Vorkommen
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Falter
Balz
Eiablage
Aberrationen
Ausgewachsene Raupe
Jüngere Raupenstadien
Puppe
Eier
Falter
Weibchen
Erstbeschreibung
Bezug der Indikation „Mer. eur. I. t. 26.“
Habitat
Lebensweise
Parasitoide
Prädatoren
Inhalt

1. Lebendfotos

1.1. Falter

1.2. Balz

1.3. Eiablage

1.4. Aberrationen

1.5. Ausgewachsene Raupe

1.6. Jüngere Raupenstadien

1.7. Puppe

1.8. Eier

2. Diagnose

2.1. Falter

Der bräunlichrote Falter trägt auf jedem seiner vier Flügel einen charakteristischen Augenfleck und ist in seinem Verbreitungsgebiet absolut unverwechselbar.

2.2. Genitalien

2.2.1. Weibchen

2.3. Raupen

Der A. io-Jungraupe (L1 und L2) ähnlich ist die L1 und L2 von A. urticae. Letztere trägt jedoch ein deutlicheres dunkles Fleckenmuster. Zudem ist die A. io-Jungraupe verlaufend hell - dunkel gefärbt, die von A. urticae trägt eine gleichmäßige beige Grundfarbe (siehe Bilder).

Die ältere Raupe des Tagpfauenauges (ab L3) kann mit der des Landkärtchenfalters (A. levana) verwechselt werden. Jene trägt zur Unterscheidung auch auf dem Kopf zwei Dornen, die der Raupe des Tagpfauenauges fehlen. Bei den Eiraupen von A. levana sind die Kopfdornen nur bei starker Vergrößerung erkennbar. Die Eiraupen sind bei A. io jedoch noch nicht schwarz gefärbt, sondern beige und braun bis schwarz. Bei A. levana sind sie bereits ab dem Schlupf braun bis schwarz. Zudem findet sich die A. levana-Raupe ohne Gespinst auf der Blattunterseite. Die von A. io mehr oberseits oder im Herz des Triebes - und diese spinnen stets ein Gespinst.

Eine gewisse Ähnlichkeit haben auch schwarze Raupen von V. atalanta. Diese sind jedoch stets deutlich gedrungener. Lange nicht so schlank, wie die A. io-Raupe. Und sie leben einzeln in Blatttüten eingesponnen

Bei sehr kühler Witterung können Altraupen von A. urticae zuweilen fast ebenso dunkel werden wie die von A. io. Die A. urticae-Raupe unterscheidet sich jedoch auch dann noch durch ihren etwas graustichigen Schwarzton und die kürzeren Dornen. Meist ist auch noch eine helle Seitenlinie über den Bauchbeinen erkennbar. Die Altraupe von A. io hat zudem rötliche Bauchbeine, die von A. urticae sind stets braun bis grau. Bei nasskalter Witterung legt die A. urtice-Raupe zudem gerne Blatttüten wie die V. atalanta-Raupe an, die von A. io nie.

2.4. Ähnliche Arten

2.5. Erstbeschreibung

2.6. Bezug der Indikation „Mer. eur. I. t. 26.“

3. Biologie

3.1. Wanderverhalten

Das Tagpfauenauge gilt als Binnenwanderer. Das sind Arten, die innerhalb ihres Verbreitungsgebiets umherziehen. Darüber hinaus hat es sich aber in den letzten Jahren in Skandinavien und Schottland auch etwas weiter nach Norden ausgebreitet. Der Wandertrieb dieser Art scheint nicht allzu stark ausgebildet zu sein. Fest steht, dass frisch geschlüpfte Tiere ihren Schlupfort verlassen und einige Kilometer weiter ziehen. Daher kann man die Falter oftmals auch fernab jener Plätze vorfinden, an denen die Nahrungspflanzen ihrer Raupen wachsen. Solche Zerstreuungsflüge gelten nicht als Wanderung im eigentlichen Sinn, welche es aber auch gibt. Gerade in Jahren, in denen das Tagpfauenauge sehr häufig ist, kann man zuweilen kleinere Schwärme oder hintereinander her fliegende „Ketten“ von Faltern beobachten, die zielstrebig in eine Richtung ziehen.

3.2. Habitat

Der Falter kann fast überall angetroffen werden und findet sich gerade auch gerne an Gartenblumen. In den Alpen steigt er vereinzelt bis auf 2500 m. Das Weibchen legt die Eier in Klumpen, vorzugsweise an etwas feuchter, sonnig bis halbschattig stehende Brennnesseln ab. Daher finden sich die Raupen vorzugsweise an in Gräben oder an Gewässern wachsenden Brennnesseln.

