Vorkommen
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Falter
Raupe
Fraßspuren und Befallsbild
Puppe
Weibchen
Raupe
Erstbeschreibung
Inhalt

1. Falter

2. Raupe

3. Fraßspuren und Befallsbild

4. Puppe

Die Verpuppung erfolgt nach der Überwinterung.

5. Diagnose

5.1. Weibchen

5.2. Raupe

Unten: A. petryi: Schweiz, Fribourg, Mont Vully, 500 m, Raupe an Cornus sanguinea, 8. Oktober 2015 (leg., det. & Foto: Rudolf Bryner) [Forum]

5.3. Erstbeschreibung

6. Biologie

6.1. Nahrung der Raupe

  • [Cornaceae:] Cornus sanguinea (Blutroter Hartriegel)
  • [Cornaceae:] Cornus alba (Tatarischer Hartriegel, Weißer Hartriegel)
  • [Cornaceae:] Cornus mas ??? (Kornelkirsche ???)

Die Arten der Gattung Antispila leben an Hartriegel und Kornelkirsche (Cornus) und schneiden vor dem Verlassen derselben ein ovales Blattstück aus, das ihnen in weiterer Folge als Gehäuse dient und in dem sie sich zu Boden fallen lassen. A. petryi scheint praktisch ganz auf den Blutroten Hartriegel fixiert zu sein; in der Erstbeschreibung wird auch ein Fund am nahe verwandten Weißen Hartriegel erwähnt. Ob es gelegentlich auch zur Mitnutzung von Kornelkirschen im Vorkommensbereich des Roten Hartriegels kommt, ist noch zu klären. Entsprechende Spuren an der Kornelkirsche gehören ganz überwiegend - wenn nicht ausschließlich - zu Antispila treitschkiella.

6.2. Parasitoide

"In den Zuchten war stets ein erheblicher Teil der Raupen parasitiert, meistens mit Pnigalio spec.." [Rudolf Bryner]

7. Weitere Informationen

7.1. Publikationsdatum der Erstbeschreibung

Nach einem Vermerk auf S. 429 wurde Heft 10-12 im Juni 1899 herausgegeben.

7.2. Taxonomie

Martini (1899) grenzt seine neue Art sehr detailliert (Färbung, Flügelgeäder, Genitalien) gegenüber Antispila treitschkiella ab, wobei er ausdrücklich auch auf Unterschiede bei den Raupen hinwies. Van Nieukerken et al. (2018) beschreiben, wie es 1978 zur zunächst umstrittenen Synonymisierung mit A. treitschkiella kam, vor allem aber, dass mit der Akzeptanz dieser Synonymisierung in den europäischen Listen von Karsholt & Razowski (1996) und Leraut (1997) das Hinterfragen dieser Synonymisierung schlagartig endete und in praktisch allen neueren Verzeichnissen der Name A. petryi vollständig verschwand oder allenfalls nur noch als Synonym mitgeschleppt wurde (so bis zum 27. Januar 2018 auch im Lepiforum).

Dabei gab es noch immer gute Gründe, diese Synonymisierung zu hinterfragen. So zeigte R. Bryner am 27. September 2006 im [Lepiforum] Raupenspuren und Raupen an Cornus sanguinea und wunderte sich: "Von Antispila treitschkiella findet man fast immer bloss die bereits verlassenen Minen mit dem charakteristischen ovalen Loch, hier an Hartriegel (Cornus sanguineum). Interessanterweise schreibt Peter Buchner in der Bestimmungshilfe, dass er diese Art nur an Cornus mas (Kornelkirsche) gefunden habe. [...] In meiner Gegend ist die Schwesterart Antispila metallella bedeutend seltener, A. treitschkiella dagegen praktisch omnipräsent an den überall häufigen Hartriegelbüschen an Waldrändern, in Hecken oder entlang von Waldwegen. Ich habe sie auch schon mehrfach gezüchtet. Da gibt's also noch etwas zu erforschen und ich werde die Raupen nach den von Peter genannten Unterscheidungsmerkmalen untersuchen." P. Buchner antwortete am [9. November 2006] unter dem Betreff "Zweifel an Antispila treitschkiella". R. Bryner versprach, dran zu bleiben - und er ist jetzt auch einer der Autoren der Studie von Nieukerken et al. (2018).

Huemer (2013: 205) hatte zwischenzeitlich bemerkt: „Nach Nieukerken (in litt.) umfasst das Taxon zwei im DNA Barcode deutlich divergierende Clades, und es könnte sich um zwei Arten handeln. Somit ist auch die Synonymisierung von A. petryi zu überprüfen. Auch die bereits bei Huemer & Tarmann (1993) als zweifelhafte Art aufgelistete A. stachjanella gilt inzwischen als jüngeres Synonym von A. treitschkiella.“.

Die Studie von Nieukerken et al. (2018) war also lange erwartet - und sie liefert erfreulich klare Ergebnisse: Wir haben es bei A. petryi und A. treitschkiella um zwei genitaliter, genetisch und auch ökologisch klar getrennte Arten zu tun.

7.3. Faunistik

Martini (1899) sammelte seine Raupen für die Erstbeschreibung im September 1895 und 1897 bei Sachsenburg in Thüringen und meldete auch Funde aus der Pfalz. Cornus mas kommt in Deutschland von Natur aus nirgends vor, ist aber in Teilen des Fränkischen Juras und wenigen anderen Gebieten schon seit der Römerzeit eingebürgert; erst in den letzten Jahrzehnten wurden Kornelkirschen massiv in Gärten und Parkanlagen gepflanzt. Im größten Teil Deutschlands und weiter nach Westen und Nordwesten (Nordfrankreich, England, Belgien, Niederlande) dürfte A. petryi lange Zeit die einzige der beiden Arten A. treitschkiella / A. petryi gewesen sein. Erst mit der verstärkten Anpflanzung von Cornus mas in Gärten kam es hier zur Ausbreitung / Verschleppung der "echten" Antispila treitschkiella (vgl. Nieukerken et al. (2018)).

(Autor: Erwin Rennwald)

7.4. Literatur