

+17Kontinente:EUAS1. Lebendfotos
1.1. Falter
1.2. Raupe
2. Diagnose
2.1. Männchen
2.2. Geschlecht nicht bestimmt
2.3. Erstbeschreibung
3. Biologie
3.1. Habitat und Lebensweise
Kalotás et al. (2026) erhielten die Art in Ungarn immer nur einzeln am Köder (nur im Herbst) oder Licht, wobei die Tiere im Herbst wie im Frühjahr immer schon 66 bis 78 Minuten nach Sonnenuntergang nachgewiesen werden konnten. Ein Falter konnte im Januar an einer Hauswand gefunden werden, was als frühzeitiges Aufwachen aus der Überwinterung in einer besonders milden Periode gedeutet wurde. Die weiteren Funde erfolgten dann ab März: "Based on data gathered during the study period, Pyrois cinnamomea proved to be rare and locally distributed across the entire surveyed area. An analysis of the occurrence data confirmed that the behaviour of the local micro-populations aligns with the characteristics described and generally accepted in European scientific literature. Based on this, it can be considered certain that Pyrois cinnamomea adults overwinter, and individuals from the overwintering population may become active on mild winter days. The overwintered adults emerge in early spring – typically in March." Und zum Lebensraum heißt es: "The authors also presented 21st-century records from Serbia that have surfaced on international online platforms; these align well with datasets from Hungary, indicating that Pyrois cinnamomea primarily favors mixed deciduous forest areas interspersed with lush, moist meadows, yet is not averse to urban environments." Pappeln, Ulmen und Warzen-Spindelstrauch (Euonymus verrucosus) als mögliche Raupennahrung waren an allen Fundstellen vorhanden.
3.2. Nahrung der Raupe
- [Salicaceae:] Populus nigra (Schwarz-Pappel)
- [Salicaceae:] Populus nigra var. italica (Pyramiden-Pappel)
- [Ulmaceae:] Ulmus campestris ? [= Ulmus minor ?] (Feld-Ulme ?)
- [Celastraceae:] Euonymus europaeus ?? (Gewöhnlicher Spindelstrauch, Gewöhnliches Pfaffenhütchen ??)
Steiner (1997: 234) trug die spärlichen Literaturangaben zusammen und stellte dabei fest, dass die meisten Primärangaben sehr alt sind und danach fast nur noch abgeschrieben wurde. Er stellte fest: "Die frühesten genauen Angaben über die Biologie der Art in Deutschland stammen von Brahm (1791), der die Raupen "vorzüglich und fast einzig auf den italiänischen Pappeln oder Bellen" (Populus nigra cv. Italica bzw. ssp. pyramidalis, daneben auch an Schwarzpappeln (Populus nigra), an Ulmus campestris und (ob fressend ?) an Euonymus europaeus fand. [...] Lhomme (1923-1935) gab aus Frankreich auch noch Prunus spinosa an, die aber als reguläre Nahrungspflanze wenig wahrscheinlich ist." Bis auf wenige weitere Funde an Pappeln sind der späteren Literatur keine Primärangaben mehr zu entnehmen.
Pappeln als Raupennahrung sind ausreichend abgesichert. Wie sehr Ulmen tatsächlich genutzt werden, ist mir unklar. Die Raupe wurde ja schon in der Erstbeschreibung von Goeze (1781: 205) grob beschrieben und der Falter hieß dort mit deutschem Namen "die zimmetfarbige Ilmeneule". Eine zweifelsfreie Bestätigung wäre hier erwünscht.
(Autor: Erwin Rennwald)
4. Weitere Informationen
4.1. Etymologie (Namenserklärung)
Pyrois: pyrrhos (griech.) feuerrot, von den rötlichen Hinterflügeln.
Cinnamomeus, -a, -um (lat.) zimtfarben, von der Hinterflügelgrundfarbe.