3.3. Lebensweise

Im Spätsommer ernährt sich A. io gern auch von alkoholisch gärenden Früchten — hier auf Bild 1 in Gesellschaft mit Nymphalis antiopa.

Der Falter überwintert in Höhlen, Stallungen, ungeheizten Häusern, Kellerräumen, größeren Vogel-Nistkästen u. ä. und erscheint im Vorfrühling als einer der ersten Tagfalter des Jahres. Diese Tiere können, je nach Wetter und Klima, bis in den Juni hinein beobachtet werden. Die ♀ ♀ beginnen erst spät, Ende April oder im Mai, mit der Eiablage. Daher erscheinen ihre Nachkommen meist erst im Juli und fliegen den Sommer über. In wärmeren Jahren und Gebieten wird auch noch eine 2. Generation ausgebildet, die dann ab etwa Ende August bis in den Oktober hinein fliegt. Das Verbreitungsgebiet dieser 2. Gen. hat sich in den letzten Jahren in Mitteleuropa beträchtlich nach Norden und ins Gebirge ausgeweitet. Trat sie früher fast nur in der Oberrheinebene und am südöstlichen Alpenrand auf, werden Hochsommerraupen nun regelmäßig aus weiten Teilen Mitteleuropas gemeldet. Nur in Norddeutschland werden sie nur vereinzelt in warmen Jahren gefunden. Die 2. Gen. ist aber in der Regel nicht vollständig, denn ein Teil der Falter zieht sich schon sehr frühzeitig in Verstecke zurück, um dort zu überwintern. Dennoch kann es vereinzelt vorkommen, dass die 2. Gen. auch noch einmal Eier legt, so dass Raupen bis in den November gefunden werden können. Dieser 3. Gen. gelingt nördlich der Alpen der Falterschlupf i.d.R. jedoch nicht mehr.

Die Raupen fressen an der Großen Brennnessel (Urtica dioica), selten auch einmal an Hopfen (Humulus lupulus). Ob Literaturangaben zu Glaskraut (Parietaria officinalis) zutreffend sind, ist zweifelhaft. Bei Fütterungsversuchen mit mitteleuropäischen Raupen wurde diese Pflanze nicht angenommen. Die Raupen leben bis zur letzten Häutung gesellig auf einem Gespinst.

(Autoren: Jürgen Hensle und Jürgen Rodeland)

3.4. Nahrung der Raupe

  • [Urticaceae:] Urtica dioica (Große Brennnessel)
  • [Urticaceae:] Urtica angustifolia ? (Schmalblättrige Brennnessel ?)
  • [Urticaceae:] Urtica cannabina ? (Sibirische Hanfnessel ?)
  • [Urticaceae:] Urtica urens ?? (Kleine Brennnessel ??)
  • [Urticaceae:] Parietaria officinalis ??? (Aufrechtes Glaskraut ???)
  • [Cannabaceae:] Humulus lupulus (Hopfen)

Mit sehr großem Abstand wichtigste Eiablagepflanze in ganz Europa ist die Große Brennnessel (Urtica dioica). In der Urlandschaft könnte entlang der großen Ströme auch die nahe verwandte Ufer-Brennnessel (Urtica subinermis [= Urtica dioica ssp. subinermis]) eine gewisse Rolle gespielt haben, wo vorhanden auch die Röhricht-Brennnessel (Urtica kioviensis) - zu beiden Arten liegt aber bisher keine einzige konkrete Meldung über Eiablagebeobachtungen oder Raupenfunde vor. Auch die häufige Kleine Brennnessel (Urtica urens) scheint, auch wenn es Literaturangaben gibt, zumindest im Freiland überhaupt nicht belegt zu werden, ebensowenig die Pillen-Brennnessel (Urtica pilulifera), zu der ich keine Daten kenne. Von mir nicht überprüft werden konnten bisher Angaben aus Asien, die die Nutzung von Urtica angustifolia (Schmalblättrige Brennnessel) in Japan und Urtica cannabina (Sibirische Hanfnessel) im asiatischen Teil Russlands betreffen - beides ist gut möglich, in beiden Gebieten gibt es aber auch Urtica dioica. Zu erwarten wäre auch eine Nutzung von Urtica atrovirens auf Korsika und Sardinien - doch entsprechende Meldungen scheint es nicht zu geben.

