ÜbersichtLänderKarteFundmeldungenExterne Links (16)
Länder:+32Kontinente:EUAS
Neues Layout der Navigation (Beta Test)
Falter
Kopula
Raupe
Fraßspuren und Befallsbild
Puppe
Männchen
Weibchen
Genitalien ♂
Genitalien ♀
Erstbeschreibung
Habitat
Nahrung der Raupe
LebendfotosDiagnoseGenitalienDiagnose MineBiologieWeitere InformationenAndere KombinationenAbweichende SchreibweisenNomenklaturLiteraturInformationen auf anderen Websites (externe Links)

1. Lebendfotos

1.1. Falter

1.2. Kopula

1.3. Raupe

1.4. Fraßspuren und Befallsbild

1.5. Puppe

2. Diagnose

2.1. Männchen

2.2. Weibchen

2.3. Genitalien

2.3.1. Männchen

2.3.2. Weibchen

2.4. Diagnose Mine

Die Minen an Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) bzw. Faulbaum (Frangula alnus) sind sehr charakteristisch: Die Raupe frisst zuerst einen spiraligen, dicht aneinanderliegenden Gang von innen nach außen. Der dicht gewundene Innenteil mit etwa 3 mm Durchmesser erscheint bei flüchtigem Hinsehen als unstrukturierter Fleck, besteht aber aus etwa 5 - 7 Gangumläufen. Zuletzt wird der Gang ein kurzes Stück tangential fortgesetzt, bald darauf verlässt die Raupe die Mine. Die Larven häuten sich nach dem Verlassen der Mine unter einem glatten Kokon, erzeugen dann zuerst Fenster-, später Lochfraß, frei am Blatt sitzend. Sie verpuppen sich in einem gerippten Kokon

Oft mehrere Minen in einem Blatt. Raupen in der Mine v.a. im August.

2.5. Erstbeschreibung

3. Biologie

3.1. Habitat

3.2. Nahrung der Raupe

Bladmineerders.nl [Artseite auf bladmineerders.nl] führt eine Reihe von Rhamnus-Arten als Raupennahrung an:

  • [Rhamnaceae:] Rhamnus cathartica [= Rhamnus catharticus] (Purgier-Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Rhamnus saxatilis (Felsen-Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Rhamnus saxatilis subsp. tinctorius (Gerber-Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Rhamnus alpina (Alpen-Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Rhamnus davurica [= Rhamnus davuricus, Schreibfehler: "R. dahuricus", "R. davurnicus"] (Dahurischer Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Rhamnus imeritina [= Rhamnus imeritinus] (Kaukasischer Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Rhamnus erythroxyloides [= Rhamnus pallasii] (Schmalblättriger Kreuzdorn)
  • [Rhamnaceae:] Frangula alnus [= Rhamnus frangula] (Gewöhnlicher Faulbaum)
  • [Rhamnaceae:] Frangula rupestris [= Rhamnus rupestris] (Felsen-Kreuzdorn, Felsen-Faulbaum)

Die Minen sind häufig in Blättern von Rhamnus cathartica und Frangula alnus zu finden, nehmen aber genauso auch andere Arten der beiden Gattungen an, wie Rhamnus saxatilis oder Frangula rupestris. Jörg Brucklacher meldete mir am 2. September 2026 per e-Mail (mit Fotobeleg): "als Fraßpflanze im Wiki nicht aufgeführt ist der Alpenkreuzdorn Rhamnus alpina. Der wird aber wohl natürlich auch nicht verschmäht. Ich habe das jüngst im Berner Oberland gesehen." Die Angaben zu den anderen Rhamnus-Arten in obiger Liste stammen dabei aus der Zusammenstellung von Popescu-Gorj & Drãghia (1966) aus dem botanischen Garten von Bukarest, die die Art dort für den 7. September 1963 als selten bezeichneten.

(Autor: Erwin Rennwald)

4. Weitere Informationen

4.1. Andere Kombinationen

  • Tinea frangulella Goeze, 1783 [nachträglich korrigierte Schreibweise in der Originalkombination]

4.2. Abweichende Schreibweisen

  • Tinea frangutella Goeze, 1783 [Originalkombination mit lapsus calami]
  • Bucculatrix frangutella Goeze, 1783 [nach 2000 oft verwendete Schreibweise, so auch im Lepiforum bis 10. Juni 2025; sicher zurecht als "misspelling" gedeutet (siehe "Nomenklatur")]

