

+1Kontinente:EU2. Diagnose
2.1. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Nahrung der Raupe
- [Plantaginaceae:] Asarina procumbens [= Antirrhinum asarina] (Nierenblättriges Löwenmaul, Kriechendes Löwenmaul)
Chrétien in Lhomme (1930: 121) teilte in seiner Erstbeschreibung mit: "Chenille sur Anthirrhinum asarina en 4-5, pap. écl. 11.6.96 à La Voulte-s.-Rh., en 6-7 à St-Martin du Canigou. J'ai bien chenille et chrysalide en collection, mais je n'ai pas pris leur description en son temps et je ne puis le faire maintenant."
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Andere Kombinationen
- Epithectis asarinella Chrétien, 1930 [Originalkombination]
4.2. Taxonomie und Faunistik
Was ist "Epithectis asarinella Chrétien, 1930" ? Wir müssen gestehen: Wir wissen es nicht ! Und warum wissen wir es nicht ? Weil es außer der textlichen Artbeschreibung nichts gibt: keine Zeichnung, keine sonstige Abbildung - und anscheinend auch kein überprüfbares Typenmaterial. Einfach gar nichts! Chrétien (1930) nennt genaue Fundorte von "Acompsia tripunctella"-Raupen an Cymbalaria muralis, aber zu seiner neuen Art nennt er nur "Ardèche".
Huemer & Karsholt (1999: 184) hingen das Taxon als letzte Art unter der Überschrift "Taxa incerta sedis" an die Gattung Athrips an und vermerkten dazu: "The species was recognized as belonging to the genus Athrips by Sattler (1978: 57), however without any figures of the adult or its genitalia. According to Keld Gregersen (in litt.) the original description (especially of venation, labial palps and forewing marking) points to a species related to A. mouffetella. We were not able to trace any authentic material and therefore the identity of asarinella remains obscure." Sattler (1978: 57) hatte seine Neukombination mit Athrips mit keinem Wort erläutert - jedenfalls gibt es keinerlei Hinweis, dass er ein Exemplar der Art gesehen hat. Und auh Bidzilya (2005) kann das Taxon nur weiter mit herumschleppen: "Taxa incertae sedis - Athrips asarinella (Chrétien, 1930) [...] Syntypes unspecified, France [not traced] (Huemer & Karsholt 1999: 184). [...] The species was described from an uncpecified number of specimens reared by from Anthirrhinum asarina L. (Scrophullariacea) in April–May (Huemer & Karsholt 1999: 184). The real identity of this species remains unclear due to luck of authentic material and absence of any references accompanied by figures of adult or its genitalia. According to the original description this species may probably be related to A. mouffetella L. (Huemer & Karsholt 1999: 184)."
Das Faszinierende: Chrétien (1900) hatte sich vor allem über die Raupennahrungspflanze gewundert: "Antirrhinum asarina". Und er betonte, dass die von dieser Pflanze gezogenen Falter keine Acompsia tripunctella wären. Aber warum hätten sie das auch sein sollen ? Nun, weil Acompsia antirrhinella - die kaum von A. tripunctella zu unterscheiden ist - als Raupe an eben jener Antirrhinum asarina gefunden worden war. Völlig überraschend geht Chrétien (1900) nur recht oberflächlich auf die von Millière (1866) beschriebene Acompsia antirrhinella ein - weil die Art damals als Synonym von Acompsia tripunctella galt. Doch Millière (1866 hatte nicht nur den Falter sondern auch die zugehörige Raupe abgebildet. Sahen die Raupen von Chrétien denn tatsächlich anders aus ? Chrétien hatte Raupen und Puppen in seiner Sammlung, aber natürlich war da die Farbe nach ein paar Jahren dahin, nachdem er es verpasst hatte, die Raupe rechtzeitig zu beschreiben oder zu zeichnen. Aber wer garantiert uns, dass Chrétiens Raupen von Antirrhinum asarina nicht die gleichen waren wie die von Millière (1866) und nur die Falterbeschreibung von Chrétien keinen Falter aus dieser Zucht, sondern ein anderes Exemplar betraf ? Vielleicht sogar eine echte Athrips mouffetella ? Chrétien (1900) hatte betont, dass er Raupen und Puppen in seiner Sammlung hatte - sind diese verloren - oder ist hier doch noch ein next-generation-Barcoding möglich? Ist von Chrétien (1900) denn tatsächlich gar kein Athrips-Falter mehr übrig, auf den die Falterbeschreibung passen könnte ? Ich werde den Verdacht nicht los, dass es sich hier wenigstens teilweise um ein Phantom handelt.
Aber Raupen an Asarina procumbens sollte es doch noch immer geben - vielleicht sollte man mal gezielt nach ihnen suchen.
(Autor: Erwin Rennwald)
4.3. Literatur
- Bidzilya, O. (2005): A review of the genus Athrips (Lepidoptera, Gelechiidae) in the Palaearctic region. — Deutsche Entomologische Zeitschrift 52 (1): 3-72.
- Huemer, P. & Karsholt, O. (1999): Gelechiidae I (Gelechiinae: Teleiodini, Gelechiini). — In Huemer, P., Karsholt, O. & Lyneborg, L. (Hrsg.): Microlepidoptera of Europe 3: 1-356.
- Erstbeschreibung: Lhomme, L. (1930): Quelques chasses à St-Étienne-Vallée-française (Lozère). — L'Amateur de Papillons 5: (6) 84-93, (7) 103-107, (8) 119-126, (9) 135-141.
- Millière, P. (1866): Iconographie et description de chenilles et lépidoptères inédits 2 (17): 247-280 + pl. 78-80. Paris (F. Savy). [Digitalisat auf biodiversitylibrary.org]