Gut als Raupennahrung belegt ist der Hopfen (Humulus lupulus). Das oben gezeigte Raupenfoto von Sven Schoenebaum [siehe auch [Forum] aus Sachsen-Anhalt an dieser Pflanze habe ich kommentiert: "Die Jungraupen-Gespinste sind an den Brennnesseln zu finden, aber wenn sich da ein Hopfen durchzieht wechseln die großen Raupen liebend gerne auf diesen über". Ich habe dazu zwei eigene Beobachtungen aus Baden-Württemberg, bei denen jeweils etliche Raupen im letzten Stadium diesen Wechsel vollzogen hatten. Rennwald (2003) hatte dazu berichtet: "Wilder Hopfen (Humulus lupulus) als Freiland-Raupennahrungspflanze des Tagpfauenauges (Inachis io Linnaeus, 1758)". Dabei hatte er zwar einzelne ältere Quellen zitiert, aber die wenige Jahre zuvor erschienene Arbeit von Weihrauch (2000) über "Die Großschmetterlingsfauna an Kulturhopfen (Humulus lupulus L.) in der Hallertau" (Bayern) übersehen. Dort wird (S. ) berichtet: "Die Raupen des Tagpfauenauges sind als Gelegenheitsschädling des Hopfens in der Hallertau seit langem bekannt (Kohlmann & Kastner 1975, Riehm 1983, Zirngiebl 1902). Campbell (pers. Mitt.) fand die Art in den englischen Anbaugebieten in Kent 1998 ebenfalls regelmäßig an Hopfen. In der Hallertau wurden neben regelmäßigen Einzelnachweisen 1995-1999 in den Jahren 1995 und 1996 in zahlreichen Hopfengärten größere Konzentrationen von Raupen der Art gefunden, die teilweise für den punktuellen Kahlfraß einiger oberer Rebenabschnitte ver- antwortlich waren. Die Eiablage an Hopfen wurde zwischen 1996 und 1999 mehrfach durch Nester mit Jungraupen auf Blättern im oberen Rebenbereich nachgewiesen. Nennenswerte wirtschaftliche Schäden durch das Tagpfauenauge konnten bislang jedoch nicht beobachtet werden und sind wohl auch nicht zu erwarten." Bemerkenswert war hier u.a., dass die jüngeren Raupen im oberen Kronenbereich, also in 7 m Höhe gefunden wurden, dort, wo man als "normaler" Beobachter keine Eiablage bemerken würde. Vielleicht ist das mit ein Grund für die Seltenheit an Raupenfunden an Wildpflanzen dieser Art. Hopfen spielt als Raupennahrungspflanze des Tagpfauenauges zwar keine große Rolle, aber auch keine völlig marginale.

Anders als bei Vanessa atalanta werden auch in Südeuropa Glaskraut-Arten (Parietaria spp.) anscheinend gar nicht belegt, zumindest finden sich keine konkreten Angaben zur Nutzung dieser Pflanzen. Auch die Behauptung, dass die Art auf Samos an Parietaria officinalis lebt, scheint nicht belegt zu sein: Sie beruht auf dem indirekten Schluss, dass dort Tagpfauenaugen gesehen wurden, es aber keine Brennnesseln geben soll, die Raupen also auf Parietaria officinalis zu finden sein müssten - doch vielleicht handelt es sich hier nur um vagabundierende Tiere, die sich gar nicht fortpflanzen.

Auch beim angeblich so bekannten Tagpfauenauge scheint es bezüglich der Raupennahrung also noch größere Kenntnislücken zu geben.

(Autor: Erwin Rennwald)

3.5. Parasitoide

3.6. Prädatoren

4. Weitere Informationen

4.1. Andere Kombinationen

Das Tagpfauenauge hat seinen Gattungsnamen schon öfters gewechselt. Nach Wahlberg & Nylin (2003) gehört es in eine Gattung, mit deren Namen es noch nie in Verbindung stand: Aglais, also die Gattung, der auch der Kleine Fuchs angehört. Nicht alle Autoren akzeptieren diese Zuordnung.

4.2. Synonyme

4.3. Etymologie (Namenserklärung)

Io: in der griechischen Mythologie eine Geliebte des Zeus; sie gebar ihm Epaphos.