4.3. Nomenklatur

Goeze (1783: 169) benutzte in seiner Erstbeschreibung die Kombination "[Tinea] frangutella". Da er das Tier "die Faulbaummotte" nannte, war klar, dass er es nach der Nahrungspflanze Rhamnus frangula [heute Frangula alnus] benennen wollte. Ja, es ist sehr zu vermuten, dass er das Tier auch so benannt hat, dass der Setzer dann statt des "l" aber ein "t" erwischt hat. Vom Autor selbst scheint es keine schriftliche Korrektur gegeben zu haben. "Frangutella" taucht bei ihm genau dieses einzige Mal auf, aber eben in der Kombination "Frangutella, die Faulbaummotte". Durch diese Kombination mit dem deutschen Namen springt - für den deutschsprachigen Leser - sofort ins Auge, dass hier ein Schreib- oder Setzfehler vorliegen muss! Denn Goeze (1783) hat bei den deutschen Namen zumeist – außer bei Personennamen - ganz einfach die wissenschaftlichen Namen übersetzt. Die nächste Art hieß z.B. „Chaerophyllella, die Kälberkropfmotte“. Und insbesondere wenn Pflanzennamen zum Falternamen führten, folgte Goeze recht streng diesem Schema. So gibt es bei ihm – in alphabetischer Reihenfolge - „Abietella, Tannenschabe“, „Arbutella, Bärentraubenmotte“, „Aruncella, Schwarzwurzelmotte“, „Avellana, der Haselwickler“, „Calthella, die Sumpfdottermotte“, „Chaerophyllella, die Kälberkropfmotte“, „Clematella, die Waldrebenmotte“, „Crataegella, Hagedornmotte“, „Cydoniella, Quittenblattschabe“, „Daphnella, Zeidelbastschabe“, „Daucella, Möhrenschabe“, „Echiella, Natterkopfschabe“, „Epilobiella, Weidrichsröschenschabe“, „Evonymella, die Spillbaummotte“, „Fagella, Büchenschabe“, „Genistella, Gilbkrautschabe“, „Iuniperella, die Wacholdermotte“, „Lappella, die Klettenmotte“, „Oxyacanthella, die Weißdornmotte“, „Persicella, Pfirsichschabe“, „Piceana, der Fichtenwickler“, „Pinetella, die Fichtenmotte“, „Polygonalis, Wegetrittzünsler“, „Pomonella, Obstwickler“, „Prunalis, Schlehenzünsler“, „Quercana, der sächsische Eichenwickler“, „Quercella, Eichenschabe“, „Roborella, Hageeichenschabe“, „Salicalis, der Weidenzünsler“, „Salicella, die Weidenmotte“, „Sambucalis, der Holderzünsler“, „Scabiosella, die Skabiosenmotte“, „Tremella, Zitterpappelschabe“, „Verbascalis, der Wollkrautzünsler“, „Verbascella, Wollkrautschabe“, „Viburnana, Mehlbaumwickler“, „Viciella, Wickenschabe“, „Viminalis, die Bindweiden-Lichtmücke“ und „Xylosteana, der Heckkirschenwickler“. Ein „Frangutella, die Faulbaummotte“ in dieser Reihe ergäbe gar keinen Sinn – Goeze verwendete keine wissenschaftlichen Phantasie-Namen, und so kann er hier nur „Frangulella, die Faulbaummotte“ gemeint haben. Also „clear evidence“ für einen Schreib- oder - sehr viel wahrscheinlicher - Setzfehler.

Zeller (1839: 340) korrigierte die Schreibweise ausdrücklich: "175) Lyonetia (Tinea) rhamnifoliella Tischer. 2, 1. 367. [...] Phal. Maculata frangulae Retz. 55. Phal. Tin. frangutella (lege Frangulella) Göze, entomol. Beytr. 3, 4. 169.". "lege Frangulella" ist Latein und heißt nichts anderes als ""lies Frangulella!" Zeller (1848: 195) nannte das Tier dannselbstverständlich und durchgehend [Buccularix] "Frangulella Goeze".

Bei Stainton (1854: 294) wird die Art vorgestellt als "9. Frangutella, Goëze, E. B. iii. 4. 169. 291 (1783).— Frangulella, Zell. — Alnella, Vill. — rhamniifoliella, Treit. ; F. v. R. pl. 7 ; Sta.". Herrich-Schäffer (1855) benutzte - sicher absichtlich - die korrigierte Schreibweise "Bucculatrix frangulella". In seiner "Systema Lepidopterorum Europae" listete er S. 68: "frangulella (—utella) Goez. — St. — (ulella) Zell. — alnella Vill. — rhamnifoliella Tr. — Dup. — Zell. — FR. t 7." Und jetzt benutzte auch Stainton (1862) diese Kombination, die danach über sehr lange Zeit die einzig verwendete bleiben sollte.

Erst mit der verstärkten Einführung und Beachtung von Nomenklaturregeln wurde betont, dass die Originalschreibweise mit "t" die ursprüngliche ist, und daher "frangulella" ein "misspelling" sei. Im Lepiforum - wo wir ja auch den Abdruck der Erstbeschreibung zeigen - sind wir dem gefolgt und haben bis 10. Juni 2025 diese originale Schreibweise verwendet.

Aarvik et al. (2025: 101) argumentieren dann aber entgegengesetzt: "The original spelling of the name «frangutella» is a misspelling and is corrected to «frangulella». The species feeds on Frangula and should have been named «frangulella». The German name is also given in the original description as Faulbaummotte (Faulbaum = Frangula alnus). Consequently, Bucculatrix frangulella (Goeze, 1783) is a justified emendation of B. frangutella (ICZN article 33.2)."

Insbesondere unter Beachtung der von Goeze (1783) verwendeten Kombination "Frangutella, die Faulbaummotte" ist dieser Interpretation unbedingt zuzustimmen — Goeze hatte keinen Grund, den Fehler nachträglich zu korrigieren, weil damals ja jedem klar war, was gemeint war - und sehr wahrscheinlich war es ja auch nicht sein Fehler, sondern der des Setzers. Wir übernehmen diese nach den Nomenklaturregeln des ICZN korrekte "justified emendation" - zumal sie ja die ganze Zeit über vielfach Usus war. Zeller (1839: 340) hatte es mit seinem "lege frangulella" jedenfalls klar gemacht, wie man das seinerzeit verstand, und Herrich-Schäffer (1854) und Stainton (1862) sind ihm darin gefolgt. Auch mit den modernen Nomenklaturregeln gibt es keinen Grund, von dieser Interpretation abzuweichen: "lege frangulella !"

(Autor: Erwin Rennwald)

4.4. Literatur

4.5. Informationen auf anderen Websites (externe Links)