VorkommenLinks (0)Fundmeldungen
Länder:+2Kontinente:AS
Inhalt

2. Diagnose

Wehrli (1934) vergleicht Aplocera fraternata ausführlich mit A. obsitaria. Zum ♂-Genital bemerkt er: „Es steht nur das Original ♂ zur Untersuchung zur Verfügung, dessen Abdomen nur unverletzt von außen mikroskopisch untersucht werden darf. Die Valven sind ziemlich kurz, die Ventralspange gebogen, am freien Ende zweiteilig. Das anale Ende der Dorsalspange sendet je einen sehr langen, schmalen, spitzen Dorn in medial-ventraler Richtung; beide kreuzen sich ventral, schlagen sich also im ruhenden Zustande um die Ventralspangen herum. Diese sehr langen, sehr auffallenden Dornen am Analende der Valven fehlen allen 6 untersuchten obsitaria-Formen sicher. Keines meiner sämtlichen Marasch-Tiere kann deshalb zu fraternata gehören, alle sind sichere obsitaria Led.“

3. Weitere Informationen

3.1. Andere Kombinationen

  • Anaitis fraternata Herrich-Schäffer, 1861 [Originalkombination]

3.2. Faunistik

Herrich-Schäffer (1861: 27) vermerkt nur kurz: „Von Brussa und vom Olymp.“ Brussa ist die heute Bursa genannte Stadt im Westen des asiatischen Teils der Türkei. Auch Mann (1862: 382): “Anaitis [...] fraternata H.-Sch. Nur zwei Stücke auf dem Olymp.” Also Griechenland ? Nein ! Schon Manns Titel - "Verzeichniss der im Jahre 1851 bei Brussa in Kleinasien gesammelten Schmetterlinge" - sagt es deutlich: Der Fundort gehört nach Kleinasien in die Nähe von Brussa. Und tatsächlich: Auch Brussa hat einen Olymp ! Im [projekt-gutenberg] kann man unter der Überschrift "Brussa und der asiatische Olymp" lesen: "Wenn man auf dem Seewege nach Konstantinopel den Hellespontos passiert hat und das Marmarameer ostwärts durchschneidet, erblickt man am südlichen Gestade des letzteren in blauer Ferne langgestreckte Bergzüge. In mehrfach unterbrochenen, edelgeformten Linien stufenweise ansteigend, finden dieselben in einer majestätischen, mit ewigem Schnee bedeckten Kuppel ihren malerischen Abschluß. Diese stolze Gebirgskuppel ist der Olympos der asiatischen Griechen, der mysische Olymp des Herodot, der bithynische Olymp anderer klassischer Autoren. Allerdings erfreut sich dieser asiatische Olympos nicht des hohen Rufes wie sein europäischer Namensbruder, der auf der Grenze von Mazedonien und Thessalien liegt, und auf den die altgriechischen Sagen den Sitz der Götter verlegen. Aber dennoch wird der abendländische Wanderer durch den Besuch des ersteren weit mehr als durch die Besteigung des letzteren befriedigt werden. Denn der wenig besuchte asiatische Olymp und seine nähere Umgebung ist mit einer Fülle von Naturschönheiten geschmückt, welche dem europäischen Götterberge abgehen, und die historischen Erinnerungen, welche sich an die von ersterem beherrschte Schaubühne weltgeschichtlicher Dramen knüpfen, verleihen ihm einen besonderen Reiz. Unmittelbar am Fuße des asiatischen Olymps liegt Brussa, die von Hannibal gegründete Hauptstadt Bithyniens, die Wiege der osmanischen Dynastie, eine von türkischen Dichtern vielbesungene Perle des Orients, welche an hohem Reiz der Lage mit Damaskus und mit Granada wetteifert."

Hausmann & Sihvonen (2019: 847) geben für A. fraternata konsequent lediglich „Turkey“ an und versehen die Art mit einem Asterisk, was bedeutet, dass sie in “areas immediately adjacent to Europe” vorkommt.

(Autoren: Jürgen Rodeland & Erwin Rennwald)

3.3. Typenmaterial

Herrich-Schäffer (1861: 27): „Von Brussa und vom Olymp.“

Wehrli (1934: pl. II figs. 27-28) bildet zwei Typen (ein ♂ und ein ♀) ab, ohne deren Provenienz anzugeben.

3.4. Literatur

  • Hausmann, A. & P. Sihvonen (2019): Revised, annotated systematic thecklist of the Geometridae or Europe and adjacent areas, Vols 1-6. — In: Müller, B., Erlacher, S., Hausmann, A., Rajaei, H., Sihvonen, P. & P. Skou (2019): The Geometrid Moths of Europe 6: 795-871.
  • Erstbeschreibung: Herrich-Schäffer, G. A. W. (1861): Neue Schmetterlinge aus Europa und den angrenzenden Ländern. Drittes Heft: 25-32, pl. [19]-[26]. Regensburg (G. J. Manz). — Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek: [27], [pl. [21] mit fig. 131]
  • Mann, J. (1862): Verzeichniss der im Jahre 1851 bei Brussa in Kleinasien gesammelten Schmetterlinge. — Wiener Entomologische Monatschrift 6: (11) 356-371, (12) 373-409, pl. 3.
  • De Prins, J. & K. Sattler (2014): Correction of the publication date of Lithocolletis helianthemella Herrich-Schäffer based on additional data of the taxonomic history of this species (Lepidoptera: Gracillariidae). — Zootaxa 3811 (2): 297-300. [PDF preview auf www.mapress.com]
  • Wehrli, E. (1934): Lepidopteren-Fauna von Marasch in türkisch Nordsyrien. (Fortsetzung) Die Geometriden der Ausbeute des Herrn Ernst Pfeiffer und Herrn L. Osthelder München aus Marasch und Bertiz Jaila, Achyr Dagh, Südost Taurus. — Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 24 (1): 1-18, pl. I-II. — Digitalisat auf biodiversitylibrary.org: [pl. II, Erklärung der Abbildungen], [pl. II]