(Autorin: Tina Schulz)

4.4. Verbreitung

Das Tagpfauenauge kommt in fast ganz Europa und in Asien vor. Es fehlt jedoch im hohen Norden und im tropischen Südasien. In Europa tritt es auf Island, Nordskandinavien, Nordfinnland sowie in Nordrussland nicht auf. Im Mittelmeerraum fehlt es im Süden von Portugal und in Südgriechenland, kommt im südmediterranen Raum ansonsten fast nur im Gebirge vor. Nördlich der schottischen Hauptinsel und im Küstenbereich Skandinaviens hat sich die Art in den letzten Jahren nach Norden ausgebreitet.

4.5. Typenmaterial

Honey & Scoble (2001: 336) zitieren Verity (1913: 181): “no specimen from the Linnean Collection is now in existence.” Honey & Scoble (2001 337) berichten von zwei Exemplaren in The Linnean Society of London, “but both are attributed to Jones and therefore treated under Subsequent material as they are not syntypic.”

Solange sich nicht die Notwendigkeit ergibt, einen Neotypus festzulegen, existiert deshalb kein Typenmaterial von Aglais io.

4.6. Literatur

  • Ebert & Rennwald (1991a) (= Ebert 1), 370-377.
  • Honey, M. R. & M. J. Scoble (2001): Linnaeus's butterflies (Lepidoptera: Papilionoidea and Hesperioidea). — Zoological Journal of the Linnean Society 132: 277-399.
  • Erstbeschreibung: Linnaeus, C. (1758): Systema naturae per regna tria naturae, secundum classes, ordines, genera, species, cum characteribus, differentiis, synonymis, locis. Tomus I. Editio decima, reformata. 1-824. Holmiae (Laurentius Salvius).
  • Bezug einer Indikation in der Erstbeschreibung: Merian, M. S. (1730): DE EUROPISCHE INSECTEN, Naauwkeurig onderzogt, na 't leven geschildert, en in print gebragt door MARIA SIBILLA MERIAN: Met een korte Beschryving, waar in door haar gehandelt word van der Rupsen begin, Voedzel en wonderbare Verandering, EN OOK VERTOONT WORD De Oorspronk, Spys en Gestalt-verwisseling, de Tyd, Plaats en Eigenschappen der Rupzen [sic], Uiltjes, Vliegen en andere diergelyke bloedeloose Beesjes. HIER IS NOG BYGEVOEGT Een naauwkeurige Beschryving van de Planten, in dit Werk voorkomende; en de Uitlegging van agtien nieuwe Plaaten, door dezelve MARIA SIBILLA MERIAN geteekent, en die men na haar dood gevonden heeft. In 't Frans beschreeven door J. MARRET, Medicinae Doctor, En door een voornaam Liefhebber in 't Nederduits vertaalt: Frontispiz, Schmutztitel, Titel, 1-84, pl. I-CLXXXIV. Amsterdam (J. F. Bernard). — Digitalisat auf archive.org: [pl. XXVI]
  • Rennwald, E. (2003): Wilder Hopfen (Humulus lupulus) als Freiland-Raupennahrungspflanze des Tagpfauenauges (Inachis io Linnaeus, 1758) (Lepidoptera, Nymphalidae). — Atalanta, 34 (3/4): 405-407. [PDF auf zobodat.at]
  • Schweizerischer Bund Für Naturschutz [Hrsg.] (1987): Tagfalter und ihre Lebensräume. Arten – Gefährdung – Schutz. — XI + 516 S. (hier 179-180), Egg/ZH (Fotorotar AG).
  • Settele, J. et al. (2008): Climatic Risk Atlas of European Butterflies. — 710 S., Sofia - Moscow (Pensoft).
  • Settele, J., Steiner, R., Reinhardt, R., Feldmann, R. & G. Hermann (2009): Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands. 2. Auflage. — 256 S.; Stuttgart (Ulmer).
  • Tshikolovets, V. V. (2011): Butterflies of Europe & the Mediterranean area. - 544 S.: Pardubice, Czech Republik (Tshikolovets Puplications).
  • Wahlberg, N. & S. Nylin (2003): Morphology versus molecules: resolution of the positions of Nymphalis, Polygonia, and related genera (Lepidoptera: Nymphalidae). — Cladistics 19: 213-223.
  • Weihrauch, F. (2000): Die Großschmetterlingsfauna an Kulturhopfen (Humulus lupulus L.) in der Hallertau (Lepidoptera: Hepialidae, Lasiocampidae, Sphingidae, Lycaenidae, Nymphalidae, Geometridae, Noctuidae, Lymantriidae, Arctiidae). — Nachrichtenblatt bayerischer Entomologen, 49 (1/2): 11-20. [PDF auf zobodat.at]

4.7. Informationen auf anderen Websites (externe Links)