Version 27 (neueste) vom 4. März 2023 um 12:52:12 von Erwin Rennwald
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Falter
Raupe
Puppe
Weibchen
Geschlecht nicht bestimmt
Weibchen
Inhalt

1. Lebendfotos

1.1. Falter

1.2. Raupe

1.3. Puppe

2. Diagnose

2.1. Weibchen

2.2. Geschlecht nicht bestimmt

2.3. Genitalien

2.3.1. Weibchen

3. Biologie

3.1. Nahrung der Raupe

  • [Zamiaceae:] Zamia integrifolia
  • [Arecaceae:] Cocos nucifera (Kokospalme)
  • [Euphorbiaceae:] Ricinus communis (Rizinus, Wunderbaum)
  • [Ulmaceae:] Ulmus sp. (Ulme)
  • [Fabaceae:] Senna occidentalis [= Cassia occidentalis] (Kaffee-Kassie)

Die Art gilt als Detritusfresser, der alle möglichen pflanzlichen Materialien frisst. Wie der oben gezeigte Fund in hochgiftigen Rizinus-Samen zeigt, können das auch Giftpflanzen sein. Der von Hodges (1962) bestimmte Holotypus wurde von Kiefern-Zapfen, die von Dioryctria befallen waren gezüchtet. Er schreibt ansonsten: "Food plant: Scavenger, recorded from the following materials: pine cones infested by Dioryctria (Lepidoptera: Pyralidae), rust infected cones of Pinus elliottii, Pinus palustris, pods of Cassia occidentalis, peach mummy, mummy fossil of loquat, limes, greapefruit, bananas, cabbage, blossoms of cocoanut, and elm leaves."

Graf et al. (2013: 71-72) berichten aus dem Tropenhaus in Leipzig: "A. badia gilt in der Literatur als Aasfresser (Koster & Sinev 2003; Bella & Mazzeo 2006). Im vorliegenden Fall wurden die Larven an den Nodien des Bambus gefunden, wo Schildlauskolonien (Sternorrhyncha: Coccoidea) leben. Die Larven weben dort lockere Gespinste, in welche sie ihre Exkremente einlagern. Auf diese Weise ensteht das charakteristische Befallsbild mit den scheinbar schwarz verdickten Nodien des Bambus (Abb. 9). Unter dem Stereomikroskop zeigen sich unterhalb dieser Gespinste jedoch keine Fraßspuren am Bambus, so dass vermutet wird, dass die Larven von A. badia sich von Schildläusen ernähren. Ob dies allerdings zuungunsten der Schildläuse erfolgt, weil diese lebend gefressen werden (Antagonisumus) oder aber Häutungsreste, tote Tiere etc. gefressen werden, was möglicherweise zum Nutzen der Kolonie sein könnte (Mutualismus), muss noch näher untersucht werden."

Hua et al. (2018) fassen zusammen: "Anatrachyntis badia is native to the southern United States (Hodges 1962) but has been introduced across Europe (Dawidowicz & Rozwalka 2017). It is known as a scavenger that feeds on a variety of hosts, including blossoms of coconuts, elm leaves, decaying fruit, and cones of conifers (Hodges 1962) earning it the common name ‘Florida pink scavenger.'" Der Titel ihrer Arbeit lautet: "A first record of Anatrachyntis badia (Hodges 1962) (Lepidoptera: Cosmopterigidae) on Zamia integrifolia (Zamiaceae)". Zamia integrifolia muss man in Europa nicht kennen: Es handelt sich um einen der seltensten Palmfarne (Cycadales) der Welt, der in seiner Heimat im südlichen Nordamerika und nördlichen Mittelamerika in der Natur als hochgradig gefährdet gilt. Hua et al. (2018) fassen ihre neue Erkenntnis zusammen: "This paper describes the first record of the cosmopolitan moth Anatrachyntis badia on the native Florida cycad Zamia integrifolia, and discusses its possible pollination benefit for this threatened plant. This new record is interesting due to the highly toxic nature of these endangered plants as well as their strict reliance on insect pollination for reproduction. It suggests that associations between species of Anatrachyntis and members of the Cycadales may be more widespread than currently known." Das Verrückte: Als sie Pollen-Kegel der Pflanze untersuchten, schlüpften daraus Falter, die den Pollen mit sich trugen - durch sie ist also eine Bestäubung möglich, nachdem bisher kein Bestäuber für die Pflanze bekannt war. Das Beispiel zeigt, dass auch potenzielle Allesfresser sehr wohl eine ganz spezielle Bedeutung haben können.

4. Weitere Informationen

4.1. Andere Kombinationen

4.2. Faunistik

Die Art wurde aus dem südlichen Nord-Amerika beschrieben; locus typicus ist "So. Florida". Von Nordamerika wurde sie nach Europa eingeschleppt. Nach der [Fauna Europaea] kommt sie in Europa mittlerweile auf den Kanarischen Inseln, Gibraltar, Spanien, Italien, Sizilien, Malta und Griechenland vor, einzelne Verschleppungen gab es auch nach Großbritannien und - nach Kuchlein & de Vos (1999) - den Niederlanden. Letztere nennen zudem (Süd-)Frankreich. Der Erstnachweis für Malta erfolgte 2004: "Malta, Mellieha, Ghadira, 80 m, 9., 10.iv.2004, (southern storm), 2 exx., leg. B. Skule, (ZMUC)."

Agassiz et al. (2013: 112) führen die Art bei den "adventive species" und schreiben zu England: "Specimens reared from pomegranates Devon & Dorset, 2001 & 2002: (Heckford & Sterling, 2004). Has since been found in the wild. North American and introduced into Europe."

Graf et al. (2013: 71-72) melden zu Deutschland: "Anatrachyntis badia (Hodges, 1962): 1♂, Leipzig, Zoo, Tropenhaus „Gondwanaland“, 03.11.2011, e. l., leg. Mally & Nuß, det. Nuß, coll. MTD. Aktueller Erstnachweis für Deutschland und Sachsen." Und: "In Deutschland ist die Art aus dem Freiland bislang nicht bekannt".

(Autor: Erwin Rennwald)

4.3. Literatur