4.2. Andere Kombinationen
- Phalaena cinnamomea Goeze, 1781 [Originalkombination]
- Pyrois cinnamomea (Goeze, 1781)
4.3. Synonyme
- Amphipyra confusa (Esper, 1791)
- Amphipyra perfusa (Hübner, [1803])
4.4. Faunistik
Nach Wachlin & Bolz (2012) ist die Art in Deutschland "ausgestorben oder verschollen" (letzter Nachweis 1881). Die alten Nachweise erfolgten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. Nach den in Steiner (1997) zitierten Quellen muss die Art noch um 1880 um Wiesbaden ein häufiges Tier gewesen sein, das dann um 1890 seltener wurde und zuletzt 1898 oder 1899 in einem Einzelexemplar notiert wurde.
Auch in der Schweiz hat sich das Tier weit nach Süden zurückgezogen. Nach SwissLepTeam (2010): "Im Mittelland nur im äußersten Südwesten". Nach der Karte von Wymann et al. (2015) liegen alle schweizerischen Fundpunkte nach 1960 im Umfeld der walliser Rhône zwischen Brig und Martigny.
Kalotás et al. (2026) beleuchten die aktuelle Situation der Art in Ungarn und melden auch einen Internet-Fund aus Serbien. Sie stellten für Ungarn fest: "During the research period (2022–2026), the presence of Pyrois cinnamomea was detected on six occasions. The species was recorded five times within sections of the South Mezőföld Landscape Protection Area (Bikács Ökör-hegy, Kistápé Fen Meadow, Nagydorog Szenes Pasture, and the Szedres Crocus reticulatus site) and once at the Kapszeg Lake Nature Conservation Area; however, only a single specimen was found on each occasion."
(Autor: Erwin Rennwald)
4.5. Literatur
- Brahm, N.J. (1791): Handbuch der ökonomischen Insektengeschichte in Form eines Kalenders bearbeitet. Erster Theil [sic; recte: Zweiter Theil]. 1-558. Mainz (Universitätsbuchhandlung).
- Erstbeschreibung: Goeze, J. A. E. (1781): Entomologische Beyträge zu des Ritter Linné zwölften Ausgabe des Natursystems, 3. Teil, 3. Band. I-XLVIII + 1-439. Leipzig (Weidmanns Erben und Reich).
- Kalotás, Z., Gergely, P. & G. Győri (2026): Újabb adatok a Pyrois cinnamomea (Goeze, 1781) magyarországi előfordulásához és életmódjához (Lepidoptera, Noctuidae). Further data on the occurrence and lifestyle of Pyrois cinnamomea (Goeze, 1781) in Hungary (Lepidoptera, Noctuidae). — Lepidopterologica Hungarica, 22: 247–256. https://doi.org/10.5281/zenodo.22662863. [PDF auf epa.oszk.hu]
- Koren, T. (2023): Additions to the owlet moth fauna (Lepidoptera: Noctuidae) of Croatia. — Entomologia Croatica 22 (1): 67–72. [PDF auf hrcak.srce.hr]
- Steiner, A. (1997) [Hrsg. Ebert, G.]: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 6: Nachtfalter IV. — 622 S.; Stuttgart (Ulmer).
- SwissLepTeam (2010). Die Schmetterlinge (Lepidoptera) der Schweiz: Eine kommentierte, systematisch-faunistische Liste. — Fauna Helvetica 25. Neuchâtel (CSCF & SEG).
- Wachlin, V. & R. Bolz (2012 ["2011"]): Rote Liste und Gesamtartenliste der Eulenfalter, Trägspinner und Graueulchen (Lepidoptera: Noctuoidea) Deutschlands. Stand Dezember 2007 (geringfügig ergänzt Dezember 2010). – In: Binot-Hafke, M., Balzer, S., Becker, N., Gruttke, H., Haupt, H., Hofbauer, N., Ludwig, G., Matzke-Hajek, G. & M. Strauch (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Münster (Landwirtschaftsverlag). — Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 197-239.
- Wymann, H.-P., Rezbanyai-Reser, L. & M. Hächler unter Mitarbeit von A. Luginbühl (2015): Die Eulenfalter der Schweiz. Lepidoptera: Noctuidae, Pantheidae, Nolidae. — Fauna Helvetica 28: 1-960 S.; (CSCF & SEG) Neuchâtel.





























