig genutzt]
  • [Malvaceae:] Alcea rosea (= Althaea rosea, Gewöhnliche Stockrose, Stockmalve, Garten-Pappelrose, Bauernrose, Garten-Stockrose) [in Mittel- und Südeuropa häufig genutzt]
  • [Malvaceae:] Alcea setosa [Hauptnahrungspflanze in Israel, keine Angaben aus Europa]
  • [Malvaceae:] Althaea officinalis (Eibisch) [in Mitteleuropa nicht selten genutzt]
  • [Malvaceae:] Abutilon theophrasti (Samtpappel, Lindenblättrige Schönmalve) [diverse Ei- und Raupenfunde in Kroatien, Raupenfund in Sachsen]
  • [Malvaceae:] Malvella sherardiana [Fund mehrerer Eier in Israel]
  • [Euphorbiaceae:] Chrozophora tinctoria [Euphorbiaceae! bisher nur Raupenfunde in Israel, Pflanze aber auch im europäischen Mittelmeerraum zu finden]

Eier und Raupen finden sich zumeist an Malven (Malva), insbesondere Moschus-Malven, häufig auch Rosen-Malven und Wilde Malven (inkl. der oft in Buntbrachen zu findenden Mauretanischen Malve), immer wieder auch Weg-Malven und sicher noch weiteren Arten der Gattung, häufig aber auch an Arten der Gattungen Althaea (Stockrosen, auch Eibisch) und an der Thüringer Strauchpappel (jetzt Malva thuringiaca). Grubišić et al. (2006) fanden bei ihrer Suche an der aus Asien stammenden neophytischen Samtpappel (Abutilon theophrasti) zahlreiche Eier und Raupen von Carcharodus alceae. 2013 hatte ich hier noch kommentiert: "da sich die Pflanze seit zwei Jahrzehnten auch in Unkrautfluren in Deutschland (bes. auf Rübenäckern) ausbreitet, sollte auch hier ein Raupennachweis gelingen." Eine entsprechende - mit Foto belegte - Meldung erhielt ich von Frau Silvia Fischer per E-Mail am 30. August 2014: "Bei einer Exkursion der Arbeitsgemeinschaft Sächsischer Botaniker am Fuchsberg nördlich Falkenberg/ Dübener Heide fanden wir am 29.08.2014 an einem Feldrand einen Bestand Samtpappeln (Abutilon theophrasti). An dem dort gepflückten Strauß stellte ich zu Hause zwei Raupen fest, die ich anhand der Bilder im Lepiforum dem Malven-Dickkopffalter zuordne (Foto anbei). Die Samtpappel scheint also tatsächlich auch in Deutschland als Futterpflanze zu dienen."

Andere Malven-Arten - Malva arborea, Malva multiflora, Malva parviflora, Malva punctata, Malva subovata und Malva trimestris sind bestens glaubhaft, auch einige weitere Arten, die Benyamini & John (2020: 162) für den Nahen Osten auflisten.

Zum immer wieder erwähnten Hibiscus (Hibiscus spp.) sind mir bisher keine konkreten Angaben bekannt, ebensowenig zur als Raupennahrung voll glaubhaften Kleinblütigen Malve (Malva pusilla). Bei Fütterungsversuchen von Grubišić et al. (2006) in Kroatien wurden Abelmoschus manihot (= Hibiscus manihot, Maniok-Bisameibisch) und Hibiscus moscheutos subsp. palustris (= Hibiscus palustris, Sumpfeibisch) nicht befressen; Hibiscus syriacus (Hibiskus, Gartenhibiskus, Strauch-Eibisch ) steht gleich doppelt in der Tabelle 4: Einmal bei den Pflanzen, die nicht befressen wurden und einmal bei den befressenen Arten; da steckt also irgendwo ein Fehler drin. Im Fütterungsversuch befressen wurde auch Kitaibela vitifolia, die in Gebirgen des Balkan heimische und in Mitteleuropa gelegentlich in Staudengärten zu findende Weinlaubblättrige Scheinmalve (= Balkanmalve) - Freilandangaben fehlen hierzu noch.

Völlig überraschend meldet Benyamini (2005) aus Israel nicht nur Ei- und Raupenfunde an der dortigen Haupt-Nahrungspflanze Alcea setosa und einzelne Eier an Malvella sherardiana, sondern auch Raupenfunde an dem Wolfsmilchgewächs (Euphorbiaceae) Chrozophora tinctoria. Die Blätter jener Pflanze zeigen von der Form und Beschaffenheit her viel Ähnlichkeit mit Malven- oder Stockrosen-Blättern, aber die Belegung der Pflanze war doch sehr überraschend und noch mehr, dass die Raupen an dieser Pflanze auch durchgezogen werden konnten. Da sie auch im europäischen Mittelmeerraum vorkommt, könnte sich die Raupensuche an der Pflanze auch hier lohnen.

Roesel von Rosenhof (1746) beschreibt in seinen "Insektenbelustigungen" die Raupe eindeutig, was sich schon aus seiner Überschrift ergibt: "Die schwarz-köpfichte/ fahl-braune Pappel-Raupe mit dem gelb-gefleckten Hals, nebst deren Verwandlung". Er schreibt: "Von dieser merkwürdigen Raupen-Art sind mir zu Ende des Junii zwey Raupen zugestellet worden welche man zu gleicher Zeit auf denen gelben Pappeln gefunden hatte, von deren grünen Blättern sie sich genähret; ob sie aber nur-blos diese zu ihrer Speise erwehlen, oder auch von andern Pappeln und Kräutern fressen, kann ich nicht für gewiss sagen." Es folgt eine ausführliche Beschreibung des Raupenverstecks, der baldigen Verpuppung mit der auffallend blaubereiften Puppe und des frisch geschlüpften Falters. Raupe, Puppe und Falter-Ober- und -Unterseite werden in einer Tafel als kolorierte Zeichnung dargestellt. Unter "Pappel" verstand man damals allgemein Malven und Verwandte. Wegen der gelben Blütenfarbe ist hier vor allem an die Samtpappel oder Lindenblättrige Schönmalve (Abutilon theophrasti) zu denken, an der ja auch aktuelle Ei- und Raupenfunde gelangen. Alternativ wäre eine Strauchpappel (Althaea sp.), die normalerweise rosa blühen, von denen es mitunter aber auch gelbe Formen gibt. Wilkes ([1749]) übernahm die Bilder von Raupe, Puppe und Falter und setze sie auf eine Wilde Malve (Malva sylvestris [= Malva vulgaris]). Mit übernommen wurde dabei auch die Falter-Abbildung 7 von Roesels Tafel, zu der jener geschrieben hatte: "Die siebende Figur stellet einen Papilion vor, welcher mit dem vorigen fast von gleicher Art zu seyn scheinet. Ich habe etliche desselben bereits gesammlet, und an ihnen so wohl eine verschiedene Farbe, als auch mancherley Flecken gefunden; noch keinen aber aus seiner Raupe gezogen: jedoch zweifle ich, dass dieselbe von der unserigen viel unterschieden seyn sollte." Inhaltlich folgt dann eine Beschreibung eines Falters, den wir heute in der Gattung Pyrgus unterbringen, bei dem es sich wegen der nichtweißen Flecke der Hinterflügel sicher nicht um Pyrgus malvae handelt; Hemming (1947) sieht darin Pyrgus carthami, was sein könnte, aber nicht sein muss; die Vermutung wurde wohl dadurch befeuert, dass Pyrgus carthami auch an Malven leben soll - was aber, wie wir heute wissen, nicht stimmt. Bei Wilkes ([1749]) war dann zu lesen: "THE GRIZZLED BUTTERFLY. Mr. Rosel tells us, that the caterpillar of this fly was found on the mallow [...] The common Mallow. Malva vulgaris." Linnaeus (1758) bezieht sich bei seiner Beschreibung des Papilio malvae auf die beiden Tafeln der genannten Autoren ohne zu bemerken, dass da zwei deutlich verschiedene Falter gezeigt werden. So übernimmt er für Papilio malvae nicht nur die falschen Angaben "Habitat in Malva, Althaea" sondern wählt auch einen irreführenden Artnamen, der in der Folgezeit viel Verwirrung hinsichtlich der Raupennahrung gestiftet hat.

(Autor: Erwin Rennwald)

3.5. Parasitoide

4. Weitere Informationen

4.1. Etymologie (Namenserklärung)

„nach Malva alcea benannt.“

Spuler 1 (1908: 74L)

4.2. Andere Kombinationen

4.3. Synonyme

4.4. Unterarten

4.5. Publikationsjahr der Erstbeschreibung

Wir übernehmen hier die detailliert von Heppner (1981) recherchierten Publikationsjahre.

4.6. Literatur

  • Anastassiu, H. T. & C. Intzidou (2019): Carcharodus alceae (Lepidoptera: Hesperiidae, Pyrginae) active at night. — Phegea 47 (4): 122-123. [PDF auf phegea.org]
  • Benyamini, D. (2005): Euphorbiaceae – a new host-plant family for Carcharodus alceae Esper, 1780 (Lepidoptera: Hesperiidae) and a discussion on the use of Euphorbiaceae by butterfly larvae (Papilionoidea, Hesperioidea) in the world. — Nota lepidopterologica 28 (2): 75–92. [PDF-Version auf soceurlep.eu]
  • Benyamini, D. & E. John (2020): Butterflies of the Levant and nearby areas. Vol. II: Papilionidae, Pieridae & Hesperiidae. - 208 S.; Eit-Arye (Israel) (4D Microrobotics).
  • Couckuyt, J. (2021): Is de spectaculaire uitbreiding van het Kaasjeskruiddikkopje Carcharodus alceae (Lepidoptera: Hesperiidae) in de Lage Landen het gevolg van de klimaatverandering?. — Phegea 49 (4): 147-178. [PDF auf phegea.org]
  • Ebert & Rennwald (1991b) (= Ebert 2), 451-458.
  • Erstbeschreibung: Esper, E. J. C. ([1780-1786]): Der europäischen Schmetterlinge Ersten Theils zweyter Band welcher die Fortsetzungen der Tagschmetterlinge von Tab. LI. Contin. I – Tab. XCIII. Contin. XLIII. und die Bögen [A] – [Bb] enthält: 1-190, pl. LI-XCIII. Erlangen (Wolfgang Walther).
  • Grubišić, D., J. Igrc Barèić, B. Barić & T. Gotlin Èuljak (2006): Possibilities for biological control of velvetleaf (Abutilon theophrasti Medik.) with phytophagous insects. — Entomolia Croatica 10 (1-2): 67-86. [PDF-Version auf entomolosko-drustvo.hr]
  • ten Hagen, W. (1998): Tagfalterbeobachtungen in Syrien und Jordanien (3. Beitrag) (Lepidoptera: Hesperioidea, Papilionoidea). — Nachrichten des entomologischen Vereins Apollo, Neue Folge 19 (3/4): 247-268. [PDF auf zobodat.at]
  • Hemming, F. (1947): Opinion 181. — Opinions and Declarations Rendered by the International Commission on Zoological Nomenclature 2 (51): 589-612 [Digitalisat auf archive.org].
  • Heppner, J. B. (1981): The dates of E. J. C. Esper's Die Schmetterlinge in Abbildungen ... 1776–[1830]. — Archives of Natural History 10 (2): 251–254.
  • Koçak, A. Ö. (1993): Traky anin ilkbahar lepidopterleri hakkinda faunistik notlar [Faunistical Notes on the Spring Lepidoptera of Turkey in Europe]. — CESA Miscellaneous Papers 17: 1-8. [Digitalisat auf archive.org]
  • Rösel, A. J. (1746): Der monatlich-herausgegebenen Insecten-Belustigung Erster Theil, in welchem die in sechs Classen eingetheilte Papilionen mit ihrem Ursprung, Verwandlung und allen wunderbaren Eigenschafften, aus eigener Erfahrung beschrieben, und in sauber illuminierten Kupfern, nach dem Leben abgebildet, vorgestellet werden. Nürnberg (bey dem Verfasser).
  • Seizmair, M. (2015): Die Neubesiedlung der Münchner Schotterplatten von Carcharodus alceae (ESPER, 1780). - Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen 64 (1/2), 12-18.
  • Sonderegger, P. (1997): Carcharodus alceae. — In: Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz (Hrsg.) (1997): Schmetterlinge und ihre Lebensräume. Arten, Gefährdung, Schutz. Schweiz und angrenzende Gebiete. Band 2: 104-107. Egg (Fotorotar AG).

4.7. Informationen auf anderen Websites (externe Links)